Wirtschaft
Viele Sparer versuchen ihr Geld wegen des schwachen Euro in Sicherheit zu bringen und stecken es in Immobilien.
Viele Sparer versuchen ihr Geld wegen des schwachen Euro in Sicherheit zu bringen und stecken es in Immobilien.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 28. Mai 2017

Weidmann als neuer EZB-Chef?: Risiken am Immobilienmarkt nehmen zu

Von Egmond Haidt

Bundesbank-Präsident Weidmann wird als Nachfolger von EZB-Chef Draghi gehandelt. Müssen sich Hausbesitzer nun auf einen Politikwechsel und steigende Hypothekenzinsen einstellen?

Die Immobilienpreise in Deutschland kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Gerade in den Metropolen dreht sich die Spirale immer schneller. Nach Berechnungen des Finanzdienstleisters Dr. Klein sind die Preise für Eigentumswohnungen in München zwischen Ende 2015 und Ende 2016 um 7,3 Prozent gestiegen, bei Ein- und Zweifamilienhäusern sogar um 8,5 Prozent. In Stuttgart war das Plus sogar noch deutlich höher. Die Preise für Wohnungen schossen um 10,2 Prozent und jene für Häuser um 11,2 Prozent nach oben. Nicht ganz so dramatisch war die Lage in Frankfurt, wo Wohnungen um 7,7 Prozent teurer geworden sind, während bei Häusern ein Anstieg von "nur" 5,0 Prozent zu Buche stand.

Neben der verstärkten Nachfrage nach Wohnungen durch die Flüchtlingskrise sorgt vor allem die lockere Geldpolitik der EZB für den starken Anstieg der Immobilienpreise, denn viele Sparer versuchen ihr Geld angesichts des schwachen Euro in Sicherheit zu bringen und stecken es in Immobilien. Entsprechend sind die Wohnungspreise beispielsweise in Stuttgart seit Anfang 2013 um 36 Prozent nach oben geschossen. Umgekert profitierten die Hauskäufer in diesem Zeitraum aber auch von den sehr niedrigen Zinsen. Die Zinsen beispielsweise für 20jährige Hypothekenkredite liegen mit 1,8 Prozent weit unter dem Stand des Jahres 2000 von knapp über sechs Prozent.

Sparer als Wähler gewinnen

Während die niedrigen Zinsen den Immobilienkäufern sehr zugute kommen, sind viele Sparer über die lockere Geldpolitik der EZB enttäuscht. Genau sie scheinen etliche Unionspolitiker offenbar für ihre Partei zu gewinnen, weshalb sie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann als möglichen Nachfolger von EZB-Chef Mario Draghi ins Spiel bringen. Weidman hat zuletzt einmal mehr eine Normalisierung der Geldpolitik angemahnt. Entscheidend sei, "dass die Notenbank die geldpolitischen Zügel rechtzeitig wieder strafft, wenn es mit Blick auf die Preisstabilität erforderlich ist", sagte Weidmann. Aus Rücksicht auf die Staatsfinanzen einiger Länder oder wegen etwaiger Verluste einzelner Finanzmarktakteure dürfe dies nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Sollte Weidmann gewählt werden und sollte er die Zinszügel allmählich anziehen, würden auch die Hypothekenzinsen steigen, was viele Immobilienkäufer nicht besonders erfreuen wird. Gegen dieses Risiko können sie sich allerdings mit sogenannten Forward-Darlehen absichern. Damit kann sich der Kreditnehmer die aktuellen Zinsen für morgen sichern. Das Darlehen wird nach einer bestimmten Vorlaufzeit von bis zu 60 Monaten nach Vertragsabschluss ausgezahlt. Weil die Banken das Risiko eines möglichen Zinsanstiegs tragen, liegen die Zinsen für Forward-Darlehen mit einer Zinsbindung von 20 Jahren derzeit bei rund 2,0 Prozent, was einem Zinsaufschlag von etwa 20 Basispunkten (0,2 Prozentpunkte) gegenüber herkömmlichen Hypotheken entspricht.

Wie stehen Weidmanns Chancen?

Macht es aber Sinn sich gegen möglicherweise steigende Hypothekenzinsen abzusichern aus Sorge, dass Weidmann an die EZB-Spitze aufrücken könnte? Wohl kaum, denn Draghis Amtszeit endet erst am 31. Oktober 2019. Deswegen dürfte das Thema Draghis Nachfolger frühestens Anfang 2019 auf den Tisch kommen. Die Chancen, dass Weidmann neuer EZB-Chef wird, sind außerdem sehr gering. Immerhin sind viele Staaten der Euro-Zone - von Griechenland, über Italien bis Frankreich - hoch verschuldet, weshalb sie keinerlei Interesse an einer Verschärfung der Geldpolitik haben - genau dafür stünde aber Weidmann.

Ehe sich Anleger über die mögliche Zinsentwicklung im Jahr 2019 Gedanken machen, ist die Frage, ob es in den nächsten Monaten zu einem Zinsanstieg kommen könnte, viel wichtiger. Immerhin würde ein Zinsanstieg um 100 Basispunkte (ein Prozentpunkt) bei einem Hypothekendarlehen von 250.000 Euro zu zusätzlichen Zinsbelastungen von 2500 Euro pro Jahr führen - eine enorme Belastung. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu deutlich steigenden Zinsen kommen könnte, dürfte daher ziemlich gering sein. Das liegt auch an den US-Zinsen.

Blick auf US-Zinsen

So steigen die Renditen für zehnjährige US-Anleihen trotz der Zinserhöhungsserie der US-Notenbank nicht etwa, sondern sinken und zeigen damit eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums an. Das liegt an den anhaltend schwachen US-Konjunkturdaten. Zudem befürchten viele Investoren, dass weitere Leitzinserhöhungen die hochverschuldete US-Wirtschaft weiter belasten würden. Daher liegen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen mit knapp 2,3 Prozent deutlich unter dem Niveau von 2,57 Prozent vom 14. Dezember 2016, als die Fed die zweite Zinserhöhung in diesem Zyklus durchgeführt hatte.

In einem anhaltend schwachen Konjunkturumfeld in den USA dürften die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen entgegen der Erwartung vieler Experten niedrig bleiben und damit auch die Zinsen in der Euro-Zone. Hiesige Hauskäufer sollten daher über das Wahlkampfgeplänkel deutscher Politiker hinwegsehen und weiterhin mit niedrigen Zinsen rechnen können.

Quelle: n-tv.de

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