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Befreiungsschlag per Kapitalerhöhung? Das hat "jedes große Dax-Unternehmen in seinem Werkzeugkasten drin".
Befreiungsschlag per Kapitalerhöhung? Das hat "jedes große Dax-Unternehmen in seinem Werkzeugkasten drin".(Foto: dpa)

Zukunftsplanung nur "bis zum Horizont": RWE wühlt im "Werkzeugkasten"

Peter Terium hat es nicht leicht: Der RWE-Chef muss zwischen Mitarbeitern, Kommunen und Anlegern moderieren - und gleichzeitig einen hoch verschuldeten Konzern durch die Umbrüche der Energiewende steuern. Jetzt bringt er eine Kapitalerhöhung ins Spiel.

RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium, hier während der Hauptversammlung 2013 in Essen.
RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium, hier während der Hauptversammlung 2013 in Essen.(Foto: dpa)

Der in zweistelliger Milliardenhöhe verschuldete RWE-Konzern will sich von seinen Aktionären die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung einräumen lassen. Auf der Hauptversammlung solle dafür ein Vorratsbeschluss gefasst werden, sagte Vorstandschef Peter Terium dem Deutschlandfunk. Einen solchen Schritt habe "jedes große Dax-Unternehmen in seinem Werkzeugkasten drin", erklärte Terium.

"Es ist allerdings keine zugesagte oder geplante Kapitalerhöhung", betonte der RWE-Chef. Intern gelte die Vereinbarung, eine solche Aufsehen erregende Maßnahme "nur nach vollständiger Zustimmung des Aufsichtsrates" einzusetzen. "Und da sind natürlich unsere Kapitalanleger auch mit dabei." Auf absehbare Zeit sei keine Kapitalerhöhung geplant.

Mit der Verknüpfung an eine Zustimmung des Aufsichtsrates kommt Terium einer Forderung der Kommunen entgegen. Diese hatten auf eine solche Bedingung gedrängt, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen der kommunalen Anteilseigner erfahren hatte. Die Kommunen, darunter hoch verschuldete Städte wie Dortmund und Essen, halten rund 24 Prozent an dem nach Eon zweitgrößten deutschen Versorger.

Eine Kapitalerhöhung könnte den Anteil der Kommunen an RWE weiter verwässern und ihren Einfluss verringern. Zuletzt hatte das Unternehmen im Dezember 2011 durch die Ausgabe neuer Papiere rund 2 Milliarden Euro eingesammelt. Der Schuldenberg belief sich nach Konzernangaben zuletzt auf 30,8 Milliarden Euro. Einen Teil der Schulden führt das Unternehmen auf Rückstellungen für Pensionslasten, Kernenergiekosten und die Folgen des Bergbaus zurück.

Dividende trotz Schulden?

Dazu kommen die anhaltenden Dividendenzahlungen. Im vergangenen Jahr lag RWE hier - trotz hoher Schulden - im Vergleich zu den übrigen Dax-Werten im gehobenen Mittelfeld. Dem internen "Verschuldungsziel" zufolge strebt RWE beim Verhältnis der Nettoschulden zum Vorsteuerergebnis (Ebitda) "mittelfristig" einen Verschuldungsfaktor von maximal 3,0 an.

Um dieses Ziel zu erreichen, will RWE bis 2016 unter anderem auch 6750 Stellen streichen. Ein weiterer Personalabbau stehe darüber hinaus derzeit nicht an, erklärte Terium. "Wir schauen erst mal so weit bis zum Horizont. Natürlich werden wir in einigen Bereichen weitere Effizienzen heben", grenzte der Konzernchef seine Aussagen ein.

Weiterer Stellenabbau möglich

Künftig müsse der Dax-Konzern mit weniger Leuten auskommen. "Aber wir werden neue Bereiche ausbauen. Und ich kann eben jetzt noch nicht vollständig abschätzen, wie erfolgreich diese neuen Bereiche sein werden, wie erfolgreich diese neuen Produkte sein werden." Bislang gilt: Auch durch den Verkauf von Beteiligungen soll die Zahl der Beschäftigten von fast 74.000 im Jahr 2011 auf rund 61.000 schrumpfen. RWE will zudem diverse Gas- und Kohlekraftwerke ganz oder vorübergehend stilllegen.

Erst vor wenigen Tagen mussten die Essener angesichts wegbrechender Gewinne ihrer Kraftwerke mehr als 3 Milliarden Euro komplett abschreiben. Der Konzern hatte gegenüber dem Zwischenabschluss vom 30. September 2013 einen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf in Höhe von etwa 3,3 Milliarden Euro identifiziert.

Mit 2,9 Milliarden Euro entfiel der Löwenanteil davon auf den Betrieb der konzerneigenen Steinkohle- und Gaskraftwerke. Diese stehen wegen der Konkurrenz durch den in Deutschland vorrangig eingespeisten Ökostrom und den Verfall der Großhandelspreise unter Druck.

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Quelle: n-tv.de

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