Wirtschaft
Risikiert den Zorn kommunaler Anteilseigner: Peter Terium wird künftig die RWE-Ökotochter leiten.
Risikiert den Zorn kommunaler Anteilseigner: Peter Terium wird künftig die RWE-Ökotochter leiten.(Foto: dpa)

Aufsichtsrat stimmt Terium-Plan zu: RWE lässt Kommunen leer ausgehen

Für viele Stadtkämmerer ist die Entscheidung ein herber Schlag ins Kontor: Der Energiekonzerns RWE will die in vielen Kommunen fest eingeplante Dividende in diesem Jahr ausfallen lassen. Das Kontrollgremium winkt das Vorhaben durch.

Trotz massiver Proteste kommunaler Anteilseigner hat der Aufsichtsrat des Energiekonzerns RWE dem geplanten Dividendenausfall zugestimmt. Der Aufsichtsrat habe sich diesem Vorschlag des Vorstands angeschlossen, teilte RWE nach einer Sitzung des Kontrollgremiums mit. Nach einem Verlust von 200 Millionen Euro 2015 hatte der Vorstand um RWE-Chef Peter Terium vorgeschlagen, den Vorzugsaktionären nur 13 Cent je Aktie zu zahlen - und den Stammaktionären gar nichts.

Der Beschluss zur Dividende sei einstimmig erfolgt, erklärte RWE. Demnach stimmten auch die Vertreter der Kommunen zu, die knapp 24 Prozent an dem Konzern halten. Sie stellen vier der 20 Vertreter im Aufsichtsrat. Zuletzt hatten die Kommunen noch jeweils einen Euro je RWE-Aktie erhalten. In den Jahren zuvor lag der Ausschüttungsbetrag je Aktie zeitweise bei 3,50 Euro.

Aufstand gegen Terium?

Aus den Reihen der Kommunen, darunter finanziell klamme Städte wie Bochum und Essen, war zuvor heftige Kritik an dem Vorschlag laut geworden, die Gewinnbeteiligung zu streichen. Neben den eigenen Schuldenlasten sehen sich viele Kommunen von der Flüchtlingskrise zusätzlich belastet. Die bislang sehr verlässlichen Einnahmen aus der jährlichen RWE-Ausschüttung sind vielerorts fest eingeplant. Es gibt Rufe danach, Terium auf der Hauptversammlung im April die Entlastung zu verweigern.

Dagegen regt sich aber inzwischen auch Skepsis. "Den Vorstand nicht zu entlasten ändert nichts daran, dass wir keine Dividende bekommen", sagte der Bochumer Kämmerer Manfred Busch. Der Dividendenausfall sei zwar ein Schlag ins Kontor: "Wir werden deswegen aber kein Schwimmbad schließen."

Schmitz folgt Terium als RWE-Chef

RWE spart durch den Dividendenausfall 600 Millionen Euro an Liquidität. Weitere Einnahmen soll der geplante Börsengang von zehn Prozent der Anteile an der neuen Tochter für Ökostrom, Vertrieb und Netze bringen. Der Börsengang ist Teil der angekündigten Aufspaltung und soll noch in diesem Jahr erfolgen. Der bisherige RWE-Chef Terium wechselt nach einer Übergangszeit zur neuen Ökostromtochter. Auch diesem Plan stimmten die Aufsichtsräte zu. Sein Nachfolger an der Spitze von RWE wird sein bisheriger Stellvertreter Rolf Martin Schmitz.

Ab April werde Terium beide Unternehmen jedoch zunächst noch in Personalunion führen, erklärte RWE. Bis die neue Tochter am Kapitalmarkt durchstarten könne, gebe es noch viel zu tun, sagte Terium. "Ich sehe es dabei als meine vordringlichste Aufgabe als Vorstandsvorsitzender beider Gesellschaften an, den für den Börsengang notwendigen Trennungsprozess verantwortungsvoll zu gestalten."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen