Wirtschaft

Frisches Geld für Russlands Wirtschaft: Regierung will Kredithahn aufdrehen

Der russische Ministerpräsident Medwedjew will die schwächelnde Wirtschaft seines Landes mit Billigkrediten in Schwung bringen. Damit gerät er allerdings in Konflikt mit Zentralbank-Chefin Nabiullina, die der Inflationsbekämpfung den Vorrang gibt.

Dmitri Medwedjew will die Privatisierungen vorantreiben.
Dmitri Medwedjew will die Privatisierungen vorantreiben.(Foto: picture alliance / dpa)

Russland will seine Wirtschaft mit günstigen Krediten für Unternehmen wieder flottmachen. Dies sei der Schlüssel zu mehr Wachstum, sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedjew. "Es ist jetzt sehr wichtig, dass russische Firmen normale Kredite zu normalen Zinsen erhalten." In dieser Frage liegt der Regierungschef mit Zentralbank-Chefin Elvira Nabiullina, die billigeren Krediten kritisch gegenübersteht, im Streit.

Die russische Zentralbank hält zudem den Leitzins trotz Forderungen nach einer Senkung seit mehr als einem Jahr konstant bei 5,5 Prozent. Nabiullina gilt als eiserne Inflationsbekämpferin. Experten schließen jedoch nicht aus, dass es bald zu einer Zinssenkung kommt, da die Teuerungsrate mittlerweile auf ein für die Zentralbank erträgliches Niveau von sechs Prozent gefallen ist.

Doch Firmenkredite sind in Russland teuer. Selbst für Großkonzerne liegen die Finanzierungskosten fast doppelt so hoch wie der Leitzins. Die Regierung will Mittelständlern unter anderem über die staatliche Förderbank VEB den Zugang zu frischem Geld erleichtern. "Es sind eine Reihe von Maßnahmen ergriffen worden, und ich hoffe, dass sie in naher Zukunft umgesetzt werden", betonte Medwedew.

Korruption, Bürokratie, Kapitalflucht

Das rohstoffreiche Russland leidet nach vielen Boomjahren mittlerweile unter einer Wachstumsschwäche: Der für dieses Jahr erwartete Zuwachs der Wirtschaftsleistung von weniger als zwei Prozent ist Medwedjew zu wenig: "Wir haben aber keine Zauberformel dagegen."

Das Land habe Fortschritte bei der Bekämpfung der Korruption gemacht, die ausländische Investitionen bremst: "Da gibt es Bewegung, aber es ist wahrscheinlich noch zu früh, um von bahnbrechenden Erfolgen zu sprechen", fügte der Regierungschef hinzu. Zugleich werde der Staat Privatisierungen vorantreiben. "Wir müssen einen guten Preis erzielen, dürfen damit aber nicht fünf, zehn oder 15 Jahre warten", mahnte Medwedjew.

Die Russische Föderation ist die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Doch Korruption, überbordende Bürokratie, Kapitalflucht und Sorgen wegen rechtsstaatlicher Defizite belasten das Investitionsklima. Ausländische Direktinvestitionen lagen 2012 nur bei mageren 18,6 Milliarden Dollar.

Quelle: n-tv.de

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