Wirtschaft

Breite Anklagepalette: Prozess gegen Ex-Unister-Manager gestartet

Bei Unister sollen Steuern hinterzogen und Kunden betrogen worden sein. Das Landgericht Leipzig soll nun klären, was an den Vorwürfen gegen drei ehemalige Manager des insolventen Internetunternehmens dran ist.

Der Prozess ist erst einmal bis Mitte Juni terminiert.
Der Prozess ist erst einmal bis Mitte Juni terminiert.(Foto: dpa)

Mit der mehrstündigen Verlesung der Anklage hat vor dem Landgericht Leipzig der Prozess gegen drei ehemalige Manager des Internetkonzerns Unister begonnen. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Steuerhinterziehung, Computerbetrug und unerlaubtes Betreiben von Versicherungsgeschäften beziehungsweise Beihilfe dazu vor. Sie sollen unter anderem Kunden von Flugportalen wie ab-in-den-Urlaub.de in großem Stil Kostenvorteile vorenthalten und dadurch zu hohe Flugpreise abgebucht haben.

Angeklagt sind der ehemalige Finanzchef von Unister, Daniel K., der Ex-Vorstand von Travel24, Thomas G., sowie der frühere Leiter Flugbereich der Unister-Gruppe, Holger F. Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden hatten bereits vor vier Jahren begonnen. Angeklagt war ursprünglich auch Unister-Chef Thomas Wagner, der im vergangenen Sommer bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Wagner hatte Unister 2002 in Leipzig gegründet, damals war er noch Student. Er galt als zentrale Figur des Unternehmens.

Bei der Anklageverlesung listeten die Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft detailliert die mutmaßlichen Steuerverfehlungen auf. Daniel K. und Holger F. sollen demnach zwischen 2010 und 2014 Kunden der zu Unister gehörenden Flugportale wie fluege.de und ab-in-den-Urlaub.de in 87.000 Fällen betrogen und zu hohe Flugpreise abgerechnet haben. Kostenersparnisse seien nicht an die Verbraucher weitergegeben worden. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wurden die Kunden dabei um mehr als 7,6 Millionen Euro geschädigt.

Sogenannte Serviceentgelte nicht korrekt versteuert

Unister hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und erklärt, die Praxis des sogenannten Runterbuchens sei in der gesamten Reisebranche üblich. Der Verteidiger des Angeklagten Holger F., Thomas Filler, sagte am Rande der Verhandlung, das sei "seit 30 Jahren weltweite Praxis".

Laut Anklage wurden zudem von Unister sogenannte Serviceentgelte nicht korrekt versteuert. Es sei "um den größtmöglichen Gewinn" gegangen, sagte Dirk Reuter von der Generalstaatsanwaltschaft. Dadurch sei ein Steuerschaden von rund 790.000 Euro entstanden.

Darüber hinaus sollen die Ex-Unister-Manager weitere 1,1 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben, indem sie Reiserücktrittsversicherungen als Serviceleistungen anboten. Unister habe damit 2011 und 2012 Einnahmen von 14 Millionen Euro erzielt.

Nach Auffassung der Generalstaatsanwaltschaft handelte es sich um "unerlaubte genehmigungspflichtige Versicherungsprodukte". Das sei den Angeklagten "bekannt und bewusst" gewesen, sagte Reuter. Sie hätten versucht, den "Versicherungscharakter zu verschleiern". Die Anklage lautet daher auch auf unerlaubtes Betreiben von Versicherungsgeschäften oder Beihilfe. Auch diesen Vorwurf hatte der Internetkonzern stets zurückgewiesen.

Reisensparten-Verkauf und wieder schwarze Zahlen

In einer schriftlichen persönlichen Erklärung von Daniel K. hieß es, er gehe davon aus, "dass mir ein strafrechtlich relevanter Vorwurf nicht zu machen ist". Der Prozess ist vorerst bis Mitte Juni terminiert.

Nach dem Tod von Wagner im vergangenen Sommer hatte die Holding Insolvenz angemeldet. Mehrere Tochterfirmen rutschten danach ebenfalls in die Insolvenz. Im Dezember vermeldete Insolvenzverwalter Lucas Flöther dann den Verkauf der Reisesparte von Unister an einen ausländischen Investor. Dazu gehören auch bekannte Portale wie ab-in-den-urlaub.de und hotelreservierung.de.

Kurz zuvor schrieb die Unternehmensgruppe demnach erstmals wieder schwarze Zahlen. Künftig soll Unister voll auf die Geschäftsfelder Flug und Touristik ausgerichtet werden. Andere Geschäftsteile sollen den Plänen zufolge ausgegliedert oder einzeln verkauft werden. Derzeit sind noch mehr als 800 Mitarbeiter bei der Unternehmensgruppe beschäftigt.

Quelle: n-tv.de

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