Wirtschaft
Video

Aktionäre müssen Geduld haben: RWE befindet sich in tiefer Krise

RWE-Chef Terium macht den Aktionären keine Hoffnung auf eine rasche Rückkehr zu den alten Glanzzeiten. Im Gegenteil: Der Manager erwartet noch rauere Zeiten für den Versorger. Die Krise lasse sich nicht allein durch Sparen lösen.

Die Schwierigkeiten des kriselnden Energieversorgers RWE haben sich nach Einschätzung von Vorstandschef Peter Terium weiter verschärft. "Nun hat die Krise eine neue Dimension erreicht", warnte der Manager die Aktionäre auf der Hauptversammlung in Essen. Er verwies auf die Pläne der Bundesregierung, eine neue CO2-Abgabe für alte Kraftwerke einzuführen. Eine solche Regelung würde "das sofortige Aus für einen Großteil der Braunkohletagebaue und Braunkohlekraftwerke bedeuten", sagte Terium. Das würde den Konzern, der rund ein Viertel seines Stroms aus Braunkohle gewinnt, hart treffen.

RWE verdient wie seine Konkurrenten mit den konventionellen Kraftwerken immer weniger Geld. Die sinkenden Strompreise im Großhandel durch den Ausbau der erneuerbaren Energien machen dem Konzern zu schaffen. Deshalb hat das Dax-Unternehmen 2012 ein ehrgeiziges Sparprogramm aufgelegt, das jüngst um 500 Millionen Euro aufgestockt wurde. Ab 2017 will der Konzern Einsparungen in Höhe von 2 Milliarden Euro erreichen. "Aktuell sind wir dabei, die Maßnahmenpakete zur Erreichung dieses Ziels zu schnüren", sagte Terium.

"Krisen lassen sich nicht allein durch Sparen lösen", sagte der RWE-Chef aber. "Mittelfristig werden wir RWE wieder auf Wachstumskurs bringen", kündigte Terium an. Der Konzern suche verstärkt nach neuen Wachstumschancen - ohne hohen eigenen Kapitaleinsatz. Dabei will sich RWE unter anderem auf die Arabische Halbinsel und Nordafrika konzentrieren. Der Konzern hatte bereits im März mitgeteilt, "verschiedene Formen der Zusammenarbeit mit einem Investor aus dem arabischen Raum" zu prüfen.

Sinken der Nettoschulden durch Dea-Verkauf

Erfolg hatte RWE jüngst mit dem Verkauf der Erdölfördertochter Dea, den der Konzern nach einer monatelangen Zitterpartie im März abschloss. "Unsere Nettoschulden sind dadurch deutlich gesunken", sagte Terium. Das werde sich im Bericht über das erste Quartal zeigen.

Angesichts der Probleme in der konventionellen Stromerzeugung will sich RWE auf die erneuerbaren Energien, den Vertrieb und das Netzgeschäft konzentrieren. Das Ergebnis der Erneuerbaren-Sparte werde 2015 deutlich höher ausfallen als im Vorjahr, sagte Terium.
Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung für 2014 wie im Vorjahr eine Dividende von 1 Euro je Aktie vorschlagen.

Die Anteilseigner müssen auf Antrag eines Aktionärs auch darüber abstimmen, ob drei Sonderprüfungen durchgeführt werden. Dabei geht es um ein eventuelles Missmanagement des Vorstands und mögliche Haftungsansprüche - unter anderem beim Kauf des niederländischen Energieversorgers Essent im Jahr 2009.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen