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Doppelter Espresso für alle: Im deutschen Aktienhandel steht Anlegern ein ereignisreicher Tag bevor.
Doppelter Espresso für alle: Im deutschen Aktienhandel steht Anlegern ein ereignisreicher Tag bevor.(Foto: picture alliance / dpa)

"Superdonnerstag" an der Börse: Rabattschlacht belastet Celesio

Der Terminkalender des Tages ist zum Bersten gefüllt: Am deutschen Aktienmarkt müssen sich Anleger und Analysten auf eine Flutwelle an Zwischenberichten einstellen. Die Signale kommen aus allen Richtungen. Ein Überblick.

Am vorletzten Handelstag der Woche sehen sich Börsianer auf der Unternehmensebene mit einem Trommelfeuer an Impulsen konfrontiert. Neben den vier Schwergewichten aus dem Dax Siemens, Continental, Lufthansa und Volkswagen haben sich eine Vielzahl weiterer prominenter Namen aus dem In- und Ausland zur Zahlenvorlage angemeldet. Ein Blick auf wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

Die anhaltende Rabattschlacht in Deutschland und Wertberichtigungen auf die Geschäfte in Brasilien haben dem Pharmahändler Celesio im ersten Halbjahr das Ergebnis verhagelt. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 65,3 Prozent auf 70,4 Millionen Euro ein, wie Celesio mitteilte. Unterm Strich machte das Stuttgarter Unternehmen 15,8 Millionen Euro Verlust.

Der in diesem Jahr vom US-Konzern McKesson übernommene Pharmahändler hatte die Abschreibungen bereits angekündigt. Brasilien ist außerhalb von Europa Celesios wichtigster Markt. Der Umsatz stieg um 1,8 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. Das Marktwachstum in Deutschland sowie die gute Entwicklung in Norwegen und Großbritannien hätten Rückgänge in Frankreich und Belgien ausgeglichen, erklärte Celesio.

Nemetschek präsentiert Gewinnsprung

Der Softwarekonzern Nemetschek hat im zweiten Quartal von starken Geschäften mit Lizenzen und Serviceverträgen profitiert. Der Umsatz legte mit zweistelligen Wachstumsraten zu, das Ergebnis stieg überproportional. Der TecDax-Konzern konnte den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bestätigen. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 14,6 Prozent auf 51,3 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 25,5 Prozent auf 25,6 Millionen Euro zu. Die Ebitda-Marge belief sich damit auf 25 Prozent, 2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum.

Unter dem Strich verdiente Nemetschek 6,9 Millionen Euro, ein Plus von mehr als 40 Prozent. Der Konzern rechnet dank der erwarteten positiven Entwicklung für die Bauindustrie und die von Nemetschek adressierten Kernmärkte mit einem Umsatz zwischen 207 und 212 Millionen Euro, das wäre ein Anstieg von 11 bis 14 Prozent zum Vorjahr. Die Ebitda-Marge wird voraussichtlich 23 bis 25 Prozent betragen.

Deutsche Annington stockt Prognose auf

Die Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington hat im ersten Halbjahr deutlich mehr verdient. Der SDax-Konzern erhöht seine Prognose für 2014. Die für Immobilienunternehmen übliche operative Gewinnkennzahl FFO werde für das Gesamtjahr jetzt bei 275 bis 285 Millionen Euro (vorher 250 bis 265 Millionen) erwartet, sagte Vorstandschef Rolf Buch. Im ersten Halbjahr stieg der Ertrag um gut ein Viertel auf 130 Millionen Euro. "Nach rund einem Jahr an der Börse haben wir uns auf allen Ebenen klar weiterentwickelt", meinte Buch. 70 Prozent des Gewinns sollen als Dividende ausgeschüttet werden.

Die Deutsche Annington hatte im Frühjahr ein Portfolio mit gut 11.000 Wohnungen vor allem in Süddeutschland vom Immobilienunternehmen Dewag übernommen. Im Herbst sollen 30.000 weitere Wohnungen in Ballungszentren wie Berlin, Frankfurt/Main und Augsburg vom Konkurrenten Vitus hinzukommen. Die Deutsche Annington bezeichnet sich selbst mit aktuell rund 185.000 Wohnungen als Deutschlands größtes privates Immobilienunternehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Bochum beschäftigt rund 3200 Menschen.

