Wirtschaft
Video

Kräftiger Stromabfall: RWE mit neuer Hiobsbotschaft

Von Egmond Haidt

Die vorläufigen Ergebnisse des Versorgers für 2015 zeigen, wie dramatisch die Krise ist. Anleger müssen eine noch bitterere Pille schlucken als ohnehin befürchtet. Bedenklich stimmt zudem der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr.

Um volle zehn Prozent bricht die RWE-Aktie zeitweise ein: Üblicherweise schockieren die Versorger Eon und RWE Investoren kurz vor Jahresende mit schlechten Nachrichten, also schwachen Ergebnissen oder der Ankündigung von Dividendenkürzungen. Bei RWE hat es diesmal bis Mitte Februar gedauert. Umso unschöner sind aber die Nachrichten. "RWE stellt Weichen für Erfolgskurs in schwerem Marktumfeld", so titelt die Pressemitteilung des Essener Versorgers. "RWE streicht wegen miserabler Geschäftsentwicklung die Dividende" wäre deutlich passender gewesen.

Deutschlands zweitgrößter Versorger leidet weiterhin massiv unter der Energiewende in Europa, die zu einem anhaltenden Verfall der Großhandelspreise führt. "Die Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben sich weiter verschlechtert. Dies veranlasste RWE zu einer Wertberichtigung von 2,1 Milliarden Euro auf deutsche und britische Kraftwerke", erklärte der Konzern. Zudem mussten (latente) Steuern von 0,9 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Entsprechend steht unter dem Strich ein Verlust von 0,2 Milliarden Euro.

Vorstandschef Peter Terium will daher die Dividende für die Stammaktien streichen. Analysten waren lediglich von einer Kürzung auf 0,62 Euro ausgegangen, gegenüber 1,00 Euro für 2014. Besitzer von Vorzugsaktien sollen die laut der Satzung vorgeschriebene Dividende von 0,13 Euro erhalten. "Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht gefallen ist. Denn wir wissen, dass wir mit der heutigen Entscheidung viele Aktionäre enttäuschen", so Terium.

Gewinn im Abwärtssog

Dass Terium kaum etwas anderes übrig geblieben ist, als die Dividende zu streichen, wird mit Blick auf den Ausblick offensichtlich. Für 2016 prognostiziert der Firmenlenker "ein betriebliches Konzernergebnis von 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro". Damit setzt sich der Abwärtstrend fort, nachdem 2015 noch 3,8 Milliarden Euro zu Buche standen.

Angesichts der Abwärtsspirale bei den Gewinnperspektiven sind die Aussichten für die RWE-Aktie trüb. Denn wegen der seit Jahren anhaltenden Talfahrt bei den Gewinnen ist ein 2016er-KGV von zehn deutlich zu hoch. Anleger sollten lieber früher als später den Stecker ziehen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen