Wirtschaft
Für Nahrungsmittel müssen Verbraucher im Mai eine überdurchschnittliche Preissteigerung hinnehmen.
Für Nahrungsmittel müssen Verbraucher im Mai eine überdurchschnittliche Preissteigerung hinnehmen.(Foto: picture alliance / Daniel Karman)
Dienstag, 30. Mai 2017

Kaufkraft könnte zulegen: Preise in Deutschland steigen moderater

Die Verbraucher dürfte es freuen: Im Mai steigen die Preise spürbar geringer als im Vormonat. Vor allem bei Energiekosten macht sich das bemerkbar. Allerdings legen Mieten und die Preise einer bestimmte Warengruppe überdurchschnittlich zu.

Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im Mai deutlich verlangsamt. Die Jahresinflationsrate lag nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 1,5 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit November 2016. Ökonomen hatten mit 1,6 Prozent gerechnet.

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Im April hatte die Teuerungsrate noch bei 2,0 Prozent gelegen, im März bei 1,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. "Sorgen über zu starke Preissteigerungen sind also nicht angebracht", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Raum für steigende Kaufkraft

Hauptgrund für die Entwicklung ist der Preis für Energie: Sie kostete nur 2,0 Prozent mehr als im Mai 2016. In den beiden Vormonaten gab es hier jeweils noch ein Plus von 5,1 Prozent. Auch bei Dienstleistungen ließ der Preisdruck nach, weil nach den Osterferien Reisen wieder billiger wurde. Deutlicher verteuerten sich Nahrungsmittel: Sie kosteten 2,4 Prozent mehr als vor einem Jahr, nach einem Plus von 1,8 Prozent im Vormonat. Die Wohnungsmieten stiegen ebenfalls überdurchschnittlich um 1,8 Prozent nach 1,7 Prozent im Vormonat.

Experten rechnen damit, dass sich die Teuerungsrate in den kommenden Monaten in etwa auf dem aktuellen Niveau halten wird. "Wir rechnen mit einer Seitwärtsbewegung", sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. Das ließe Raum für eine steigende Kaufkraft: Die Verdienste der rund 17 Millionen Beschäftigten in Deutschland mit einem Tarifvertrag legten im ersten Quartal um durchschnittlich 2,8 Prozent zu und damit deutlich stärker als die Verbraucherpreise.

Druck auf Draghi dürfte sinken

Mit der sinkenden Inflation in der größten Volkswirtschaft Europas sinkt der Druck auf die EZB, rasch aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik auszusteigen. Ihr Chef Mario Draghi sagte zu Wochenbeginn, dass ein "außergewöhnliches Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung" immer noch nötig sei.

"Die EZB dürfte sich darin bestätigt sehen, die geldpolitische Wende nur behutsam einzuleiten", sagte Helaba-Ökonomin Viola Julien. Die EZB hat die Zinsen auf null gedrückt und pumpt jeden Monat Milliarden über Wertpapierkäufe in die Wirtschaft, um die Konjunktur anzuschieben und die Preise wieder in Richtung Zwei-Prozent-Marke zu bewegen. "Solange die Löhne in Europa nicht deutlich stärker steigen, bleibt der 'Exit' der EZB aus der unkonventionellen Geldpolitik ein Geduldsspiel", sagte KfW-Experte Zeuner.

Quelle: n-tv.de

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