Wirtschaft

Vom Hobbybahner zum Chefaufseher Porträt Utz-Hellmuth Felcht

07.03.2010, 11:45 Uhr

Zu Hause lässt Utz-Hellmuth Felcht gern Modelleisenbahnen kreisen. Doch schon bald kann der Manager und Hobbysammler von Zügen und Loks die Weichen im ganz großen Maßstab stellen: Der 63-jährige Professor und ehemalige Vorstandschef des Feinchemieherstellers Degussa ist designierter Chefkontrolleur bei der Deutschen Bahn AG.

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Utz-Hellmuth Felcht braucht für seine neue Aufgabe viel Fingerspitzengefühl. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Dass sich die Bundesregierung bei der Besetzung des Spitzenpostens im Aufsichtsrat der Bahn ausgerechnet auf Felcht als Nachfolger von Werner Müller verständigte, ist wahrscheinlich keine Empfehlung des derzeitigen Bahnaufsehers gewesen.

Der Machtkampf mit Müller

Denn vor wenigen Jahren tobte zwischen Müller und Felcht noch ein Kleinkrieg. Es ging um die beste strategische Ausrichtung von Degussa. Müller, in seiner Funktion als Vorstandschef des damaligen Bergbaukonzerns RAG, saß am längeren Hebel; Degussa sollte in die Chemieaktivitäten der RAG integriert und später gemeinsam mit den Sparten Immobilien und Energie als neuer Konzern (Evonik) an die Börse gebracht werden.

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Man sieht sich immer zweimal: Werner Müller muss seinen Platz für einen alten Widersacher räumen. (Foto: picture alliance / dpa)

Vor sechs Jahren übernahmen die Essener Degussa vom Energieriesen Eon. Felcht hielt dem Feinchemiespezialisten zunächst noch die Stange. Um den milliardenschweren Kauf zu finanzieren, wurde gegen seinen Willen die Sparte Bauchemie verkauft. Felcht war entmachtet, 2006 warf der gebürtige Westfale vorzeitig das Handtuch.

Gemeinsame Heimat

Jetzt hat sich Felcht zurückgemeldet: Möglich, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bei der Besetzung des hochkarätigen Postens bei der Bahn ein entscheidendes Wörtchen mitgeredet hat.

Viele Jahre verbrachte Felcht nämlich in Bayern, unter anderem als Vorstandsvorsitzender der SKW Trostberg. Die damalige Tochter des Viag-Konzerns kam mit der Fusion von Veba/Viag unter das gemeinsame Dach von Eon. Auch nach seinem Abschied von Degussa zog es den Manager zurück in den Süden der Republik - er wurde Partner des Finanzinvestors One Equity in München.

Der nach außen eher spröde wirkende Felcht - Markenzeichen: leicht abstehende Ohren und Lesebrille auf der Nasenspitze - ist durch und durch Naturwissenschaftler. Mit 29 Jahren promovierte er bereits zum Doktor der Chemie und arbeitete an der Universität Kaiserslautern als Assistent. 1977 begann seine berufliche Karriere in der Privatwirtschaft bei der damaligen Hoechst AG.

Hier legte er eine Blitzkarriere hin. Nach einem längeren Auslandsaufenthalt in USA rückte er 1992 in den Vorstand auf. Dort sah er nach der Abspaltung der Chemie für sich aber keine Perspektiven mehr. Felcht wechselte zur SKW Trostberg. Im Zuge des Zusammenschlusses von Veba und Viag kam er durch die Fusion von Veba und Viag zu Degussa. 2001 wird er Vorstandschef des Düsseldorfer Chemiespezialisten.

In seinem neuen Job als oberster Bahnaufseher muss Felcht Fingerspitzengefühl zeigen: Dabei muss er sowohl mit dem Bahnvorstand wie auch dem Bund als Eigentümer und den Arbeitnehmervertretern an einem Strang ziehen. Und als Naturwissenschaftler kennt Felcht das oberste Gebot nur allzu gut: Die Chemie muss stimmen zwischen den Beteiligten.

Quelle: von Peter Lessmann, dpa