Wirtschaft
Craft-Biere finden immer mehr Anhänger - zum Leidwesen der großen Brauereien.
Craft-Biere finden immer mehr Anhänger - zum Leidwesen der großen Brauereien.(Foto: REUTERS)

Börsianer lieben Bier: Prost New York Stock Exchange!

Von Lars Halter, New York

Bier geht immer - und fast überall: Doch die großen Brauereien müssen sich zunehmend mit der Konkurrenz kleiner Manufakturen auseinandersetzen. Für die Branche ist dies eine kleine Revolution - und für Anleger und Investoren lukrativ.

Profit ist das eine, Prost ist das andere - auch an der Wall Street dreht sich nicht immer alles ums Geld. Schon gar nicht im Spätsommer, denn auch in New York ist Oktoberfestzeit. Die New York Stock Exchange hat ihr eigenes kleines Oktoberfest, die deutschen Kneipen in der ganzen Stadt feiern das Event gebührend. Und die Trader sind gerne dabei, weil die meisten von ihnen begeisterte Biertrinker sind. Wenn um 16 Uhr die Schlussglocke den Handel beendet, zieht es viele von ihnen regelmäßig an die nahe Stone Street, wo ein gutes Dutzend Kneipen draußen auf dem Kopfsteinpflaster ausschenken. Wenn es demnächst zu kalt wird, trinkt man eben drinnen weiter, unter anderem im "Suspenders", einer legendären Wall-Street-Bar, die vor einem Jahr ihren Mietvertrag am Broadway verlor und die nun im Herzen des Finanzviertels wieder eröffnet.

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Beim Bier vergessen die Händler ihren Fed-Frust. Oder finden neue Investment-Ideen. Denn Bier ist an der Wall Street nicht einfach nur ein Getränk, sondern - wie alles andere auch - eine Möglichkeit, Geld zu machen. Der US-amerikanische Bier-Sektor erlebt zur Zeit etwas, was man gut und gerne als Revolution bezeichnen könnte: Die großen Biermarken bekommen Konkurrenz von kleinen Brauereien, denn nach Jahrzehnten können selbst die US-Amerikaner kein Budweiser, Miller Light oder Coors mehr sehen. Immer mehr wenden sich von den milliardenschweren Brau-Konzernen ab und trinken sogenannte "Craft Beers", die üblicherweise aus kleinen lokalen Läden kommen.

Anleger sind auch Bier-Liebhaber

Die großen Konzerne schauen natürlich nicht tatenlos, zu wie ihre Marktanteile schwinden. Sie versuchen selbst, gefälligere Biere zu brauen und: Sie übernehmen reihenweise die kleinen Schuppen. Die Lagunitas Brewing Company aus Kalifornien hat gerade die Hälfte ihres Unternehmens an Heineken verkauft, für satte 500 Millionen Dollar. Miller Coors übernimmt derweil Saint Archer aus San Diego und Anheuser-Busch Inbev schlägt gleich mehrfach zu: 10 Barrel Brewing aus Oregon, Elysian Brewing aus Seattle und Virtue Cider aus Michigan gehören seit Neuestem zu dem Branchenriesen.

An der Wall Street beurteilt man das mit gemischten Gefühlen: Ein Investment in die Brauereien lohnt sich nämlich zunehmend. Denn wenn die Großen clever in kleine Nischen expandieren, stabilisieren sie ihre Marktposition. Doch in vielen Investoren steckt eben auch ein leidenschaftlicher Biertrinker und der macht sich Sorgen: Was machen die großen Konzerne mit den neuen Produkten? Behalten sie die Qualität bei, die der Kunde schätzt? Oder werden Zutaten und Brauprozess optimiert, die Gewinnmarge erweitert, möglicherweise auf Kosten des Geschmacks? Die Bier-Welt auf jeden Fall ist außer sich und kritisiert die zahlreichen Übernahmen im Sektor.

Quelle: n-tv.de

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