Wirtschaft
Sorgte für Spannung auf der Versammlung: Isabella de Krassny.
Sorgte für Spannung auf der Versammlung: Isabella de Krassny.(Foto: REUTERS)

Dramatik pur in Hamburg: Praktiker-Pleite wird abgewendet

Für die angeschlagene Baumarktkette Praktiker wird ein Crash abgewendet. Die Vorstände machen mit dem Zeichnen der Gefahr einer Insolvenz Druck auf die Großaktionäre. Deren Vertreterin de Krassny lässt sich umstimmen - für den Preis von einflussreichen Posten.

Aktionäre verfolgen in Hamburg die Hauptversammlung der Baumarktkette Praktiker.
Aktionäre verfolgen in Hamburg die Hauptversammlung der Baumarktkette Praktiker.(Foto: dpa)

Der Baumarktkonzern Praktiker hat sich auf einer dramatischen Hauptversammlung in Hamburg mit seinen wichtigsten Aktionären auf einen Kompromiss zur Sanierung geeinigt. Damit soll nach Angaben des Managements eine Insolvenz abgewendet werden.

Nach mehrstündigem Ringen erklärte sich die Fondsmanagerin Isabella de Krassny als Vertreterin der Hauptaktionäre Maseltov und Semper Constantia dazu bereit, das Sanierungskonzept des Vorstands mitzutragen. Im Gegenzug ersetzt Praktiker auf Druck der Aktionäre zwei Aufsichtsratsmitglieder durch Kandidaten von de Krassny. Bei Praktiker stehen in Deutschland 11.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, europaweit sind es insgesamt gut 19.000.

Unter anderem zieht sich Vorstandschef Kay Hafner aus dem Aufsichtsrat zurück. Hafner hatte seinen Posten in dem Kontrollgremium nicht niedergelegt, als er im Mai als Ersatz für den überraschend abgetretenen Konzernchef Thomas Fox an die Vorstandsspitze delegiert wurde. Aufsichtsratschef Kersten von Schenck bleibt im Amt und betonte auf der Versammlung, Hafner gebe nun lediglich sein Aufsichtsratsmandat ab. Als Vorstandschef will Hafner vorerst bis zum 13. August amtieren. De Krassny bekräftigte, der frühere Chef von Deutschlands größter Baumarktkette Obi, Andreas Sandmann, sei ihr Wunschkandidat für den künftigen Vorstandsvorsitzenden.

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Zudem wollen Schenck und de Krassny Hafner und Finanzchef Markus Schürholz weitere Vorstandsmitglieder zur Seite stellen. Stundenlang hatten beide Seiten hinter den Kulissen fieberhaft gerungen und dafür auch die Versammlung unterbrochen.

Am Ende votierten die Anteilseigner nach langem Tauziehen kurz vor Mitternacht für die vom Management vorgeschlagene Kapitalerhöhung. Sie ermächtigten den Vorstand außerdem zur Ausgabe einer Optionsanleihe, über die der US-Finanzinvestor Anchorage mit 15 Prozent an Praktiker beteiligt werden soll - als Gegenleistung für einen rettenden Kredit. Hätte sich die Debatte über Mittwoch, 24.00 Uhr hinaus hingezogen, wäre eine weitere Hauptversammlung nötig geworden.

"Es geht ums Überleben"

Die von de Krassny nominierten Nachfolger im Aufsichtsrat sollen nun von einem Gericht bestellt werden. Denn obwohl die Wiener Fondsmanagerin die Mehrheit der anwesenden Stimmen vertrat, bestand keine Möglichkeit zur Neuwahl des Aufsichtsrats: Ein entsprechender Antrag, den de Krassny vor Wochen gestellt hatte, war von Praktiker aus formalen Gründen nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden und dann auch vor Gericht gescheitert. De Krassny hatte mit dem von ihr vertretenen Paket von 16 Prozent der Aktien eine Mehrheit auf der Hauptversammlung, da dort lediglich knapp 27 Prozent des Grundkapitals vertreten waren. De Krassny hatte unter dem Applaus der etwa 200 Aktionäre anfangs noch den Rücktritt des gesamten Aufsichtsrats verlangt.

Mit dramatischen Worten hatte der Vorstand um eine Zustimmung der Aktionäre zu dem Sanierungsplan geworben, der unter anderem eine Umstellung zahlreicher Praktiker-Märkte auf die erfolgreiche Schwestermarke Max Bahr vorsieht. "Es geht um die Zukunft, oder noch konkreter: Es geht ums Überleben", sagte Hafner. Sein Konzept sei "alternativlos". Als rettender Geldgeber ist der US-Finanzinvestor Anchorage vorgesehen. Er verlangt aber für einen 85 Millionen Euro schweren Kredit Max Bahr als Pfand und soll darüber hinaus mit Hilfe von Optionsanleihen Zugriff auf 15 Prozent der Praktiker-Aktien erhalten. Zudem sollen sich die Aktionäre mit einer Kapitalerhöhung um 60 Millionen Euro an der Rettung des Konzerns beteiligen. "Bricht nur eine wesentliche Stütze aus dem Gerüst aus, fällt auch der Rest", betonte Hafner.

Fondsmanagerin nicht glücklich

De Krassny waren die geplanten Zugeständnisse an Anchorage ein Dorn im Auge. Sie sagte, für ihr eigenes Sanierungskonzept verfügten die hinter ihr stehenden Investoren über die nötigen Mittel und ein Management, um Praktiker fortzuführen. Dennoch stimmte sie nach langem Tauziehen dem Vorschlag des Managements zu. Sie sei aufgrund ihrer Mitverantwortung als Aktionärin "gezwungen gewesen, zuzustimmen", erläuterte die Fondsmanagerin. Die Gefahr einer Insolvenz für Praktiker verneinte sie jedoch. Nach der Einigung erklärte sie: "Wir haben nicht alle unsere Ziele erreicht, aber wir werden das Konzept mit Anchorage mittragen. Dass wir darüber nicht glücklich sind, ist so. Aber wir wollen."

Aktionärssprecher warfen dem Vorstand während der mehrfach durch Zwischenrufe unterbrochenen Versammlung vor, das Unternehmen herabgewirtschaftet zu haben. "Sie haben die Aktie auf den Wert eines Schokoriegels geschreddert", schrie der Kleinaktionär Manfred Klein, der auf zahlreichen Aktionärsversammlungen auftritt, dem Management empört entgegen. Eine Aktionärin kritisierte, dass Praktiker in den vergangenen Jahren zwei Vorstandschefs verschlissen habe, ohne das Unternehmen in ruhigeres Gewässer zu führen. "Sie haben das Vertrauen verloren."

Quelle: n-tv.de

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