Wirtschaft
In Berlin ziehen die Preise für Immobilien kräftig an.
In Berlin ziehen die Preise für Immobilien kräftig an.(Foto: picture alliance / dpa)

Immobilien werden teurer: Preisanstieg sorgt Bundesbank

Ist die Preisentwicklung am Immobilienmarkt noch gesund? Das fragen sich nicht nur viele Deutsche, sondern auch die Bundesbank. Im Gegensatz zu potenziellen Hauskäufern findet sie die Lage hierzulande aber nicht bedrohlich – doch das kann sich bald ändern.

Zusätzlich zu den Risiken durch die Schuldenkrise sieht die Bundesbank Gefahren, die vom Immobilienmarkt auf das Finanzsystem überschwappen könnten. Noch sei trotz Preisaufschlägen gerade in Großstädten aber keine Blase an den Märkten für Häuser und Wohnungen zu erkennen, konstatiert die Notenbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht. Doch Vorstand Andreas Dombret warnte: "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass es gerade in einem Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann. Dies kann auch in deutschen Ballungszentren zum Tragen kommen und die Finanzstabilität hierzulande erheblich gefährden."

Am ehesten wären Preisübertreibungen wohl für die Ballungszentren zu befürchten. 2011 stiegen die Preise neuer Wohnimmobilien in 125 Städten um 6,3 Prozent. Im Vorjahr war der Anstieg mit 3,5 Prozent fast nur halb so groß gewesen. In den sieben größten Städten verteuerten sich neue Wohnimmobilien sogar um 9,1 Prozent, verglichen mit 4,9 Prozent im Vorjahr. Die Bundesbank geht davon aus, dass sich diese Entwicklung im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fortgesetzt hat, besonders in den sieben größten Städten.

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Sie erklärt sich diese für deutsche Verhältnisse recht dynamische Preisentwicklung unter anderen mit Sonderfaktoren, wie den niedrigen Zinsen. Diese machen Kredite zum Immobilienerwerb billig und Immobilien als Kapitalanlage attraktiv. Teilweise kommt es auch zu Vorzieheffekten. Besonders deutlich wird die Entwicklung bei Etagenwohnungen in Ballungsräumen."Nicht zuletzt fördert ein gesunkenes Vertrauen gegenüber dem Finanzsystem seit Ausbruch der Finanzkrise die Umschichtung von Finanz- in Realvermögen", merkte die Bundesbank an. Das macht Immobilien auch für ausländische Anleger attraktiv.

Preise steigen schneller als Mieten

Der Bundesbank geht dabei es um die Frage, ob sich die Immobilienpreise von ihren Fundamentalwerten abzukoppeln drohen. Das heißt: Sofern sich ein hoher Kaufpreis später als wirtschaftlich gerechtfertigt herausstellt, etwa weil sich die Ausgaben durch Mieteinnahmen decken lassen, ist die Sache für die Bundesbank in Ordnung. In ihrem Bericht stellt sie allerdings fest, dass seit 2010 die Immobilienpreise in Deutschland schneller als die Mieten steigen.

Ein gewisses Risiko für die Preisentwicklung stellt die seit zwei Jahren steigende Neubautätigkeit dar - eine aus der Sicht potenzieller Hauskäufer positive Sache. Die Bundesbank sieht diese Entwicklung gelassen: "Insgesamt erscheint bisher das Rückschlagspotenzial der deutschen Immobilienpreise gemessen am langfristigen Durchschnitt als beherrschbar", heißt es in dem Bericht. Das gilt vor allem für Ballungsgebiete, wo das Angebot nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt hält.

Kritisch sind Preissteigerungen am Immobilienmarkt vor allem dann, wenn sie von einem starken Kreditwachstum begleitet werden. Sorge bereitet insbesondere ein möglicher selbstverstärkender Prozess, bei dem sich steigende Preise und wachsende Verschuldung gegenseitig antreiben. So kann die Erwartung steigender Preise die Bereitschaft zur Verschuldung erhöhen – und zu einer Blasenbildung wie in den USA oder Spanien führen.

Dass die Bundesbank im Immobilienmarkt derzeit insgesamt kein Risiko für die Finanzstabilität sieht, hat nicht zuletzt etwas mit den strengen Richtlinien zur Kreditvergabe zu tun. Sollten sich diese aber regional gesehen als zu schwach erweisen, würde die Bundesbank mehr tun, wie sie in ihrem Bericht erläutert: "Neben verschiedenen Varianten zur Erhöhung der Kapitalunterlegung sind auch direkte Eingriffe in die Ausgestaltung der Kreditvergabestandards, wie beispielsweise ein Absenken der Beleihungsgrenzen, denkbar", heißt es dort.

Zu viele Banken in Deutschland?

Die Bundesbank blickte auch auf die deutsche Bankenlandschaft. Ihrer Ansicht nach könnte Deutschland weniger Institute vertragen. "Insgesamt stellt sich bei gestiegenen Kosten und dem sich abzeichnenden härteren Wettbewerb die Frage, ob es in Deutschland ausreichend auskömmliches Geschäft für alle Banken gibt", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Einige Banken müssten hart an den Kosten arbeiten. "Da es keinerlei Anzeichen für eine Kreditklemme gibt, sollte auch die Option einer Konsolidierung des deutschen Bankensektors kein Tabu sein", sagte die für die Bankenaufsicht zuständige Notenbankerin.

Die wachsende Konkurrenz durch ausländische Banken im Kampf um Einlagen und durch die zunehmende direkte Kreditvergabe etwa durch Versicherer setzten die Geschäftsmodelle vieler Institute unter Druck. Die Refinanzierungskosten stiegen. Und die von den Aufsehern erzwungene Aufstockung des Eigenkapitals sei für die deutschen Banken "sicherlich die zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre". Sie hätten noch ein gutes Stück Weg vor sich.

Quelle: n-tv.de

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