Wirtschaft

Autosparte geht nicht an die Börse: Rheinmetall macht Rückzieher

Die stark schwankenden Aktienmärkte machen nun auch Rheinmetall einen Strich durch die Rechnung; Der Konzern bläst den Börsengang der Autozuliefertochter Kolbenschmidt Pierburg ab.

Die Absage des Börsengangs hat sich abgezeichnet.
Die Absage des Börsengangs hat sich abgezeichnet.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat den Börsengang seiner Autozuliefertochter Kolbenschmidt Pierburg (KSPG) wegen der Unsicherheiten an den Kapitalmärkten und in der Eurozone vorerst auf Eis gelegt. Rheinmetall werde den Börsengang nicht mehr vor der Sommerpause durchführen, teilte das Unternehmen mit. Die Entwicklung der Kapitalmärkte sowie die wirtschaftliche und politische Situation in der Eurozone hätten sich in den vergangenen Wochen nicht in dem Maße stabilisiert, um günstige Voraussetzungen für einen Börsengang zu bieten, hieß es. Ein Börsengang von KSPG bleibe aber weiterhin eine Option, die Rheinmetall zu "gegebener Zeit" erneut prüfen werde.

Bei einer Fortsetzung des Abwärtstrends an den Börsen musste Rheinmetall fürchten, weniger als die angepeilte halbe Milliarde Euro mit dem Verkauf von KSPG-Anteilen zu erlösen. Bereits 2011 hatte Rheinmetall einen Börsengang der ehemaligen Kolbenschmidt Pierburg AG wegen des schwierigen Marktumfelds abgesagt.

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Erst vor kurzem war der geplante Börsengang des Chemiekonzerns Evonik wegen zu niedriger Gebote geplatzt. Auch der Versicherer Talanx hatte einen Rückzieher gemacht. Vor diesem Hintergrund kommt die Absage von Rheinmetall nicht überraschend. Gegen einen Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt sprechen viele Gründe: Die Wahl in Griechenland hat - wenn überhaupt - nur für wenig Stabilität an den Kapitalmärkten gesorgt. Viel schwerer wiegt jedoch die Angst vor der weiteren Entwicklung wirtschaftlich angeschlagener Länder wie Spanien und Italien. All das macht es schwierig, beim Börsengang einen guten Preis zu erzielen.

Osram soll an die Börse

Analysten zeigen Verständnis für die Absage. "Das Unternehmen hätte wohl hohe Abschläge auf seine Preisvorstellungen in Kauf nehmen müssen", sagte einer von ihnen. Trotz der schlechten Rahmenbedingungen hatten Beobachter zuletzt auch auf Chancen für Börsengänge hingewiesen. Am Markt gebe es viel Liquidität, die investiert werden wolle, hatten sie betont.

Sollte sich die Situation im Herbst entspannen, gibt es eine Reihe von Unternehmen, die mit einem Börsengang im Herbst liebäugeln. So spielt der Siemens-Finanzvorstand weiterhin mit dem Gedanken, die Licht-Tochter Osram im dritten Quartal an die Börse zu bringen.

Eigentlich sollte Osram schon viel früher an die Kapitalmärkte gebracht werden. Schwankende Aktienkurse und die schlechte Konjunktur für das Geschäft mit Leuchtdioden hatten Siemens im September vergangenen Jahres aber von einer Platzierung Abstand nehmen lassen. Sollte ein Börsengang der Lichttochter im Herbst erneut scheitern, könnte das Unternehmen nächstes Jahr auch als Sachdividende an die Siemens-Aktionäre abgegeben werden, wie Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser bereits angekündigt hat.

Quelle: n-tv.de

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