Wirtschaft
Real betreibt noch gut 300 Märkte in Deutschland.
Real betreibt noch gut 300 Märkte in Deutschland.(Foto: picture alliance / dpa)

Metro schreibt 450 Millionen ab: Real-Kaufhäuser sind plötzlich weniger wert

Die Supermarktkette Real ist ein Sorgenkind des Mutterkonzerns Metro. Um finanziellen Spielraum zu erhalten, räumt Metro nun seine Bilanz auf - und schreibt fast eine halbe Milliarde auf Real ab. Damit werden dringend benötigte Investitionen erst möglich.

Der Handelsriese Metro räumt in seiner Bilanz auf und stellt damit die Weichen für eine weitere Sanierung seines Sorgenkinds Real. Altlasten der Supermarkttochter in seinen Büchern zwingen den Handelsriesen zu einer rund 450 Millionen Euro schweren Wertberichtigung, wie Metro bekannt gab.

Damit will sich Firmenchef Olaf Koch mehr Handlungsspielraum für Investitionen in die Neuausrichtung der Tochter verschaffen, die mit Umsatz- und Gewinnrückgängen sowie dem harten Wettbewerb im deutschen Markt kämpft. Der Trick dahinter: Wenn Real in der Metro-Bilanz weniger wert ist, muss es auch weniger Gewinne erwirtschaften. Investitionen, die das Ergebnis der Sparte drücken, sind so einfacher umzusetzen.

Und Investitionen soll es geben: "Da wir eine nachhaltige Neupositionierung von Real anstreben, haben wir die Absicht, auch in den kommenden Jahren weiter in das Real-Geschäftsmodell zu investieren", unterstrich Koch. Die Prognose der Metro für das Geschäftsjahr 2014/15 stehe weiter. Einem Insider zufolge will Metro in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionen-Betrag in die Kette stecken. Metro-Aktien notierten am Mittag mit einem Plus von 1,38 Prozent bei 33,34 Euro.

Metro hält an Prognose fest

Metro nehme Wertberichtigungen in einer Höhe von 450 Millionen Euro vor allem auf Buchwerte vor, die aus damals milliardenschweren Firmenübernahmen für Real aus dem Jahr 1998 stammen. "Bei der Wertberichtigung handelt es sich um einen nicht cash-wirksamen Sonderfaktor", versicherte Finanzchef Mark Frese. Auf die Prognose wirke sich dies nicht aus - denn diese betrifft den operativen Gewinn (Ebit) vor solchen Einmaleffekten. Metro wolle das Ebit vor Sonderfaktoren gegenüber den 1,7 Milliarden Euro aus den Vorjahr weiter leicht steigern, versicherte Frese.

Der Konzern kann zudem auf einen Geldregen aus dem Verkauf seines Großmarktgeschäfts in Vietnam hoffen - die Märkte sollen für 655 Millionen Euro verkauft werden, hatte Metro angekündigt. Voraussichtlich bis Mitte 2015 solle die Transaktion abgeschlossen werden.

Konzern setzt verstärkt auf regionale Produkte

Real betreibt noch gut 300 Märkte in Deutschland, das Auslandsgeschäft der Gruppe hatte Koch bereits verkauft. Im ersten Quartal 2014/15 war der Umsatz der Kette in Deutschland auf 2,2 Milliarden Euro geschrumpft, Metro insgesamt erzielte einen Umsatz von 18,3 Milliarden Euro. Koch hatte bereits damit begonnen, die Märkte der chronisch ertragsschwachen Kette zu modernisieren, bei 82 Standorten ist dies bislang geschehen.

Metro poliert dabei das Sortiment auf und setzt unter anderem verstärkt auf regionale Produkte. Breitere Gänge und niedrigere Regale sollen die Märkte für die Kunden übersichtlicher machen. In den modernisierte Märkten hätten sich Kundenfrequenz und Umsatz bereits erhöht, betont Koch immer wieder. Doch die Kosten der Modernisierung dürften die Erträge der Tochter weiter belasten.

Quelle: n-tv.de

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