Conti profitiert vom Kautschukpreis

Der weltgrößte Autozulieferer Continental kann seine Jahresprognose schon wieder anheben. Der Dax-Konzern begründete die besseren Aussichten für das Gesamtjahr bei der Vorlage der Halbjahresbilanz unter anderem mit günstigen Kautschukpreisen für das wichtige Reifengeschäft. Der voraussichtliche Naturkautschukpreis dürfte in der Reifensparte über das Jahr hinweg 160 Millionen Euro zusätzlich freisetzen, hieß es. Entsprechend hob der Konzern seinen Ausblick zum zweiten Mal in diesem Jahr an: Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn soll nun 11 Prozent vom Umsatz ausmachen, dessen Prognose wegen des starken Euro leicht auf 34,5 Milliarden Euro sinkt.

Metro vertröstet Anleger

Die Trendwende beim Einzelhandelskonzern Metro lässt auf sich warten. Im Ende Juni abgelaufenen dritten Geschäftsquartal rutschte das Unternehmen wegen laufender Sparprogramme in mehreren Sparten in die roten Zahlen, wie das im MDax notierte Unternehmen mitteilte.

Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 63 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 33 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Umsatz sackte angesichts des harten Preiskampfs und des starken Euro um 2,7 Prozent auf 14,9 Milliarden Euro ab. Auf europäischer Ebene konkurriert Metro unter anderem mit Carrefour aus Frankreich und Tesco aus Großbritannien.

Evonik sieht sich auf Kurs

Der Spezialchemiekonzern Evonik sieht sich dank einer starken Nachfrage und eines nachlassenden Preisdrucks auf Kurs für seine Jahresziele. Im zweiten Quartal legte der Umsatz um 1 Prozent auf knapp 3,25 Milliarden Euro zu, wie der MDax-Konzern mitteilte.

Der Gewinn sackte im Jahresvergleich wegen gesunkener Preise um 28 Prozent 139 Millionen Euro ab. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank nicht ganz so stark um 7 Prozent auf 473 Millionen Euro. Im Gesamtjahr dürfte der Umsatz leicht steigen, bestätigte der Konzern. Beim operativen Ergebnis schließt Evonik einen Rückgang nicht aus.

Hugo Boss beeindruckt Analysten

Der Modekonzern Hugo Boss hat im zweiten Quartal dank eines starken Geschäfts in Europa und den eigenen Läden zugelegt. Der Umsatz sei um 5 Prozent auf 559 Millionen Euro gestiegen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Firmensitz in Metzingen mit. Der Gewinn kletterte um 18 Prozent auf 62,8 Millionen Euro. Damit schnitt Hugo Boss besser ab als Experten erwartet hatten. Konzernchef Claus-Dietrich Lahrs bestätigte zudem die Prognosen für das laufende Jahr.

Dürr klopft auf das Orderbuch

Verzögerungen bei einigen Projekten haben dem Autozulieferer Dürr im zweiten Quartal zu schaffen gemacht. Der Umsatz des Spezialisten für Lackieranlagen sank von April bis Juni um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 522 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging um 3 Prozent auf 45 Millionen Euro zurück, wie Dürr vor Börsenstart mitteilte. Analysten hatten mit einem Umsatzanstieg im zweiten Quartal um fast 8 Prozent auf 654 Millionen Euro und einem Ebit von 47 Millionen Euro gerechnet.

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Der Auftragseingang nahm dagegen um 15 Prozent zu, so dass in der ersten Jahreshälfte fast das Niveau des Vorjahres erreicht werden konnte. Das Unternehmen aktualisierte seine Prognose: Der Umsatz werde das untere Ende der erwarteten Spanne von 2,4 bis 2,5 Milliarden Euro erreichen. Bei der Ebit-Marge peilt Dürr hingegen nun das obere Ende seines Zielkorridors von 8,0 bis 8,5 Prozent an.

Prosiebensat1 verdient besser

Der Fernsehkonzern Prosiebensat1 hat sein Wachstum im zweiten Quartal auch ohne das Spektakel zur Fußball-WM fortgesetzt. Vor allem dank seiner Spartensender für Frauen, Männer und Senioren hielt das werbefinanzierte Unternehmen sein Publikum an den Bildschirmen und steigerte Umsatz und Gewinn. Die Erlöse kletterten um 11 Prozent auf 691 Millionen Euro, wie Prosiebensat1 vor Börsenstart mitteilte. Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) legte um knapp 5 Prozent auf 219 Millionen Euro zu. Damit erfüllte der Konzern die Erwartungen von Branchenexperten. Zum Wachstum trug erneut das Digitalgeschäft mit Videos, Spielen und Handel im Internet bei.

FMC verweist auf die Steuerlast

Deutlich gestiegene Steuerlasten haben den Gewinn des weltgrößten Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) im abgelaufenen Quartal gedrückt. Der Überschuss sei im zweiten Quartal um 11 Prozent auf 234 Millionen Dollar geschrumpft, teilte die Tochter des Bad Homburger Gesundheitskonzerns Fresenius mit. Sowohl Mutterkonzern als auch Tochter sind im Leitindex Dax notiert. FMC-Chef Rice Powell bezifferte die steuerliche Sonderbelastung in Folge einer Übernahme im vergangenen Jahr auf 18 Millionen Dollar. Ohne den Effekt traf FMC die Erwartungen von Analysten, die einen Überschuss von 252 Millionen Dollar prognostiziert hatten. FMC setzte von April bis Juni 3,84 Milliarden Dollar um - ein Plus von 6 Prozent.

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"Auch für das zweite Halbjahr rechnen wir mit anhaltend gutem organischen Wachstum", erklärte Powell. FMC will seinen Umsatz in diesem Jahr wie bislang geplant um rund 4 Prozent auf 15,2 Milliarden Dollar erhöhen. Das Konzernergebnis soll leicht auf ein bis 1,05 Milliarden Dollar sinken. Mögliche Einsparungen durch ein laufendes Sparprogramm sind dabei noch nicht eingerechnet.

Fresenius stockt den Ausblick auf

Der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius hat nach den jüngsten Übernahmen seiner Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) die Umsatzprognose des Mutterkonzerns für das Gesamtjahr erhöht. Gestützt auf die neuen Zahlen erwartet Fresenius-Chef Ulf Schneider 2014 einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von 14 bis 16 Prozent, wie der Dax-Konzern in seinem Zwischenbericht mitteilte. Bislang war ein Wachstum von zwölf bis 15 Prozent erwartet worden. Den bereinigten Gewinn will Fresenius in diesem Jahr weiterhin um 2 bis 5 Prozent erhöhen.

Die Tochter FMC hatte unlängst in Amerika eine Mehrheitsbeteiligung an Sound Inpatients Physicians erworben, einem Netzwerk von Krankenhausärzten. "Wir erwarten, dass sich das Wachstum im gesamten Konzern im zweiten Halbjahr weiter beschleunigt", erklärte Schneider. Im ersten Halbjahr nahm der bereinigte Konzerngewinn um ein Prozent auf 487 Millionen Euro zu. Fresenius setzte von Januar bis Juni 10,7 Milliarden Euro um - ein Plus von sieben Prozent.

Hochtief bestätigt die Prognose

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief sieht sich nach einem Gewinnplus im zweiten Quartal auf Kurs zu seinem Jahresziel. Im zweiten Quartal sei bei einem Außenumsatz von rund 6,6 (Vorjahr: 7,4) Milliarden Euro ein auf 220,8 (216) Millionen Euro gestiegener operativer Gewinn (Ebit) auf vergleichbarer Basis erzielt worden, teilte der Konzern am frühen Morgen vor dem Frankfurterb Börsenstart mit.

Der Gewinn stieg auf vergleichbarer Basis auf 62,7 (40,5) Millionen Euro. Die Zahlen sind allerdings bereinigt um Sondereffekte: Hochtief hatte sich in der Vergangenheit von zahlreichen Beteiligungen getrennt. Der vom Mehrheitseigner ACS entsandte Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes will den Konzern auf Profit trimmen. Die Prognose für 2014 bekräftigte Hochtief. Der Baukonzern rechnet weiter mit einem operativen Gewinn im Bereich von 225 bis 250 Millionen Euro. 2013 hatte Hochtief hier 207,5 Millionen Euro eingefahren.

Neben Fresenius, FMC und Hochtief haben sich eine ganze Reihe weiterer Unternehmen mit eigenen vierteljährlichen Zwischenergebnissen angekündigt. Voll im Vordergrund stehen dabei die großen Namen des Tages: Volkswagen, Siemens und Deutsche Lufthansa. Die Zahlenflut am Aktienmarkt dürfte die Aufmerksamkeit der Anleger allerdings auch auf die zweite und dritte Reihe der deutschen Unternehmenslandschaft lenken.

Angesichts der Häufung an Quartalsberichten sprechen Anlagestrategen von einem "Superdonnerstag" an der Börse: Nur vier Mal im Jahr gewähren so viele Konzerne auf einmal Einblick in ihre geschäftlichen Perspektiven.

Quelle: n-tv.de

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