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Konsumenten als Wachstumstreiber: Regierung geht mit Prognose hoch

Deutschland geht es wirtschaftlich gut. Laut Bundeswirtschaftsminister Gabriel wird es auch in diesem und im nächsten Jahr so bleiben. Mit ihrer Prognose bleibt die Regierung dennoch unter denen der Wirtschaftsforschungsinstitute.

Glasröhren für Leuchtstoffröhren laufen in der Produktion des Lampenherstellers Narva in Brand-Erbisdorf (Sachsen) über ein Band und werden zur weiteren Bearbeitung erhitzt.
Glasröhren für Leuchtstoffröhren laufen in der Produktion des Lampenherstellers Narva in Brand-Erbisdorf (Sachsen) über ein Band und werden zur weiteren Bearbeitung erhitzt.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesregierung erhöht ihre Wachstumsprognosen für dieses und nächstes Jahr und erwartet nun 2015 und 2016 eine Zunahme der deutschen Wirtschaftsleistung um jeweils 1,8 Prozent. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. In ihren bisherigen offiziellen Prognosen war die Regierung von einem Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,5 Prozent in diesem und um 1,6 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen.

Die Regierung bleibt mit ihrer Vorhersage trotz dieser Aufwärtsrevision aber unter der Erwartung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Diese hatten für 2015 ein Wachstum von 2,1 Prozent vorhergesagt. Allerdings liegt die deutsche Prognose über der des Internationalen Währungsfonds (IWF), der vor einer Woche ein BIP-Plus von 1,6 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr vorhergesagt hatte.

Privater Konsum wichtiger Wachstumsgrund

Getragen von einer anhaltend guten Entwicklung am Arbeitsmarkt mit steigenden Löhnen und zunehmender Beschäftigung bewege sich Deutschland "auf einem soliden Wachstumspfad", betonte Gabriel. "Tragpfeiler des Aufschwungs sind private Konsumausgaben." Dadurch unterscheide sich dieser Aufschwung von früheren.
Zwar sei die aktuelle Dynamik der Binnenkonjunktur "erfreulich", dennoch bestehe "kein Grund zur Selbstgefälligkeit", warnte der SPD-Chef aber auch. Die Regierung müsse vor allem daran arbeiten, die mittelfristigen Wachstumsperspektiven zu verbessern. Gabriel sah in Investitionen in Bildung und Forschung, in Infrastruktur und besseren Rahmenbedingungen für private Investitionen wichtige Ansatzpunkte hierfür.

In ihrer Prognose sagt die schwarz-rote Koalition eine kräftige Ausweitung der privaten Konsumausgaben voraus, die im Jahresdurchschnitt 2015 preisbereinigt um 2,0 Prozent und im Jahr 2016 um 1,6 Prozent zunehmen sollen. Ermöglicht wird dies nach ihrer Einschätzung durch deutliche Einkommenszuwächse in Verbindung mit einem nur niedrigen Preisniveauanstieg. Erwartet wird ein Verbraucherpreisanstieg um 0,5 Prozent in diesem und 1,4 Prozent im nächsten Jahr.

Arbeitsmarkt bleibt robust

"Die positiven Trends am Arbeitsmarkt setzen sich kräftig fort", erklärte das Wirtschaftsministerium. Die Erwerbstätigkeit werde dieses Jahr um 300.000 Personen und im nächsten Jahr um 130.000 Personen auf ein Rekordniveau von 43,1 Millionen Erwerbstätigen zunehmen. Die Zahl der Arbeitslosen werde dieses Jahr um 110.000 und kommendes Jahr weiter um 20.000 abnehmen. Dieses Jahr sollen damit im Schnitt 2,79 Millionen und nächstes 2,77 Millionen Menschen erwerbslos gemeldet sein.

Die gute Situation am Arbeitsmarkt und die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns führten zu deutlichen Lohnsteigerungen. Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer nähmen dieses Jahr um 2,8 Prozent und kommendes um 2,1 Prozent zu. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte sollen sich dieses Jahr um 2,7 Prozent und nächstes um 2,8 Prozent erhöhen.

Importe steigen stärker als Exporte

Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte sich leicht beschleunigen, und insbesondere im Euroraum zeichne sich ein etwas höheres Wachstum ab. "Die Abwertung des Euro verbessert die Exportperspektiven zusätzlich", betonte Gabriels Ministerium. Die deutschen Exporte würden in beiden Jahren solide zunehmen, und zwar um 4,7 Prozent 2015 und 4,5 Prozent 2016. Aufgrund der dynamischen Binnenwirtschaft sollen die Importe aber mit 5,7 und 5,1 Prozent stärker steigen als die Exporte. Von der Außenwirtschaft gingen daher rechnerisch kaum Wachstumsimpulse auf das BIP aus.

Die Frühjahrsprojektion der Bundesregierung bildet die Grundlage für die nächste Steuerschätzung, die vom 5. bis 7. Mai 2015 in Saarbrücken stattfindet, und dient als Orientierungsrahmen für die Haushaltsaufstellung.

Quelle: n-tv.de

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