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Diktat des Marktführers: Rewe kann sich den Bewegungen im Einzelhandel nicht entziehen.
Diktat des Marktführers: Rewe kann sich den Bewegungen im Einzelhandel nicht entziehen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Das ist Wertvernichtung": Rewe geißelt Preis-Schlachten

Der Einzelhändler Rewe beklagt den erbitterten Kampf in der Branche. Was Kunden freut, grämt das Unternehmen. Eine weitere Herausforderung ist der Onlinehandel. Hier soll ein früherer Fehler unbedingt vermieden werden.

Rewe-Chef Alain Caparros beklagt den Preiswettkampf im Einzelhandel.
Rewe-Chef Alain Caparros beklagt den Preiswettkampf im Einzelhandel.(Foto: picture alliance / dpa)

Viermal hat Discount-Marktführer Aldi in diesem Jahr bereits den Rotstift bei den Preisen angesetzt: Das ärgert den zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändler Rewe. "Das ist Wertvernichtung", sagt Rewe-Chef Alain Caparros. Allein die von Aldi angestoßenen Preissenkungen bei Eiern hätten das Unternehmen beim Rohertrag mehrere Millionen Euro gekostet. Doch eine Alternative dazu, den Preisvorgaben des Discounters zu folgen, sieht der Manager nicht. "Wir sind in einer Preisspirale, in der wir mitschwimmen müssen."

Für die Verbraucher könnte dies in den nächsten Monaten weitere Einsparungen bringen. "Solange die Discounter mit Umsatz und Kundenzuwachs nicht zufrieden sind, werden sie weiter an der Preisschraube drehen", sagte Caparros weiter. Erst am Vortag hatten Marktführer Aldi Nord und Konkurrent Norma den Preis für ein 250-Gramm-Päckchen um rund 8 Prozent auf 1,09 Euro gesenkt.

Penny verdient kein Geld

Für ihn ist offensichtlich: Die Entwicklung der Discounter geht immer mehr in Richtung Vollversorger. "Wir werden immer discountlastiger und die Discounter immer supermarktlastiger", meint Caparros. "Irgendwann treffen wir uns. Die Frage ist, ob die Begegnung brutal sein wird oder nicht."

Der zur Rewe-Gruppe gehörende Discounter Penny, die Nummer vier unter Deutschlands Billiganbietern hinter Aldi, Lidl und Netto, schreibt unterdessen weiter rote Zahlen. Erst 2016 werde Penny wohl wieder in die Gewinnzone zurückkehren, sagte Caparros. Dennoch zeigte sich der Manager zufrieden mit der Entwicklung bei dem Tochterunternehmen. Trotz der harten Konkurrenz durch die Rivalen Aldi und Lidl sei Penny 2013 auf vergleichbarer Fläche genauso stark gewachsen wie die Supermärkte der Gruppe.

Mit Blick auf das vergangene Jahr sagte Caparros: "Wir konnten 2013 mit Rewe in Deutschland stärker als der Markt wachsen und sind zufrieden mit all unseren Sparten." Die klassischen Supermärkte seien weiter eine Erfolgsstory. Das gleiche gelte für die Baumärkte Toom Markt, die zu Rewe Gruppe gehören. Sie profitierten nicht zuletzt von der Praktiker-Pleite. Auch die Touristiksparte entwickele sich stark. "Unser Auslandsgeschäft läuft auch sehr gut. Kurz: Wir sind glücklich", sagte der Manager. Genaue Zahlen zur Geschäftsentwicklung will Rewe am 27. März veröffentlichen.

Internet entdeckt Lebensmittel

Die große Herausforderung indes ist das Online-Shopping. Seit einiger Zeit wirbelt der Siegeszug E-Commerce den deutschen Einzelhandel durcheinander - mit einer Ausnahme: Nicht einmal ein Prozent des Lebensmittelbedarfs wird zurzeit per Mausklick gekauft. Doch Rewe-Chef Caparros sieht auch hier das Ende der Schonfrist.

"Ich bin überzeugt, dass die Zeit des Massengeschäfts im stationären Handel vorbei ist", sagte er. Die Leute würden älter und bequemer. Es sei naiv zu glauben, dass sie nur aus alter Verbundenheit weiterhin den altvertrauten Läden treublieben. "Warum soll ich schleppen, was ich geliefert bekommen kann."

Mit der Erwartung großer Umbrüche im Lebensmittelhandel steht der Manager nicht allein. Die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) prognostiziert auch in dieser Branche einen rasanten Boom des E-Commerce: Schon 2020 werde wohl auch im Lebensmittelhandel jeder zehnte Euro per Mausklick ausgegeben.

Bereits heute werde das Sortiment der Einzelhändler "scheibchenweise von den Onlinern attackiert", sagte der Manager. So würden bald 20 Prozent des Tierfutters online gekauft. Auch beim Weinverkauf spüre der Händler die wachsende Online-Konkurrenz.

Rewe installiert Online-Task-Force

Wie gefährlich es sein kann, diesen Trend zu verschlafen, zeigt eine Episode aus dem eigenen Haus. Mit seiner Elektronikkette ProMarkt hatte der Handelsriese den Internetzug verpasst - mit gravierenden Folgen. Die Vertriebslinie wurde inzwischen weitgehend abgewickelt.

Damit sich dies nicht wiederholt, hat Rewe inzwischen ein eigenes Internet-Team aufgebaut, das den Online-Handel vorantreiben soll. "Wir haben ein kleines Silicon Valley bei uns gegründet", sagte Caparros. Vorbild ist der britische Handelsriese Tesco, bei dem im Weihnachtsgeschäft schon acht Prozent der Lebensmittelverkäufe online erledigt wurden und der inzwischen nach eigenen Angaben mit "E-Food" einen ordentlichen Gewinn einfährt.

Doch der Kulturwandel stößt nicht überall innerhalb des Kölner Handelsriesen auf Begeisterung. "Die Kunst wird sein, die beiden Kulturen zu verbinden." Noch sei das Online-Angebot ein "kleines Pflänzchen".

Zeit verlieren darf Rewe allerdings nicht. Auch die Konkurrenz steht längst in den Startlöchern. Der weltgrößte Onlinehändler Amazon will laut "Bild"-Zeitung schon bald auch in Deutschland frische Lebensmittel online zu verkaufen.

Im Kampf gegen Amazon und Co. setzt der Rewe-Chef allerdings nicht nur auf neue Online-Angebote - auch die Rewe-Filialen sollen ein völlig neues Gesicht bekommen. Fast jeder der Rewe-Supermärkte hat inzwischen irgendeine Form von Gastro-Bereich: eine Sushi-Bar, ein kleines Café oder eine Weinecke. Caparros ist überzeugt: "Der Supermarkt der Zukunft wird ein Ort der Begegnung sein."

Quelle: n-tv.de

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