Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Alles außer Aktien: Rendite verzweifelt gesucht

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Die weltweiten Notenbanken drücken die Strafzinsen auf immer tiefere Niveaus. Auf der Suche nach Rendite greifen daher viele Investoren zu Aktien - es gibt allerdings auch Alternativen.

Beim Blick auf Bundesanleihen treibt es vielen Anlegern die Zornesröte ins Gesicht: Bis in den Bereich von sieben Jahren hinein liegen die Zinsen für Bundesanleihen im negativen Bereich. Da müssen Investoren schon zur zehnjährigen greifen, um eine Rendite von 0,3 Prozent pro Jahr zu bekommen. Wer dennoch zumindest etwas mehr Rendite haben möchte, kann zu italienischen oder spanischen Anleihen greifen.

Beide Länder stecken zwar tief im Schuldenschlamassel, doch EZB-Chef Mario Draghi dürfte künftig noch mehr Anleihen der angeschlagenen Staaten kaufen und so einen Einbruch der Papiere verhindern. Investoren, die keine speziellen Anleihen kaufen, sondern in das Thema über ETFs investieren möchten, können zu dem db x-trackers iBoxx Sovereigns Eurozone Yield Plus ETF (WKN: DBX0HM) greifen.

Der ETF bildet die Wertentwicklung von Anleihen ab, die von den fünf Ländern der Eurozone mit der höchsten Anleiherendite begeben werden und die auf Euro lauten. Zuletzt waren italienische Anleihen mit 53,5 Prozent am Höchsten gewichtet, vor spanischen mit 27,5 Prozent und Belgien mit 13,9 Prozent. Die in dem ETF enthaltenen Papiere hatten eine Laufzeit von rund 6,5 Jahren und eine Rendite von 1,4 Prozent.

Unternehmensanleihen mit und ohne Banken

Wer statt in Staats- lieber in Unternehmensanleihen investieren möchte, schaut sich den Lyxor ETF Euro Corporate Bond (WKN LYX0EE). Das Papier bildet die Entwicklung von 125 Unternehmensanleihen ab, darunter von vielen von Banken. Die Rendite lag zuletzt bei 1,06 Prozent. Anleger, denen in diesem Umfeld ein Engagement bei Bankanleihen zu heiß ist, greifen bei aktuell gleicher Rendite stattdessen zum Lyxor ETF Euro Corporate Bond Ex Financials (LYX0FJ).

Wer mehr Rendite will, muss in Zeiten von Strafzinsen und Minusrenditen allerdings auch mehr Risiko eingehen. Um den Aktienmarkt kommen Anleger daher meist nicht herum. Die hohen Risiken dort, die im Dax mit Verlusten von mehr als 20 Prozent vom Allzeithoch im April 2015 einhergingen, lassen sich jedoch abmildern. Zum Beispiel mit Discountzertifikaten oder Memory Express-Zertifikaten.

"Bei Discountzertifikaten kaufen Anleger einen Basiswert wie zum Beispiel den Dax mit einem Rabatt", sagt Stefano Angioni, Marktexperte bei der DZ BANK in Frankfurt. "Wegen dieses Sicherheitspuffers ist der Gewinn bei steigenden Dax-Notierungen dafür nach oben begrenzt, weshalb die Papiere ihre Vorteile vor allem bei leicht steigenden Kursen ausspielen." Gewinnchance und Discount stehen also im engen Verhältnis zueinander und Anleger können daher genau Chance und Risiko gegeneinander abwägen. Je niedriger der Discount, desto höher die Gewinnchance in steigenden Märkten und umgekehrt. Bei dem ausgewählten Papier mit der WKN HY77J6 beträgt die maximale Renditechance bis zur Fälligkeit im Dezember 2016 rund 12,6 Prozent und der Discount auf den aktuellen Kurs macht 5,2 Prozent aus. Starke Kursrückgänge im Dax bedeuten allerdings Verluste im Zertifikat, wobei der Discount das Minus abfedert.

Investments zum Erinnern

Memory Express-Zertifikate bieten dagegen die Chance auf einen regelmäßigen Zinskupon, wenn der Aktienkurs seitwärts tendiert. Allerdings können Zinszahlungen bei kräftigen Kurseinbußen auch ausfallen, wenn ein bestimmtes Kursniveau, die sogenannte Memory-Barriere unterschritten wird. Der Clou ist, dass die Kupons bei einer anschließenden Kurserholung nachgeholt werden können. Deshalb steht das Papier auch bei Vermögensverwaltern hoch im Kurs.

Alana Maue, Zertifikateexpertin der Société Générale, erklärt: "Durch die Memory-Barriere hat der Anleger zwei Vorteile. Zum einen die Chance auf einen wiederkehrenden Kupon, sofern der Kurs des Basiswertes an den Bewertungstagen über der Memory-Barriere liegt. Zum anderen bietet die Memory-Barriere einen gewissen Sicherheitspuffer, wenn der Kurs des Basiswertes temporär fällt."

Ein Beispiel: Bei dem Papier mit der WKN SE2M69, der sich auf den Dax-Kursindex bezieht, beträgt der vorgesehene halbjährliche Kupon 2,55 Prozent. Die Memory-Barriere liegt bei 3477,50 Punkten, also rund 25 Prozent unter dem aktuellen DAX-Kursindex. Dieses Zertifikat eignet sich wie andere Memory-Papiere auch zur langfristigen Geldanlage und bietet neben einer Rendite von etwa fünf Prozent im Jahr Defensivqualitäten. Seit der Emission im Dezember 2015 hat der Kursindex rund 12 Prozent an Wert verloren, das Memory Express-Zertifikat dagegen nur vier.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen