Wirtschaft

Im Schoß der neuen MutterPostbank fühlt sich besser

24.02.2011, 12:04 Uhr
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Unangenehme Altlasten im Keller: Postbanker arbeiten künftig unter dem Dach der Deutschen Bank. (Foto: REUTERS)

Nach zwei Jahren kehrt die größte deutsche Privatkundenbank zurück in die Gewinnzone. Postbank-Chef Stefan Jütte will den Gewinn nun "Schritt für Schritt" ausbauen. Bei der neuen Mutter fühlt er sich mit seinem Haus gut aufgehoben: Die Übernahme durch die Deutsche Bank sieht er nicht als "Bedrohung", sondern als "Chance".

Rechtzeitig zur Übernahme durch die Deutsche Bank hat sich die Postbank zumindest operativ wieder zurück in die schwarzen Zahlen gearbeitet. Die künftige Deutsche-Bank-Tochter erzielte 2010 ein Ergebnis vor Steuern von 315 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte das Institut noch einen Verlust von 398 Mio. Euro ausgewiesen. Für das laufende und das kommende Jahr stellte die Filialkundenbank in Aussicht, den Gewinn "Schritt für Schritt" weiter zu steigern.

Trotzdem hat die Deutsche Bank mit der Postbank wohl noch viel Arbeit vor sich: Die größte deutsche Privatkundenbank kann mit dem oben genannten Ergebnis zwar nach zwei Jahren wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Die Altlasten aus der Finanzkrise dürften aber noch mindestens bis ins Jahr 2012 auf der Bilanz lasten.

Die Deutsche Bank, die erst seit Dezember die Mehrheit an der Postbank hält, strebt die vollständige Übernahme an und verspricht sich von der künftigen Tochter mittelfristig einen Gewinn vor Steuern von mehr als 1 Mrd. Euro. Derzeit hält die Deutsche Bank knapp 52 Prozent der Postbank-Anteile.

Mit der einstigen Postbank-Mutter, dem Logistikkonzern Deutsche Post, hat die Deutsche Bank eine Pflichtwandelanleihe und Optionsrechte vereinbart, "die auf den Übergang der Anteile der Deutschen Post abzielen". Die Post ist noch mit etwas weniger als 40 Prozent an der Postbank beteiligt.

Die Kernkapitalquote der Postbank verbesserte sich zum Ende des Jahres von 6,6 Prozent Ende 2009 auf 8,1 Prozent. Grund dafür sei vor allem eine verbesserte Methode zur Messung des eigenen Risikos. Die volle operative Stärke werde erst "sukzessive sichtbar werden", räumte das Management ein. Die Deutsche Bank selbst hatte Ende des Jahres eine Kernkapitalquote von 12,3 Prozent.

Krisenkapitel noch nicht beendet

Nach gut drei Jahren hält das Bonner Institut die Folgen der Finanzmarktkrise nun bald für überwunden. "Die Postbank ist auf gutem Wege, dieses Kapitel abschließen zu können", hieß es. Das strukturierte Kreditportfolio schrumpfte im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel auf 3,7 Mrd. Euro - wobei sie erneut dreistellige Millionenverluste in Kauf nehmen musste.

Das Handelsergebnis, das die Wertverluste der Derivate abbildet, war auch 2010 mit 241 Mio. Euro noch negativ. Im Vorjahr hatte die Bank hier minus 498 Mio. Euro ausweisen müssen.

Das Finanzanlageergebnis, das die restlichen Papiere aus dem Portfolio bewertet, war fast ausgeglichen. 2011 und 2012 seien - beide Positionen zusammengenommen - laut Postbank-Mitteilung "negativ, wenn auch gegenüber 2010 erkennbar verbesserte Ergebnisbeiträge" zu erwarten.

Die Deutsche Bank hatte für die Übernahme der Postbank ihr Kapital um mehr als 10 Mrd. Euro aufgestockt - auch um deren schwache Kapitaldecke auszugleichen.

Die Postbank und der Aufschwung

Operativ kämpft sich die Postbank aus der Rezession. Die Gesamterträge stiegen im vergangenen Jahr um 23 Prozent, im Privatkundengeschäft kletterte der Gewinn vor Steuern um ein Viertel auf 897 Mio. Euro. Der Zinsüberschuss stieg um 14 Prozent. 2011 werde der Anstieg aber weniger hoch ausfallen, hieß es.

Der Provisionsüberschuss ging 2010 leicht zurück, hier rechnet die Postbank erst 2012 wieder mit Zuwächsen. Die Risikovorsorge ist im Rückwärtsgang: 2010 lag sie noch bei 561 Mio. Euro, im zweiten Halbjahr sei sie stärker zurückgegangen.

Im vierten Quartal blieb bei der Postbank dennoch kaum ein Gewinn vor Steuern übrig. Gründe dafür waren ein Steuereffekt im Zuge der Übernahme durch die Deutsche Bank und die Nachzahlung von Ausschüttungen auf Stille Einlagen und Genussscheine aus den vergangenen Verlustjahren.

Deutsche Bank als "Chance"

Mit ihrer neuen Haupteigentümerin sucht das Postbank-Management auch rhetorisch den Schulterschluss. "Die Postbank betrachtet die Mehrheitsübernahme durch die Deutsche Bank nicht als Bedrohung ihrer Identität, sondern vielmehr als Chance", sagte Postbank-Chef Stefan Jütte laut Redetext bei der Bilanzvorlage des Bonner Konzerns.

"Für unsere Kunden ändert sich nichts. Sie bleiben Postbank-Kunden." Die Postbank sieht sich mit etwa 14 Millionen Kunden als "Privatkundenbank Nr. 1 in Deutschland".

Quelle: dpa/rts