Wirtschaft
Händedruck zum historischen Abkommen: Kirchner und Putin.
Händedruck zum historischen Abkommen: Kirchner und Putin.(Foto: REUTERS)

Argentinien und Russland flirten: Putin findet neue Freundin am Ende der Welt

Von Volker Petersen

Es ist kompliziert: Russland und der Westen mögen sich nicht mehr. Sanktionen, Ukraine, Krim - Putin braucht neue Freunde. Eine neue Freundin findet er 13.474 Kilometer von Moskau entfernt.

Als die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner die Hand Wladimir Putins ergreift, lächelt sie freundlich in die Kamera, während er sie süffisant mit offenem Jacket anlächelt. Gerade haben sie einen Vertrag unterschrieben, der beiden das Leben ein bisschen angenehmer macht. Russland verkauft Argentinien ein Atomkraftwerk und schickt Gazprom los, um dort nach Gas zu suchen. Das verspricht Einnahmen von gut zwei Milliarden Euro für die kriselnde russische Wirtschaft, während Argentinien seine Energieversorgung verbessert.

Der russische Staatskonzern Gazprom sieht zudem die Chance, Gas und Öl zu fördern und unterzeichnete ein Kooperationsmemorandum mit der argentinischen Erdölfirma YPF. Außerdem bekommt das ständig von der Pleite bedrohte Argentinien einen Kredit über 1,2 Milliarden US-Dollar für ein Wasserkraftprojekt, wie die spanische Zeitung "El Mundo" berichtet.

Es ist ein historischer Moment: Am Ende des zweieinhalbstündigen Treffens der beiden Staatsoberhäupter sind die Beziehungen beider Länder so eng wie nie, seit vor 130 Jahren diplomatische Beziehungen aufgenommen wurden. Beim Pressegespräch habe Putin seinen Gast regelrecht hofiert, schenkte ihr selbst das Wasser ein, schreibt die argentinische Zeitung "Clarín". Putin hat eine neue Freundin am Ende der Welt.

Keine nervigen Fragen

Für den russischen Präsidenten sind solche Verträge eine angenehme Abwechslung zu den schwierigen Beziehungen zum Westen. Dessen Sanktionen setzen Russland zu, die EU nimmt den Staatskonzern Gazprom mit der Forderung nach einer Strafzahlung in die Zange und Angela Merkel will einfach nicht die Krim als Teil Russlands anerkennen. Es ist einfach kompliziert. Da bleibt dem russichen Präsident nicht viel übrig, als sich andere Märkte, andere Partner, andere Freunde zu suchen. Warum also nicht Argentinien?

Im Land von Fußball, Tango und Rinderzucht stellt man wenigstens keine nervigen Fragen. Keine Kritik an der "Wiedervereinigung" mit der Krim, keine Hilfe für die Ukraine, keine Sanktionen. Abgesehen von den wirtschaftlichen Chancen kann Russland auf diesem diplomatischen Parkett auch noch den Westen trietzen, genauer gesagt Großbritannien. Erst kürzlich kochten wieder die Emotionen um die Falklandinseln auf.

London fürchtete schon eine Invasion Argentiniens, da fachte der Kreml die Krise mit dem Verkauf einiger Uralt-Bomber aus Sowjetzeiten an die Südamerikaner an. Eine geschickte Geste: Militärisch dürfte das Dutzend fliegender Kisten keinen großen Unterschied machen - doch wurde klar, auf welche Seite Russland sich stellt.

Hilfe im Falklandkonflikt

Es ist auch ein Wink an die USA. Denn die betrachteten lange Südamerika als ihren "Hinterhof", in dem europäische Mächte nichts verloren hatten. Genau wie Russland Osteuropa als seine exklusive Einflusszone betrachtet. Die Logik im Kreml lautet offenbar: Wenn die USA sich in Osteuropa breit machen, können wir das auch in Südamerika tun.

Die argentinische Präsidentin freut sich natürlich über die Unterstützung in dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt. Aber die Kooperation hat auch noch einen anderen Vorteil: Auf diese Weise kommt Argentinien an Kredite, die nichts mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu tun haben. Mit dem steht Argentinien spätestens seit seiner Staatspleite 2001 auf dem Kriegsfuß.

Doch ein Selbstläufer sind die beidseitigen Beziehungen trotzdem nicht. Zwar verdreieinhalbfachte sich der gemeinsame Handel in den vergangenen zehn Jahren - 2014 brach er dann aber ein. Schuld war unter anderem die argentinische Bürokratie, aber auch die Rubelschwäche. Da der gemeinsame Handel in Dollar abgewickelt wird, ist das ein Riesenproblem - das wie so viele russische Probleme auf die Sanktionen des Westens zurückgeht.  

Quelle: n-tv.de

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