Wirtschaft

Kein Weihnachtsgeld, keine PrämienPraktiker-Mitarbeiter sparen mit

27.10.2012, 14:26 Uhr
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"20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung". Die berühmte Rabatt-Aktion hat Praktiker in die Bredouille gebracht. (Foto: dapd)

Umsatzrückgang und Verluste - auch im dritten Quartal sah die angeschlagene Baumarktkette Praktiker noch kein Licht am Ende des Tunnels. Jetzt wollen die rund 15.000 Beschäftigten durch einen Gehaltsverzicht zur Sanierung beitragen. Dafür soll ihr Arbeitsplatz erstmal gesichert sein.

Die Beschäftigten der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker beteiligen

sich durch eine fünfprozentige Kürzung der Jahreseinkommen an der Sanierung des

Unternehmens. Ein entsprechender Tarifvertrag sei am Freitagabend mit der Gewerkschaft

Verdi abgeschlossen worden, teilte die Praktiker AG in Hamburg mit. Erzielt werden

die Einsparungen demnach in erster Linie durch Reduzierung oder Streichung des Weihnachtsgelds

sowie tariflicher und betrieblicher Prämien. Monatliche Tarifgehälter seien nicht

betroffen.

Zudem gelte im Gegenzug für die Dauer der Laufzeit des Vertrages eine

weitgehende Standort- und Beschäftigungssicherung. Durch den Vertrag sollen die

Personalkosten in Deutschland von 2012 bis 2014 jährlich um 17,3 Mio. Euro gesenkt

werden.

Meilenstein bei der Sanierung

Der neue Vorstandsvorsitzende der Praktiker AG, Armin Burger, bezeichnete

den Vertrag als Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung und zur Zukunftssicherung

des Unternehmens. "Mit ihrem temporären Einkommensverzicht leisten die Beschäftigten

der Praktiker AG in Deutschland selbst einen wichtigen Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung",

sagte Burger, der erst seit Mitte des Monats an der Spitze von Praktiker steht.

Burger hatte nach heftigen Auseinandersetzungen in Aktionärskreisen zum 15. Oktober

Kay Hafner abgelöst, der diese Position interimsweise bekleidet hatte.

Auf die Grundzüge des Sanierungstarifvertrags "über einen temporären

Beitrag der Beschäftigten zur Restrukturierung des Konzerns" hatten sich das

Unternehmen und die Gewerkschaft schon im Juli geeinigt. Wegen der über längere

Zeit ungesicherten Finanzierung der Restrukturierung des Unternehmens waren die

Verhandlungen aber unterbrochen worden. Erst nachdem die Finanzierungsfrage, die

zu heftigen Auseinandersetzungen in Aktionärskreisen geführt hatte, geklärt war,

konnten die Verhandlungen nun abgeschlossen werden.

Zuviel Rabatt verdirbt Bilanz

Erst am vergangenen Donnerstag hatte Praktiker schlechte Zahlen für

das dritte Quartal vorgelegt. Demnach reduzierte sich der Umsatz gegenüber dem gleichen

Zeitraum des Vorjahres um mehr als zehn Prozent auf 758 Mio. Euro. Für die ersten

neun Monate stand ein Umsatzverlust von 6,5 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro zu Buche.

Als Quartalsergebnis vor Steuern wies der Konzern ähnlich wie im Vorjahr einen Verlust

von gut 32 Mio. Euro aus. Vorstandschef Burger hatte dies mit besonders schwierigen

Rahmenbedingungen begründet. Unter anderem hätten die unklaren Zukunftsaussichten

die Beziehungen zu Lieferanten und die Warenverfügbarkeit beeinträchtigt.

Praktiker war wegen einer missglückten Rabatt-Strategie ("20 Prozent

auf alles - außer Tiernahrung") in die roten Zahlen geraten. Das Unternehmen

hat daraufhin mehrfach den Vorstandschef ausgewechselt, die Konzernzentrale aus

dem Saarland nach Hamburg verlagert und seine Strategie verändert. Bis zu 120 Praktiker-Märkte

sollen nun auf die ertragreichere Konzernmarke Max Bahr umgeflaggt werden. Der Prozess

hat gerade erst begonnen, gegenwärtig gibt es in Deutschland 85 Max-Bahr-Märkte

und 220 Praktiker-Standorte. Doch auch die Vertriebslinie Max Bahr musste im dritten

Quartal einen Umsatzrückgang von knapp fünf Prozent auf 172 Mio. Euro hinnehmen.

Sie konnte vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITA) allerdings einen schmalen

Gewinn von 2,9 Mio. Euro beisteuern.

Quelle: ntv.de, sla/dpa