Wirtschaft
Auf seiner Website wünschte Gründer Rodbertus Prokon bei der Sanierung "von Herzen alles Gute."
Auf seiner Website wünschte Gründer Rodbertus Prokon bei der Sanierung "von Herzen alles Gute."

Weg für Insolvenzverwaltung frei: Rodbertus ist bei Prokon Geschichte

Bei Prokon zieht sich Unternehmensgründer Carsten Rodbertus gänzlich zurück. Damit endet ein montelanger Streit. Doch die Probleme für Insolvenzverwalter Penzlin beginnen damit erst.

Das insolvente Windenergie-Unternehmen Prokon trennt sich endgültig und vollständig von Carsten Rodbertus. Die Auseinandersetzungen mit dem früheren geschäftsführenden Gesellschafter und Gründer seien außergerichtlich beigelegt worden, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin mit. Eine Schadenersatzklage gegen Rodbertus werde mangels Vermögen nicht erhoben.

Video

Der "Öko-Pionier", der 75.000 Anleger dazu brachte, 1,4 Milliarden Euro in Genussrechte der Firma zu investierten, zieht sich als Gesellschafter und Geschäftsführer zurück. Zudem darf er "künftig in keiner Form mehr in Sachen Prokon tätig werden oder öffentliche Erklärungen abgeben", teilte Penzlin mit. Diese Verpflichtungen seien durch hohe Vertragsstrafen abgesichert.

Rodbertus bestätigte im Internet die Vereinbarungen. "Ich wünsche Prokon für den laufenden Sanierungsprozess und für den Neustart von Herzen alles Gute", schrieb er auf seiner Homepage. Er hofft, dass die Genussrechtsinhaber nun Eigentümer von Prokon werden. Bis im Unternehmen eine neue Führungscrew gefunden ist, leitet Kai Peppmeier die Geschäfte weiter.

Diese hatte er schon Anfang Mai übernommen, nachdem der Insolvenzverwalter Rodbertus fristlos als Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH entlassen hatte. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit für eine Sanierung war aus Sicht Penzlins nicht mehr gegeben: Rodbertus hatte hinter dessen Rücken Pläne für eine Genossenschaft geschmiedet, in die die Prokon-Anteile übertragen werden sollten.

Zwei mögliche Lösungen für Anleger

Prokon war Anfang 2014 in finanzielle Bedrängnis geraten und im Mai ins Insolvenzverfahren gegangen. Schadensersatzansprüche hatte der Insolvenzverwalter seit Juni prüfen lassen, als er feststellte, dass Rodbertus bei den Gläubigern "bisher Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht" habe.

Um Ansprüche durchzusetzen, hätte Penzlin vor Gericht ziehen müssen, was "die Insolvenzmasse mit erheblichen Kosten belastet" hätte. Das wäre mit seiner Aufgabe der bestmöglichen Vermögensbetreuung nicht zu vereinbaren, teilte der Verwalter mit. Offen ist noch, ob sich Rodbertus vor Gericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt unter anderem wegen Insolvenzverschleppung gegen ihn.

Für die Anleger, die nach früheren Angaben 40 bis 70 Prozent ihres Kapitals verlieren werden, zeichnen sich mittlerweile zwei Lösungen ab: Entweder werden sie Eigentümer von Prokon, oder das Unternehmen wird an einen Investor verkauft.

Die drei Bereiche Bestandswindparks, neue Projekte und Endkundenversorgung werden restrukturiert. Weitere Bereiche - darunter ein Biodieselwerk in Magdeburg sowie Wälder in Rumänien - sollen verkauft werden. Den Abschluss der Sanierung peilt Penzlin im ersten Halbjahr 2015 an.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen