Wirtschaft

Exportsorgen und Konsumfreude: Risiken und Chancen für deutsche Konjunktur

Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich eingetrübt - vor allem die Volksrepublik China fällt als Wachstumsmotor vorerst aus. Das hat Folgen für die deutsche Konjunktur. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung der Bundesbank schwungvoll ins Jahr 2016 gestartet. Doch hält das Wachstumstempo an? Was spricht dafür, was dagegen?

Eine glühende Bramme wird bei der Salzgitter AG mit einem Kran transportiert.
Eine glühende Bramme wird bei der Salzgitter AG mit einem Kran transportiert.(Foto: dpa)
Die Chancen

Arbeitsmarkt: In keinem EU-Land ist die Arbeitslosigkeit derzeit so niedrig wie in Deutschland. Das entlastet die Sozialkassen und stärkt die Kauflaune der Verbraucher. Der stabile Arbeitsmarkt und die weiter wachsende Nachfrage nach Arbeitskräften wirken sich nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens GfK positiv auf den Konsum aus.

Inflation: Die Verbraucherpreise in Deutschland sind niedrig, zuletzt sind sie gar nicht mehr gestiegen, im Euro-Raum sind sie sogar gesunken. Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank dürfte die Teuerungsrate in diesem Jahr insgesamt gering bleiben. Das stärkt die Kaufkraft der Verbraucher und kann den Konsum anschieben.

Spar-Zinsen: Seit die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit Billiggeld flutet, werfen Sparbuch und Co. kaum noch etwas ab, deswegen geben viele Menschen ihr Geld lieber aus als es auf die hohe Kante zu legen.

Bauboom: Baugeld ist günstig, Immobilien sind auch als Geldanlage gefragt. In den kommenden Jahren dürfte die Nachfrage nach Wohnimmobilien weiter wachsen - allein schon wegen der starken Zuwanderung.

Ölpreise: Zwar sind die Ölpreise zuletzt wieder etwas gestiegen, sie liegen mit etwa 40 Dollar je Barrel (159 Liter) aber immer noch weit entfernt von einstigen Höchstständen. Verbraucher profitieren beim Tanken und Heizen, die Industrie von niedrigeren Energiekosten.

Flüchtlinge: Volkswirte werten die Zuwanderung Hunderttausender Menschen als kleines Konjunkturprogramm - auch, weil der Staat für die Unterbringung und Versorgung der Menschen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak viel Geld in die Hand nehmen muss. Bereits zum Jahresende 2015 trieben diese Ausgaben die deutsche Konjunktur mit an.

Euro-Schwäche: Exportunternehmen profitierten im vergangenen Jahr davon, dass Produkte "Made in Germany" auf dem Weltmarkt billiger wurden. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Inzwischen hat die Gemeinschaftswährung wieder zugelegt. Der Effekt des niedrigen Euro-Kurses "scheint nun erwartungsgemäß zu verpuffen und die Probleme der Weltwirtschaft treten zutage", warnte jüngst der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner.

Die Risiken

Abschwächung der Weltwirtschaft: Wichtige Märkte für Produkte "Made in Germany" schwächeln. In China sind die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten vorerst vorbei. Das trifft exportorientierte deutsche Unternehmen - etwa Maschinen- und Autobauer. Zum Jahresauftakt musste die Exportwirtschaft bereits einen Dämpfer hinnehmen: Die Ausfuhren sanken im Januar sowohl zum Vorjahresmonat als auch zum Dezember 2015. Die Bundesbank geht davon aus, dass der Export im ersten Quartal dieses Jahres als Wachstumsmotor ausgefallen ist.

Verunsicherung der Unternehmen: Sie halten sich wegen der unsicheren Entwicklung der Weltwirtschaft mit Investitionen zurück. Zuletzt hatte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft nach Angaben des Ifo-Institutes allerdings wieder etwas aufgehellt.

Ölpreisverfall: Der Preisrückgang führt in Branchen wie der Chemieindustrie zu Umsatzeinbußen. Zudem zwingt er Förderländer und Ölunternehmen zu einem Sparkurs, was Folgen für die Weltkonjunktur und den deutschen Export haben kann. Ökonomen der Deutschen Bank erwarten, dass deutsche Ausfuhren in die Ölstaaten in diesem Jahr weiter sinken werden.

Terror: Die jüngsten Terrorattacken in Brüssel haben die Angst vor weiteren Anschlägen in Europa neu entfacht. Das kann Unternehmen und Verbraucher verunsichern. Die Tourismusindustrie bekommt nach Attentaten in beliebten Reiseregionen die Zurückhaltung der Urlauber bei Buchungen bereits zu spüren.

Brexit: Die Briten sollen am 23. Juni darüber abstimmen, ob sie die Europäische Union verlassen wollen oder nicht. Für die EU stehe viel auf dem Spiel, da sie ein wirtschaftliches und politisches Schwergewicht zu verlieren drohe, warnen Ökonomen der Helaba.

Quelle: n-tv.de

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