Wirtschaft
(Foto: AP)

Putins "Ölprinz" zieht Fäden: Rosneft will TNK-BP

Mit einem bevorstehenden spektakulären Milliardendeal sorgt der Kreml für Aufregung auf dem Ölmarkt. Der Staatskonzern Rosneft will das Joint Venture TNK-BP übernehmen. Damit würde der Einfluss von "Gas-Putin" auf den wichtigen Energiemarkt weiter wachsen.

Mit einem Schlag die Nummer Eins: Der russische Staatskonzern Rosneft mischt die Ölbranche auf. Mit Milliarden Euro und Hilfe von Kremlchef Wladimir Putin will das Unternehmen ganz nach oben. In einem spektakulären Deal soll Rosneft für mehr als 50 Mrd. US-Dollar (gut 38 Mrd. Euro) das russisch-britische Joint Venture TNK-BP übernehmen - und wäre plötzlich der größte börsennotierte Ölförderer der Welt.

Auf 4,5 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag schätzen Experten die Fördermenge des geplanten Megakonzerns. Das wäre fast doppelt so viel wie etwa ExxonMobil oder PetroChina zu bieten haben. Ohnehin ist die Energiegroßmacht Russland neben Saudi-Arabien größter Ölförderer der Welt.

Verhandeln im Dreieck

Der mächtige Rosneft-Boss Igor Setschin, bekannt als Putins "Ölprinz" und bis vor kurzem Vizeregierungschef, verhandelt derweil an zwei Fronten. Denn TNK-BP gehört jeweils zur Hälfte dem britischen Energieriesen BP und dem russischen Oligarchenkonsortium AAR.

"Der Deal ist sehr weit fortgeschritten", zitiert das Moskauer Wirtschaftsblatt "Kommersant" einen Teilnehmer der Verhandlungen mit BP in London. Die britische Zeitung "Financial Times" berichtet von einem konkreten Angebot in Höhe von bis zu 20 Mrd. US-Dollar und zusätzlich bis zu 20 Prozent der Rosneft-Aktien.

BP scheint durchaus gesprächsbereit. Denn dann bekäme der Konzern nicht nur frisches Geld, sondern wäre mit einem Schlag nach dem russischen Staat größter Anteilseigner bei Rosneft. Hinzu kommt die Aussicht auf eine "strategische Allianz" samt lukrativer Gemeinschaftsprojekte in der russischen Arktis, welche die AAR-Oligarchen noch vor einem Jahr verhindert hatten.

Kreml weitet Einfluss aus

Von Vorteil ist das Milliardengeschäft aber vor allem für die Rohstoffmacht Russland - und damit für den Kreml. Angesichts versiegender Ölquellen in der Nordsee könne Putin seinen Einfluss auf den wichtigen Energiemarkt in Europa noch weiter ausdehnen, meinen Experten in Moskau. Bereits jetzt ist Russland vor allem dank des Staatskonzerns Gazprom der wichtigste Energieversorger der Europäischen Union. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee und der geplanten Röhre South Stream durch das Schwarze Meer will der Monopolist Unmengen von Gas in die EU pumpen.

Rosneft, das im vergangenen Jahr seinen Überschuss um fast zehn Prozent auf etwa 9,5 Mrd. Euro steigerte, wolle sich das notwendige Geld bei mehreren Banken besorgen, schreibt die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti".

Zuletzt hatte auch AAR Interesse am BP-Anteil signalisiert - doch nun kapituliert der Großaktionär. BP habe gar kein Interesse an einem Abschluss mit ihnen, maulen die AAR-Bosse um den Milliardär Michail Fridman. Stattdessen bieten sie nun ihr eigenes Paket zum Kauf an, und das Staatsunternehmen hat offenbar für mindestens 28 Mrd. US-Dollar bereits zugeschlagen.

Putin unterstütze das Geschäft, betonte Rosneft-Boss Setschin kürzlich. Auch deshalb zweifeln in Russland nur wenige Experten daran, dass das Megaprojekt scheitert. Allerdings weisen Beobachter darauf hin, dass der Kreml schon in der Vergangenheit massiven Druck auf TNK-BP ausübte. Unvergessen, wie der heutige BP-Chef Bob Dudley 2008 in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" aus Moskau floh. Doch wenn es um Geld geht, hört die Feindschaft offenbar auf: Längst ist Dudley wieder gern gesehener Gast im Riesenreich.

Nun versucht die Führung in Moskau, Ängste vor einem mächtigen neuen Weltkonzern zu zerstreuen. "Es wird kein Monopol geben. Bei uns herrscht eine verhältnismäßig starke Konkurrenz auf dem Markt", betont Energieminister Alexander Nowak. Doch Experten weisen darauf hin, dass Rosneft nach dem Zukauf von TNK-BP die russische Ölproduktion kontrollieren werde.

Quelle: n-tv.de

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