Verkäufe und BeschäftigungspaktRWE wird umgemodelt

RWE bereitet sich intensiv auf die Zukunft vor. Der designierte Chef des Energiekonzerns, Terium, will die Veräußerung von Unternehmensanteilen forcieren. In den kommenden Jahren will RWE rund 8000 der 72.000 Arbeitsplätze abbauen.
Der durch die Energiewende gebeutelte Energiekonzern RWE will unter der Führung des künftigen Vorstandschefs Peter Terium den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen vorantreiben. "Wir werden substanzielle Desinvestments sehen", sagte der 48-jährige Manager. Bei der geplanten Zielgröße bleibe es aber.
Terium machte deutlich, dass die bis Ende 2013 anvisierten Verkäufe auch geringer ausfallen könnten. Es würden bis zu elf Milliarden Euro sein, sagte der Niederländer. Terium löst im Juli Jürgen Großmann an der Spitze des Versorgers ab.
Der Konzern hat wie der Düsseldorfer Konkurrent Eon diverse Geschäfte zur Disposition gestellt. Hierzu gehören die Anteile an kommunalen Versorgern wie der hessischen Süwag, der Kevag aus Koblenz oder der VSE aus Saarbrücken. Hinzu kommen Anteile an den Berliner Wasserbetrieben und der Öl- und Gasfördertochter RWE Dea. Bis Ende des Jahres will der Konzern seine tschechische Gasnetztochter NET4GAS verkaufen. Das deutsche Ferngasnetz und die großen Stromtrassen hat RWE bereits abgestoßen. "Anderthalb Milliarden haben wird schon realisiert", sagte Terium.
Im Gegensatz zu Eon strebt RWE auch unter dem neuen Chef nicht in ferne Länder. Zwar wolle der Konzern seine Stärke auch außerhalb Deutschlands ausspielen. "Aber unser Heimatmarkt bleibt Deutschland. Den muss man hegen und pflegen." Er kenne kein international erfolgreiches Unternehmen, das nicht auch auf seinem Heimatmarkt stark sei. "Wir haben nicht die Ambitionen nach Südamerika, China oder Indien zu gehen", erläuterte Terium. Eon-Chef Johannes Teyssen hatte vor wenigen Wochen den Einstieg in den brasilianischen Markt angekündigt.
Arbeit am Beschäftigungspakt
Der im September bereits zum Stellvertreter Großmanns gekürte Manager hatte bei RWE unter anderem 2009 die rund acht Milliarden Euro teure Übernahme des niederländischen Versorgers Essent eingefädelt, dessen Chef er später auch war. Nach den Milliardeninvestitionen der vergangenen Jahre will er die Zügel nun straffen. "Wir haben einige Jahre mehr investiert, als uns als Cash Flow zufloss. Wir müssen jetzt wieder zur einer stärken Ausgabendisziplin zurückfinden." Die hohen Investitionen in Kraftwerke und die Netze seien aber notwendig gewesen.
Nach einem Strategiepapier will Terium in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt eine Milliarde Euro zusätzlich einsparen. "Was das für die Belegschaft bedeutet, können wir jetzt noch nicht sagen, dazu ist es zu früh", erklärte er. "Das sind auch Ideen dahinter, wo die Millionen zu finden sind." Bei den Beschäftigten hatten die Pläne Sorgen vor weiteren Stellenstreichungen ausgelöst.
In den kommenden Jahren will RWE ohnehin rund 8000 der 72.000 Arbeitsplätze abbauen - auch durch die Verkäufe. Die Arbeitnehmervertreter in Deutschland wollen den bis Ende 2012 gültigen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen verlängern. "Es ist vereinbart, dass wir im zweiten Quartal mit Verhandlungen beginnen", kündigte Terium an.