Wirtschaft
Proteste in Istanbul: "Die Finanz- und Geldpolitik der Türkei setzen das Land einer möglichen harten Landung aus." (Archivbild)
Proteste in Istanbul: "Die Finanz- und Geldpolitik der Türkei setzen das Land einer möglichen harten Landung aus." (Archivbild)(Foto: REUTERS)

Von "stabil" auf "negativ": Ratingagentur verwarnt die Türkei

Erst politische Spannungen, dann heftige Währungsturbulenzen - jetzt drohen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht auch noch schwerwiegende Konsequenzen am Kapitalmarkt. Die Bonitätswächter von S&P feuern einen Warnschuss ab.

Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) erhöhen den Druck auf die Regierung in Ankara: Die Bonitätswächter blicken skeptisch auf die jüngsten Entwicklungen und drohen dem Schwellenland zwischen Europa und Asien angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage mit einer Herabstufung.

Die aktuelle Bonitätseinstufung bleibe zwar zunächst bei "BBB", teilte S&P nach Börsenschluss in Europa mit. Die Kreditwürdigkeit der Türkei rangiert damit in der Systematik der US-Agentur unverändert hart an der Grenze zwischen vertretbaren Investmentrisiken und dem sogenannten Ramschbereich. Der Ausblick für die Note werde allerdings von "stabil" auf "negativ" gesenkt, erklärten die Analysten. Die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung in den nächsten zwölf Monaten liege bei eins zu drei.

Es gebe das Risiko eines plötzlichen Einbruchs der türkischen Wirtschaft, begründeten die Analysten den Schritt. Das Umfeld werde immer schwerer vorherzusehen. "Die Finanz- und Geldpolitik der Türkei setzten das Land einer möglichen harten Landung aus", hieß es in der Mitteilung der Agentur.

Im Fall einer Herabstufung dürften zusätzliche Schwierigkeiten auf die türkische Regierung zurollen. Schon jetzt sieht sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mit sprunghaft ansteigenden Zinslasten im türkischen Staatshaushalt konfrontiert.

Leitzins verschärft Schuldenprobleme

Hintergrund sind die erheblichen Kursturbulenzen der türkischen Landeswährung Lira. Seit die US-Notenbank Fed damit begonnen hat, den Geldhahn zuzudrehen, kommen die Schwellenländer zunehmend unter Druck. Investoren ziehen ihr Kapital ab, um ihr Geld gewinnbringend in den wieder erstarkten USA anzulegen. Angesichts der hohen Defizite im Außenhandel ist die Türkei stark auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen.

Um dem Kursrutsch der Landeswährung entgegen zu steuern, hob die Zentralbank der Türkei die Zinsen Ende Januar in einem nach eigenen Angaben "aggressiven Zinsschritt" an - und zog sich damit den Unmut der Regierung zu: Der scharfe Zinsschritt nach oben verteuert auch den Schuldendienst im türkischen Staatshaushalt.

Zudem dürfte die Entscheidung der Notenbanker die wirtschaftliche Entwicklung belasten. Die Ratingagentur senkte ihre Wachstumsprognose für die Türkei für die Jahre 2014 und 2015 daher von bisher 3,4 Prozent auf 2,2 Prozent.

Politische Risiken

Abgesehen von den konjunkturellen Perspektiven habe sich das politische Umfeld verschlechtert, heißt es in der Mitteilung von S&P. Die Türkei ist von Korruptionsaffären betroffen, die von der Regierung mit Eingriffen in die Justiz beantwortet wurden. Laut S&P könnte die Einschränkung der Unabhängigkeit der Notenbank eine Gefahr für die Wirtschaft darstellen.

In der Türkei kursierten nach der aggressiven Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank Gerüchte, die Regierung Erdogan arbeite daran, die Regeln für die Währungshüter zu verändern. Per Gesetz solle die Zentralbank verpflichtet werden, künftig vor allem auf die Sicherung des Wirtschaftswachstums zu achten, statt wie bisher dem Kampf gegen die Inflation Priorität einzuräumen, berichteten die regierungsnahe Zeitung "Sabah" und das unabhängige Blatt "Taraf" übereinstimmend. Erdogan hatte sich zuvor öffentlich gegen eine Zinsanhebung ausgesprochen.

Quelle: n-tv.de

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