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Urlaub im All vor dem Aus?: Raumgleiter zerschellt in Kalifornien

Nur wenige Monate bleiben bis zum offiziellen Start: Schon 2015 sollen Privatreisende mit "SpaceShipTwo" ins All fliegen. Bei einem der letzten Test fällt die Maschine wie ein Stein vom Himmel. Ist das Geschäftsmodell Weltraumtourismus am Ende?

Es ist die Verheißung der Zukunft: Touristen steigen in ein Raumflugzeug und heben ab ins Weltall und können dort erleben, was sonst nur Astronauten vorbehalten ist - exklusives Schweben in der Schwerelosigkeit, ein ungetrübter Blick auf die Sterne.

Es ist der Traum vieler Menschen, und er dürfte vorerst ein Traum bleiben. Der Absturz des "SpaceShipTwo" in der kalifornischen Mojave-Wüste ist eine Katastrophe für den Weltraumtourismus, den manche Beobachter bereits ernsthaft als eine Milliardenindustrie der Zukunft ansehen. Der extrovertierte britische Milliardär Richard Branson wollte seine Raumkapsel mit Raketenantrieb eigentlich nächstes Frühjahr mit Passagieren ins All schicken. Es sollte der Beginn einer neuen Ära der Menschheit sein.

Seit Jahren facht er die Aufbruchstimmung in der Branche an. Sein Unternehmen Virgin Galactic hat eigenen Angaben zufolge bereits Tickets im großen Stil verkauft. Trotz einer Gebühr von 250.000 Dollar (rund 200.000 Euro) sollen sich mindestens 700 Neugierige einen Platz an Bord gesichert haben, darunter viel Prominenz aus der Film- und Geschäftswelt.

"Ich würde bitter enttäuscht sein"

Sie alle lockte die Aussicht, einmal die in 100 Kilometern Höhe liegende Weltraumgrenze überwinden zu können. Im US-Staat New Mexiko bauten Branson und seine Geschäftspartner für 29 Millionen Dollar den Weltraumbahnhof "Spaceport America" mit einer drei Kilometer langen Piste. Bei einer Eröffnungsfeier 2010 bezeichnete der Milliardär den Bau als "das neue Zuhause des Weltraumflugs".

Sein Enthusiasmus riss viele mit. Doch über die Jahre wuchsen auch die Zweifel. Das Projekt erlebte eine Verzögerung nach der anderen. Nicht nur Raumfahrt-Fans, sondern auch Branson wurden immer ungeduldiger. "Ich würde bitter enttäuscht sein, wenn ich nicht vor dem Ende dieses Jahres im Weltall bin", sagte er vor zwei Monaten in einem Interview. "Wir machen noch drei weitere Raketentests und dann sollte es losgehen."

Unausgereifte Technik?

Nun zerschellte "SpaceShipTwo" bei einem dieser Tests. Es war der erste mit einer Raketenzündung seit Monaten. In der langen Pause sollen der Motor und die Treibstoffmischung verändert worden sein. Das Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo" brachte es auf rund 1,5 Kilometer Höhe und entließ es zum Freiflug. Doch die Raketenzündung ging schief, die Kapsel fiel auf die Erde wie ein Stein.

Ein Pilot starb, der andere konnte sich mit dem Fallschirm retten. Nun kommen Fragen auf, ob die Unternehmer hinter der Idee zu sehr aufs Tempo gedrückt haben. Ob die Tests ausreichend gewesen sind. Ob das Leben der Testpiloten überhastet aufs Spiel gesetzt wurde. Über die Ursache machten die Verantwortlichen zunächst keine klaren Angaben.

Branson selbst kündigte an, sofort zu seinem Team in Kalifornien zu fliegen. Er wird viel Erklärungsarbeit leisten müssen. Im US-Fernsehen sprachen Experten von einem schlimmen Rückschlag für die private Raumfahrt. Andere bezeichneten den Absturz sogar als Todesstoß für den Weltraumtourismus.

Solche Reaktionen sind unter dem Eindruck einer Katastrophe nicht ungewöhnlich. Doch nachdem gerade mal drei Tage zuvor der unbemannte US-Raumtransporter "Cygnus" Sekunden nach dem Start in Florida explodiert war, ist die Debatte über die kommerzielle Raumfahrt nicht mehr zu stoppen.

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Quelle: n-tv.de

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