Wirtschaft
Woher kommen die zukünftigen Fachkräfte in der deutschen Wirtschaft?
Woher kommen die zukünftigen Fachkräfte in der deutschen Wirtschaft?(Foto: dpa)

Wirtschaft stellt sich hinter Merkel: Punkte zeigen Integrationsfähigkeit an

Seit Jahren klagt die Wirtschaft über Fachkräftemangel. Abhilfe soll es gleich doppelt aus dem Ausland geben. Das Arbeitsministerium testet ein Punktesystem für potentielle Zuwanderer. Die deutschen Verbände stellen sich demonstrativ hinter Merkels Flüchtlingspolitik.

Gesteuerte Zuwanderung und Flüchtlinge - beides soll der deutschen Wirtschaft helfen, ihren Mangel qualifizierter Beschäftigter zu verringern. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles lässt noch in diesem Jahr ein neues Modell zur Steuerung der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte erproben. Nahles' Pilotprojekt sieht vor, dass der Zuzug nach Deutschland auch davon abhängig gemacht werden soll, dass Ausländer durch Deutschkenntnisse und andere Kriterien mindestens 100 Punkte sammelten und damit den Nachweis ihrer Integrationsfähigkeit erbrächten, teilte das Ministerium mit. Die Bundesregierung teste damit "einen neuen Weg, der sich in Kanada bereits bewährt hat", erklärte Nahles. Deutschland benötige zusätzliche gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland, um seinen Wohlstand zu sichern.

Video

Das Modellprojekt mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) soll den Angaben zufolge im Herbst in Baden-Württemberg anlaufen. Einer nicht näher bezifferten "begrenzten Anzahl von Fachkräften mit einem qualifizierten Berufsabschluss" soll für einen Zeitraum von drei Jahren der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt auch in solchen Berufen ermöglicht werden, die in der Statistik nicht als Mangelberufe ausgewiesen sind. Neben dem Punktekonto zur Integrationsfähigkeit seien dafür ein anerkannter Abschluss und ein konkretes Arbeitsplatzangebot erforderlich.

Arbeitgeber hätten bei Bedarf eine Auswahl unter bereits "vorgeprüften" Bewerbern, hieß es vom Ministerium. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der BA soll dazu einen Pool von Kandidaten anlegen, die ihre Integrationsfähigkeit und ihren Berufsabschluss nachgewiesen haben. Sobald ein konkretes Jobangebot vorläge, dürften sie nach Deutschland einreisen.

Mindestlohn bleibt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der deutschen Wirtschaft zugleich Erleichterungen bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu. Merkel stellte unter anderem den Abbau übermäßiger Bürokratie, die Schaffung von Einarbeitungsmöglichkeiten und Erprobungsphasen für Flüchtlinge sowie die Verlängerung von Praktika in Aussicht. "Ich verspreche Ihnen, dass wir über die Bundesagentur für Arbeit sehr eng zusammenarbeiten", sagte die Kanzlerin bei einem Treffen mit den vier Spitzenverbänden der Wirtschaft in München. Es seien sich aber alle einig, dass man den Mindestlohn nicht infrage stelle.

Alle vier Verbände - der Arbeitgeberverband (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Handwerksverband - stellten sich im Streit um die Flüchtlingspolitik geschlossen hinter die Kanzlerin. "Sie widersetzt sich diesen populistischen Äußerungen, die in ganz Deutschland immer wieder zum Vorschein kommen, und versucht, mit vielen Einzelschritten dieses Problem in den Griff zu bekommen", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Das sei der richtige Weg. "Solch eine Situation kann man nicht durch einen großen Hammerschlag lösen", betonte der BDA-Chef.

"Obergrenzen für Flüchtlinge nicht umsetzbar"

DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte, es könne keine Obergrenzen für Flüchtlinge in Deutschland geben, "weil sie nicht umsetzbar sind". Und es dürfe keine dauerhaften Grenzkontrollen innerhalb der EU geben. "Sollte es keine europäische Lösung geben, und kommt es zum Aufbau von Grenzen innerhalb Europas, werden wir einen sehr hohen Wohlstandsverlust in Deutschland erleiden, und wir werden erheblich Arbeitsplätze verlieren", warnte er. Auch BDI-Chef Ulrich Grillo betonte: "Europa ist nicht das Problem, Europa ist die Lösung." Nur eine starke Wirtschaft könne bei der Integration von Flüchtlingen mithelfen, sagte er.

Merkel war erfreut: "Ich möchte mich ausdrücklich bedanken für Ihre positive und konstruktive Haltung gegenüber den Menschen, die zu uns kommen als Flüchtlinge." Die "große Bewährungsprobe" stehe aber noch bevor, "weil ja gerade im letzten Jahr viele gekommen sind". Merkel verwies auf die große Zahl junger Flüchtlinge unter 25. "Das zeigt, welches Potenzial da ist, ihnen eine Chance zu geben."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen