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Immer wieder kommt es zu Protesten gegen die Sparmaßnahmen in Griechenland. (Archivbild)
Immer wieder kommt es zu Protesten gegen die Sparmaßnahmen in Griechenland. (Archivbild)(Foto: picture alliance / dpa)

"Willkommen bei Teufels Mutter": "Protestpässe" in Griechenland

"Sie nehmen uns die Hochschulden, die Krankenhäuser, die Behörden, die Renten, die Löhne und das Arbeitslosengeld - Sie bringen dafür Steuern, Arbeitlosigkeit, Armut und Depression. Es reicht!!" Landesweit streiken die Staatsdiener des Landes. In Ostkreta gehen die Einwohner noch einen Schritt weiter: Die "Republik Lasithistan" wird ausgerufen, Protestpässe ausgegeben.

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Wer derzeit nach Ostkreta fährt, wird von aufgebrachten Einwohnern der Region angehalten und erhält einem neuen Pass der fiktiven "Republik Lasithistan". Lasithi heißt die Provinz im Osten Kretas. Die Demonstranten sagten, sie seien empört, weil im Zuge der harten Sparmaßnahmen die Regierung in Athen zahlreiche staatliche Stellen sowie Universitäten und Hochschulen schließt. Auch die Krankenhäuser der Region sollen fusionieren.

Die Demonstranten sperrten vorübergehend die wichtigste Ost-West Fernstraße der Insel rund 20 Kilometer östlich des Flughafens der Stadt Heraklion. Jeder Fahrer wurde kurz angehalten und bekam den fiktiven Reisepass. Zudem versorgten sie die Besucher mit fotokopierten Fünf-Euro-Scheinen auf denen stand "Ungültig-Republik Lasithistan".

"Es ist keine Abtrennungsbewegung. Wir wollen nur damit aufmerksam machen, dass wir diese Sparmaßnahmen nicht mehr ertragen können", sagte ein Vertreter der Bürgerinitiative im griechischen Fernsehen. Viele Demonstranten trugen schwarze Fahnen.

Auf dem Protestpass steht auf englisch und griechisch: "Republik Lasithistan - willkommen bei Teufels Mutter" (griechischer Ausdruck für das Ende der Welt). Auf der anderen Seite der fiktiven Reisepässe steht: "Sie nehmen uns die Hochschulden, die Krankenhäuser, die Behörden, die Renten, die Löhne und das Arbeitslosengeld - Sie bringen dafür Steuern, Arbeitlosigkeit, Armut und Depression. Es reicht!"

Landesweite Proteste

In ganz Griechenland protestierten die Menschen gegen die harten Sparmaßnahmen. In Athen versammelten sich allen Tausende Menschen im Zentrum der Stadt, wie das Fernsehen berichtete. Aus Sorge vor Ausschreitungen Autonomer schloss die Polizei zwei U-Bahnstationen im Zentrum der Stadt. Kleine Demonstrationen fanden auch in anderen Städten Griechenlands statt.

"Ein Lehrer verdient 629 Euro. Wovon soll er leben, wenn er eine Miete von 250 Euro auf einer der Inseln zahlen muss", sagte der Präsident der Lehrergewerkschaft, Christos Papachristos, im griechischen Radio. Dieses Jahr sollen 25.000 Staatsbedienstete gehen. Dazu hat sich die Regierung gegenüber den internationalen Geldgebern verpflichtet.

Staatsdiener im Ausstand

Im krisengeplagten Griechenland schrumpft aber die Wirtschaft seit sechs Jahren. Vor allem junge Leute leiden schwer: Mehr als 60 Prozent der Menschen unter 24 Jahren haben keinen Job. Der Mindestlohn beträgt brutto 586,08 Euro - bei Preisen in den Supermärkten, die zum Teil höher als in Deutschland sind.

Am Streik nehmen vor allem Staatsbedienstete wie Beamte der Ministerien und des Steueramtes, Lehrer sowie Angestellte der staatlichen Eisenbahnen teil. Busfahrer in Athen gingen für sechs Stunden in den Ausstand. Krankenhausärzte behandelten nur Notfälle.

Wegen mehrstündiger Arbeitsniederlegungen der Angestellten der zivilen Luftfahrt kam es auch zu Behinderungen und Verspätungen im Flugverkehr, vor allem auf Inlandsflügen. Erhebliche Probleme gab es auch bei der Küstenschifffahrt. Für die Mittagszeit waren gleich mehrere Demonstrationen geplant. Die U-Bahnfahrer konnten nicht streiken, weil die Regierung sie vor zwei Wochen nach mehrtägigen Streiks zum Dienst verpflichtet hatte. Dies gilt für 14 Monate.

Zu den Streiks haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände GSEE und Adedy sowie die Kommunistische Gewerkschaft Pame aufgerufen. Sie sprechen zwar von Generalstreik. Angestellte in Supermärkten, Taxifahrer und Hotelangestellte nehmen jedoch nicht teil. Auch alle Geschäfte und die meisten Banken haben geöffnet.

Quelle: n-tv.de

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