Wirtschaft
Trotz vieler Reformen kommt Portugal nicht in ruhigeres Fahrwasser.
Trotz vieler Reformen kommt Portugal nicht in ruhigeres Fahrwasser.(Foto: REUTERS)

Abstufung erwogen: Portugal bleibt Sorgenkind

Im kommenden Jahr sollte sich das Krisenland eigentlich wieder selbst finanzieren können. Doch davon ist es weit entfernt. Die Ratingagentur S&P dreht daher weiter an den Daumenschrauben. Vieles deutet auf ein weiteres Rettungspaket hin.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) mahnt Portugal. Die Bonitätsnote des Euro-Krisenlands sei unter verschärfte Beobachtung gestellt worden, teilten die Kreditwächter mit. Es sei wahrscheinlich, dass der krisengeplagte Staat ein zweites Rettungspaket brauche. Die Bonitätsprüfer sehen Portugals mit den EU-Partnern vereinbarte Sparziele akut in Gefahr. Die Reformen seien durch eine schwächelnde Wirtschaft sowie wieder aufflammende politische Risiken bedroht.

Derzeit bewertet S&P Portugal mit der Note BB. Das ist die zweite Stufe des sogenannten Ramsch-Niveaus, das spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Der Ausblick war bereits negativ, so dass eine weitere Senkung der Bonität zu befürchten war. Nun hat die Agentur den Druck nochmal erhöht und das Rating auf "Credit Watch Negative" gesetzt.

Sozialdemokraten äußern Unmut

Zur Abwendung einer Staatspleite hatte Portugal 2011 von der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Hilfspaket über 78 Milliarden Euro erhalten. Dafür verpflichtete sich Lissabon zu einem strengen Sanierungskurs. Ab 2014 soll sich das Land eigentlich wieder vollständig am freien Kapitalmarkt finanzieren. Das aber gilt inzwischen als äußerst ungewiss.

Unterdessen werfen die in Portugal regierenden Sozialdemokraten dem IWF Heuchelei vor, weil er von dem Land weitere Einschnitte verlangt und gleichzeitig grundsätzlich vor übertriebenem Sparen warnt. Der Währungsfonds weise zwar auf die Gefahren der Sparprogramme für die schwache Konjunktur hin, zeige aber am Verhandlungstisch wenig Flexibilität, sagte Parteisprecher Marco Antonio Costa.

Anleger erwarten zweites Paket

Zu Wochenbeginn haben IWF und EU mit einer Überprüfung des portugiesischen Rettungsprogramms begonnen. Die Regierung hofft auf eine weitere Lockerung der Haushaltsziele für das kommende Jahr, aber bislang haben sich die Gläubiger wenig nachgiebig gezeigt. 

In einem IWF-Bericht vom Dienstag hatte es geheißen, einige Länder benötigten bei der Konsolidierung ein Tempolimit, weil sie sonst die Wirtschaft abwürgen könnten. Allerdings sei die Beweislage für diese Schlussfolgerung nicht ganz eindeutig. Viele Länder hätten im Zweifel keine Alternative zum Sparen - vor allem, wenn sie das Vertrauen der Anleihegläubiger am Finanzmarkt zurückgewinnen müssten.

Die Preise für portugiesische Anleihen signalisierten am Mittwoch, dass viele Anleger ein weiteres Rettungspaket für das Land bereits für ausgemachte Sache halten. Sie gehen jedoch nicht davon aus, dass kurzfristig ein Schuldenschnitt droht, der auch Privatinvestoren Verluste aufbürdet.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen