Wirtschaft
Ein Flugzeug der Alitalia landet in London-Heathrow.
Ein Flugzeug der Alitalia landet in London-Heathrow.(Foto: REUTERS)

Die Zeit drängt: Post soll Alitalia retten

Alitalia steckt in großen Schwierigkeiten. Die Fluggesellschaft braucht dringend frisches Geld, andernfalls droht die Zahlungsunfähigkeit. Die Regierung bietet Hilfe an - stellt aber auch Bedingungen. Doch die muss das Management wohl oder übel akzeptieren.

Italiens Regierung macht der kriselnden Fluggesellschaft Alitalia ein Rettungsangebot. An der dringend benötigten Kapitalerhöhung soll sich die staatliche Post beteiligen, wie Ministerpräsident Enrico Letta ankündigte. Dafür stellt die Regierung jedoch Bedingungen: Das Geschäftsmodell müsse grundlegend geändert und eine neue Strategie rasch umgesetzt werden. Außerdem brauche Alitalia personelle Veränderungen im Management und eine stabile Aktionärsstruktur.

Wie viel Geld der Mutterkonzern der Poste Italiane beisteuern wird, sagte die Regierung nicht. Medien nennen unterschiedliche Summen, sie liegen zwischen 75 und 100 Millionen Euro. Im Laufe des Tages wird der Verwaltungsrat der Fluggesellschaft zusammenkommen, um über das Angebot der Regierung zu beratschlagen. Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass es zurückgewiesen wird. Nach Schätzung von Gewerkschaften soll das Finanzierungspaket ein Volumen von einer halben Milliarde Euro erreichen. Davon würden 300 Millionen auf neue Aktien und 200 Millionen auf einen Kredit entfallen.

Nächste Woche soll auch eine Aktionärsversammlung stattfinden. Die Anteilseigner werden dann über Vorschläge abstimmen, wie das Unternehmen an frisches Kapital kommen kann. Bei Alitalia sind rund 14.000 Menschen beschäftigt.

Das Unternehmen kämpft mit einem Schuldenberg von einer Milliarde Euro und benötigt dringend einen neuen Investor, ansonsten droht innerhalb die Zahlungsunfähigkeit. Laut der italienischen Luftfahrtbehörde Enac läuft Alitalia Gefahr, den Betrieb der 140 Flugzeuge wegen Zahlungsverzugs binnen Tagen einstellen zu müssen. Das Unternehmen wies Berichte zurück, dies könne mangels Kerosin bereits am Wochenende geschehen. "Wir arbeiten daran, wir bleiben operativ, wir haben keine Probleme", sagte ein Manager. Nach italienischem und EU-Recht sind die Flugaufsichtsbehörden gezwungen, einer Fluggesellschaft die Betriebslizenz zu entziehen, wenn diese nicht gewährleistet, dass sie in den nächsten zwölf Monaten ihre Rechnungen bezahlen kann.

Alitalia verbrennt Geld

Seitdem Alitalia vor fünf Jahren von privaten Geldgebern und Unternehmern vor dem Untergang bewahrt wurde, hat das Unternehmen keinen Gewinn mehr gemacht. Trotz eines weitreichenden Geschäftsumbaus hat die Fluggesellschaft auf ihrem Heimatmarkt immer noch schwer gegen die Konkurrenz von Billigfliegern und Hochgeschwindigkeitszügen zu kämpfen. Drei Mal wechselte das Unternehmen in den vergangenen Jahren seine Vorstandschefs aus, zurzeit führt Gabriele Del Torchio den Konzern. Für das erste Halbjahr 2013 meldete Alitalia einen Nettoverlust von 294 Millionen Euro und saß Ende Juni auf einem Schuldenberg von 946 Millionen Euro.

Alitalia hat seit der Neuorganisation, betrieben von dem damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi, über 1,25 Milliarden Euro verloren. Nach dem Umbau zu einem privaten Unternehmen hält Air France-KLM 25 Prozent, der große Rest verteilt sich auf ein italienisches Konsortium mit über 20 kleineren Anteilseignern.

Die Regierung schaltet sich ein, weil Alitalia offensichtlich Probleme hat, alle seine Aktionäre - in dem Fall sind es große Firmenanleger - für die geplante Kapitalerhöhung zu gewinnen.

Air France-KLM könnte den Anteil zwar aufstocken – oder Alitalia ganz übernehmen. Doch zum einen ist unkar, ob die Franzosen das wollen. Zum anderen würde ein solcher Schritt in Italien auf wenig Gegenliebe stoßen. "Ich mag nicht, was Air France mit Alitalia machen will", sagte beispielsweise der stellvertretende Chairman Salvatore Mancuso der Zeitung "Il Messaggero". Er fürchtet, dass Alitalia dann zu einer reinen Zubringerlinie für das Drehkreuz in Paris degradiert wird. "Wir wären verrückt, wenn wir alles zugunsten von Air France aufgeben würden" sagte Manusco, dessen Equinosce Sarl 3,8 Prozent an Alitalia.

Indem er den Staat zum Krisenpartner macht, dürfte Ministerpräsident Letta eine mögliche Revolte verhindern, die es geben könnte, falls Air France-KLM seinen Anteil an Alitalia erhöhen würde. In der Stellungnahme der Regierung heißt es jedoch auch, dass Alitalia ihre Geschäftspläne überarbeiten müsse, nach denen das Unternehmen im Jahr 2016 wieder profitabel sein will. Lettas Büro zufolge könnte Alitalia mit Poste als Partner in verschiedenen Bereichen effizienter werden, unter anderem, indem sich die Fluglinie Ressourcen mit dem Luftfrachtunternehmen der Post, Mistral Air, teilt.

Quelle: n-tv.de

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