Freitag, 02. Oktober 2009
Milliardenhilfe steht: Rettungsanker für Hapag-Lloyd
Die Staatsbürgschaft für die angeschlagene Reederei Hapag-Lloyd steht. Der Bundestags-Haushaltsausschuss gab grünes Licht für die Hilfen in Höhe von 1,2 Mrd. Euro. Nach Angaben aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums können die Verträge damit am Montag unterzeichnet werden. Die größte deutsche Reederei war durch die Wirtschaftskrise in schwere See geraten.
Die Bürgschaft war heftig umstritten. Die Parlamentarier konnten die positive Entscheidung des Wirtschaftsfonds der Bundesregierung zwar nicht zurückholen, hatten die Hilfe aber verzögert. Der Ausschuss nahm das Votum des Fonds zur Kenntnis und erfüllte damit die gesetzlichen Formalitäten.
Im Wirtschaftsministerium hieß es, die noch offenen Fragen der Abgeordneten sollten bis Montag beantwortet werden. Danach würden die Verträge unterschrieben. Die Parlamentarier hatten unter anderem darauf gedrungen, dass die Eigentümer einen höheren Beitrag leisten. Zudem sollten Interessenskonflikte bei der HSH Nordbank vermieden werden, die Anteilseignerin und Konsortialführerin der Kreditlinie ist. Die Hapag-Eigner - TUI und das Konsortium Albert Ballin - haben bisher erklärt, gut 900 Mio. Euro zur Stützung der Reederei zu geben. Details wollte TUI erst bekanntgeben, wenn die Bürgschaft offiziell ist.
Rettung in letzter Minute
Ohne die Bürgschaft würde Hapag-Lloyd eingeweihten Personen zufolge im November das Geld ausgehen. Die Verluste summieren sich in diesem Jahr voraussichtlich auf 900 Mio. Dollar, im kommenden Jahr auf 500 Mio. Euro.
Der Lenkungsausschuss des Wirtschaftsfonds, der für die Gewährung von Hilfen an Unternehmen zuständig ist, die durch die Finanzkrise in Schieflage geraten sind, hatte die Hilfe am Montag in Aussicht gestellt. Nachdem der Haushaltsausschuss den Weg freigemacht hatte, erfolgte die endgültige Zusage in dem Lenkungsgremium, das die Staatssekretäre der beteiligten Ministerien besetzen. Beabsichtigt ist die Gewährung einer neunzigprozentigen Bürgschaft aus dem Wirtschaftsfonds gemeinsam mit der Stadt Hamburg für Kredite über 1,2 Mrd. Euro.
Neben den zu Krediten sind Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe in den nächsten drei Jahren geplant. Hapag-Lloyd ist die größte deutsche Linienreederei und weltweit die Nummer fünf. Mit rund 7200 in der Schifffahrt Beschäftigten betreibt Hapag-Lloyd eine Flotte von rund 130 Containerfrachtern in 130 Ländern.
wne/rts
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