Wirtschaft
Weiter, immer weiter, könnte es kommende Woche auch für die Börsianer heißen. Impulse gibt es genug.
Weiter, immer weiter, könnte es kommende Woche auch für die Börsianer heißen. Impulse gibt es genug.(Foto: picture alliance / dpa)

Pralle Agenda lässt kaum Zeit zum Durchatmen: Aktienmärkte wollen immer noch mehr

Die Fed hält an ihrer Geldpolitik fest. Bei der EZB lauern die Investoren auf Aussagen zur unerwartet niedrigen Inflation. Und in Deutschland läuft die Berichtssaison heiß. Die Börsen-Rekordjagd dürfte also andauern. Im Fokus steht Twitters Gang aus Parkett.

Die Aktienmärkte kennen derzeit nur eine Richtung: In den vergangenen Wochen sprang der deutsche Leitindex Dax erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte über die 9000er Marke. Inzwischen hat der sein Allzeithoch auf 9070 Zähler verschoben. Zum Wochenausklang ließ dann der Nebenwerteindex MDax die 16.000 Punkte hinter sich. Mit den Gewinnen bis zum Monatswechsel hält die längste Aufstiegsserie seit einem halben Jahr an. Und der Rekordlauf an den Aktienmärkten könnte in der neuen Woche in die nächste Runde gehen.

"Die Ampeln stehen weiter auf Grün", sagt LBBW-Investmentanalyst Clemens Bundschuh. Schließlich spüle die US-Notenbank Fed weiter monatlich 85 Milliarden Dollar über den Kauf von Hypothekenpapieren und Staatsanleihen in die Märkte. Zudem kommt die Berichtssaison in Deutschland erst so richtig in Fahrt. "Alle warten auf die Atempause, um noch einzusteigen, aber es wird eher weiter nach oben gehen", sagt auch Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Rückenwind liefert dabei weiter die anziehende Konjunktur. Zudem gibt es angesichts der andauernden Niedrigzinsphase schlichtweg keine Alternativen zu Anteilsscheinen.

Was sagt Draghi zur Inflation?

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In den USA legte der Dow-Jones-Index auf Wochensicht rund 0,3 Prozent zu. Die Fed hatte nach der abgewendeten Pleite im US-Haushalt zwar weiter offene Geldschleusen signalisiert, solange es am Arbeits- und Immobilienmarkt keine deutliche Besserung gibt. Allerdings herrscht bei den Anlegern weiter Unsicherheit, wann genau die US-Notenbank ihre Anleihe-Käufe drosseln könnte. Einige Beobachter tippen auf Dezember, andere rechnen frühestens im April mit einem solchen Schritt.

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Spannend wird es am Donnerstag, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) zu ihrer Ratssitzung zusammentritt. Anleger lauern besonders darauf, was Präsident Mario Draghi zum Thema Inflation zu sagen hat. Denn im Oktober stiegen die Preise in den 17 Euro-Ländern nur um magere 0,7 Prozent an und damit so langsam wie seit vier Jahren nicht mehr. Das löste Spekulationen auf eine Zinssenkung aus und schickte den Euro auf Talfahrt. Der mit 0,5 Prozent bereits rekordniedrige Leitzins ist aber nicht das einzige Instrument, das Draghi nutzen könnte. "Es könnte unter anderem auch konkretere Aussagen zu möglichen weiteren langfristigen Refinanzierungsgeschäften für Banken geben", sagt Klude.

Zahlenflut in Deutschland

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In Europa kommt in der neuen Woche zudem die Berichtssaison zum dritten Quartal richtig auf Touren. Das sollte nach Ansicht der Landesbank Berlin das Rekordniveau beim Dax festigen. Am Dienstag öffnet Beiersdorf seine Bücher. Analysten rechnen damit, dass der Kosmetikkonzern seine Rentabilität leicht steigern konnte. Am Mittwoch steht unter anderem BMW auf dem Programm. Zwar hat der Autobauer den Prognosen der LBBW zufolge seinen Absatz kräftig gesteigert, allerdings dürfte das operative Ergebnis aufgrund schwieriger Marktbedingungen in Europa und hoher Entwicklungs- und Anlaufkosten unter anderem für die Elektro-Serie sinken.

Außerdem liefern zur Wochenmitte noch Europas größter Medienkonzern Bertelsmann, Axel Springer und Air Berlin ihre Bilanzen ab. Ein wahrer Zahlenregen wartet am Donnerstag, wenn insgesamt sieben Dax-Unternehmen ihre Büchner öffnen: Dann gibt unter anderem die Commerzbank Aufschluss darüber, wie sie im Mittelstandsgeschäft dasteht. Analysten rechnen insgesamt mit einer schwarzen Null im Quartal.

Bei der Deutschen Telekom warten Anleger gespannt auf Fortschritte im Deutschlandgeschäft. Siemens wird Analysten zufolge einen Gewinneinbruch ausweisen. Zudem dürfte der Technologiekonzern deutlich weniger Aufträge hereingeholt haben als im Vorjahresquartal. Beim Reifenhersteller Continental dürfte im Fokus stehen, inwieweit mögliche Währungsverluste zu Buche schlagen. Der französische Konkurrent Michelin hatte wegen negativer Währungseffekte jüngst seine Gewinnprognose gekappt. Erste Schätzungen für Sturmschäden könnten von den Rückversicherern kommen - etwa Munich Re.

Leicht höhere Arbeitslosenquote in den USA erwartet

Gespannt dürften die Anleger in der neuen Woche die Konjunkturdaten aus den USA darauf abklopfen, ob die Fed zumindest bis zum kommenden Frühjahr den Geldhahn weit offen lässt. Am Donnerstag werden die Daten zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal und die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe erwartet. Am Freitag steht der Arbeitsmarktbericht für Oktober auf der Agenda. Die US-Notenbank hat eine Drosselung der ultralockeren Geldpolitik unter anderem an eine Besserung am Arbeitsmarkt geknüpft. Analysten rechnen mit einer leicht gestiegenen Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent.

Auch in den USA sind die Quartalszahlen noch nicht durch. Bis zum Wochenende hatten knapp drei Viertel der S&P-500-Unternehmen ihre Ergebnisse vorgelegt. Dabei haben 68,5 Prozent die Erwartungen der Analysten übertroffen, mehr als der langfristige Durchschnitt von 63 Prozent.

Twitter geht aufs Parkett

Höhepunkt der amerikanischen Börsenwoche ist jedoch der für Donnerstag erwartete Erstauftritt von Twitter. "Es geht nicht nur um die Aktie", sagt John Rutledge von der Investmentfirma Safanad. Der IPO werde auch zeigen, wie viel Liquidität im Markt vorhanden ist. Twitter peilt einen Börsengang an, der das Unternehmen mit elf Milliarden Dollar bewerten würde. Experten gehen dabei davon aus, dass die Aktie des Internet-Konzerns um mindestens 30 Prozent über den Ausgabekurs steigen könnte.

Allerdings bietet Facebook ein mahnendes Beispiel: Der Börsengang war begleitet von technischen Problemen und einer Verkaufwelle. Erst ein Jahr später erreichte der Kurs wieder sein Ausgangsniveau.

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Die weiter lockere Geldpolitik der Fed lockte nach zuletzt massivem Kapitalabzug die Anleger zurück nach Indien. In der Folge stieg der Leitindex Sensex zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit mehr als fünfeinhalb Jahren. Das Barometer kletterte bis auch 21.294 Stellen. Darüber hinaus stärkt auch der Auch der Amtsantritt des neuen indischen Notenbankchefs Raghuram Rajan, ehemaliger Chefökonom beim Internationalen Währungsfonds, Analysten zufolge das Vertrauen der Investoren. Offiziellen Angaben zufolge investierten ausländische Fonds im Oktober rund 2,6 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) in indische Aktien. Seit Jahresbeginn sind es damit 16,2 Milliarden Dollar.

Quelle: n-tv.de

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