Wirtschaft
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Milliarden-Geldspritze aus Fernost: Portugal baut auf China

Peking geht wieder in die Spur, um nach Griechenland dem nächsten finanziell angeschlagenen Euro-Staat zu helfen. Einem Zeitungsbericht zufolge will die Volksrepublik portugiesische Staatsanleihen im Wert von fünf Milliarden Euro kaufen. Ganz uneigennützig ist Chinas Euro-Sorge nicht.

Chinas Euro-Sorge ist nicht ganz uneigennützig. Peking versucht, eigene Interessen durchzudrücken. Die EU soll China als Marktwirtschaft anerkennen.
Chinas Euro-Sorge ist nicht ganz uneigennützig. Peking versucht, eigene Interessen durchzudrücken. Die EU soll China als Marktwirtschaft anerkennen.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Kampf gegen die Schuldenkrise kann Portugal auf eine Finanzspritze aus China hoffen. Die Volksrepublik wolle Staatsanleihen im Wert von vier bis fünf Mrd. Euro kaufen, berichtete die portugiesische Zeitung "Jornal de Negocios". Beide Regierungen hätten sich darauf geeinigt, dass China im ersten Quartal 2011 zuschlägt - entweder bei Auktionen der staatlichen Finanzagentur oder am Markt. Quellen für ihren Bericht nannte die Zeitung nicht.

Die chinesische Zentralbank wollte die Angaben nicht kommentieren. Auch die Bundesregierung wollte sich dazu nicht äußern. An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht jedoch für Bewegung: Der Euro legte leicht zu und erreichte bei 1,3168 US-Dollar ein Tageshoch. Portugal muss 2011 Schulden in Höhe von 9,5 Mrd. Euro zurückzahlen, 4,5 Mrd. Euro im April und 5,0 Mrd im Juni. Gleichzeitig muss eine Finanzlücke im Staatsetat von fast elf Mrd. Euro durch neue Schulden geschlossen werden.

"Konkrete Maßnahmen"

Spekulationen über eine Finanzspritze China kursieren bereits seit längerem. Angeheizt wurden sie durch ein Treffen des portugiesischen Finanzministers Fernando Teixeira dos Santos mit seinem Amtskollegen Xie Xuren und dem Chef der chinesischen Notenbank in der vergangenen Woche. Vize-Ministerpräsident Wang Qishan sagte vor wenigen Tagen, sein Land habe "konkrete Maßnahmen" eingeleitet, um einigen europäischen Ländern zu helfen und damit die weltweiten Finanzmärkte zu beruhigen.

Bereits im November hatte Staatspräsident Hu Jintao dem hoch verschuldeten Land seine Hilfe zugesichert. Er äußerte sich aber nicht dazu, ob auch Anleihen gekauft werden sollen. China hatte zuvor bereits dem finanziell ebenfalls angeschlagenen Griechenland seine Hilfe angeboten.

Die Volksrepublik besitzt mit rund 2,7 Bill. Dollar dank des seit Jahren anhaltenden Wirtschaftsbooms die weltweit größten Devisenreserven der Welt. Das Geld ist vorwiegend in US-Staatsanleihen angelegt. China ist der größte ausländische Gläubiger der USA. Auch in der EU wurde bereits über eine Lösung der Schuldenkrise mit Hilfe der Chinesen diskutiert.

"Man muss darüber nachdenken, wer genügend Geld hat, um das Problem zu lösen", sagte kürzlich ein hoher EU-Offizieller. "Das einzige Land ist China. Wir müssen die Chinesen dazu bringen, EU-Schuldtitel zu erwerben."

Euro-Sorge nicht uneigennützig

China dürfte nicht abgeneigt sein. Lassen sich mit den Zuwendungen für angezählte Euroländer doch auch eigene Interessen verknüpfen. Während der jährlichen Handelsgespräche zwischen der EU und China in Peking machte der chinesische Handelsminister Chen Deming klar, dass die Regierung in Peking hoffe, dass die EU China als Marktwirtschaft anerkenne.  Dem Wirtschaftsriesen, der sich Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Staaten nicht zuletzt durch einen künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs verschafft, würden damit weniger Anti-Dumping-Maßnahmen drohen.

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Quelle: n-tv.de

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