Wirtschaft
"Der heutige Rückgang der Inflationsrate in den negativen Bereich geht ganz auf das Konto der sinkenden Ölpreise", sagt Christiane von Berg von der BayernLB.
"Der heutige Rückgang der Inflationsrate in den negativen Bereich geht ganz auf das Konto der sinkenden Ölpreise", sagt Christiane von Berg von der BayernLB.(Foto: picture alliance / dpa)

Debatte um Zinswende: Preise sinken auch in den USA

Die Preise fallen nicht nur in der Eurozone, sondern auch in Amerika. Doch die US-Wirtschaft brummt weiter. Sorge bereitet bekannten Notenbankern aber, dass Verbraucher niedrige Preise erwarten und deswegen ihre Käufe einstellen könnten.

Im Sog des billigen Öls fallen nun auch in den USA die Preise. Sie sanken im Januar zum Vorjahr um 0,1 Prozent und damit erstmals seit Oktober 2009, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Anders als in der Eurozone, wo die Preise zuletzt um 0,4 Prozent purzelten und die Notenbank mit Niedrigzins und einer Geldschwemme die Konjunktur beleben will, brummt die US-Wirtschaft allerdings.

Die Zentralbank Federal Reserve erwägt daher eine Zinswende, obwohl ihr die Lage an der Preisfront noch Sorge bereitet. Sie strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an, ist von diesem Ziel nunmehr aber meilenweit entfernt. Mit James Bullard forderte dennoch ein führender Notenbanker, die Märkte auf ein baldiges Ende des geldpolitischen Krisenmodus einzustimmen.

"Der heutige Rückgang der Inflationsrate in den negativen Bereich geht ganz auf das Konto der sinkenden Ölpreise", sagt Christiane von Berg von der BayernLB. Die Spritpreise fielen im Januar um 18,7 Prozent - derart kräftig sind sie seit Dezember 2008 nicht mehr ins Rutschen geraten. Dies bedeutet, dass die Konsumenten mehr Geld zur Verfügung haben und Firmen entlastet werden. Die Fed hält den Leitzins seit Ende 2008 und damit dem Höhepunkt der Finanzkrise auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Sie treibt mit dieser lockeren Geldpolitik seit Jahren die Märkte an. Doch Arbeitsmarkt und Wirtschaft laufen mittlerweile wieder rund, so dass die Zeit der ultraniedrigen Zinsen in absehbarer Zeit zu Ende gehen dürfte. Die Märkte rechnen frühestens Mitte des Jahres damit.

Zinswende im Sommer?

Wenn es nach Bullard geht, sollte die Fed bereits im März damit beginnen, den Weg für eine geldpolitische Straffung zu ebnen. Dann könne ein wichtiges Signalwort im Begleittext zum Zinsentscheid gestrichen werden, sagte der Chef der Notenbank von St. Louis dem TV-Sender CNBC. Die Fed hatte im Januar angekündigt, die Abkehr vom Krisenmodus "geduldig" angehen zu wollen. Bei der Sitzung des über die Zinsen entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) Mitte März solle diese Formel wegfallen, forderte Bullard. Dann könne die Zinswende bei einer der "Sitzungen im Sommer" eingeläutet werden. Zuvor müsse die Fed jedoch Hinweise darauf haben, dass sich die niedrige Inflation wieder tendenziell in Richtung eines normalen Niveaus bewege.

Die nun veröffentlichten Daten des Arbeitsministeriums sind für Bullard auch Grund zur Zuversicht: Klammert man die schwankungsanfälligen Kosten für Nahrungsmittel und Energie aus, legten die Preise zum Vormonat um 0,2 Prozent zu. Experten hatten hier nur ein Plus von 0,1 Prozent erwartet. Ökonom Bernd Krampen von der NordLB sieht die Argumentation Bullards als typisch für die Haltung eines "Falken" in der Notenbank, also eines Befürworters einer straffen Geldpolitik.

Der Preisverfall sei "allerdings Wasser auf die Mühlen" jener als "Tauben" bekannten Notenbanker, die vor deflationären Tendenzen warnten. Ihnen bereitet eher Sorge, dass die Verbraucher in Erwartung immer niedrigerer Preise Käufe zurückstellen könnten. Daraus könnte eine Abwärtsspirale aus sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen in Gang kommen, die die Konjunktur letztlich ausbremst.

Notenbankchefin Janet Yellen hatte in dieser Woche vor dem Kongress erklärt, die Fed werde vor einer näher rückenden Zinserhöhung rechtzeitig das Signalwort streichen. Ökonom Harm Bandholz von der Großbank Unicredit geht davon aus, dass es im März soweit ist. NordlB-Volkswirt Krampen sieht zudem die Möglichkeit einer ersten Zinsanhebung im Juni gegeben: "Vielleicht fehlt der Mehrheit im FOMC angesichts der jüngsten Daten aber der Mumm, jetzt zu agieren."

Quelle: n-tv.de

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