Wirtschaft
Monte dei Paschi ist die älteste Bank der Welt.
Monte dei Paschi ist die älteste Bank der Welt.(Foto: REUTERS)

Italien und die Monte-dei-Paschi-Affäre: Rückendeckung für Draghi

Es geht um nebulöse Geschäfte, Millionenverluste und das alles bei der ältesten Bank der Welt: Die Krise bei der italienischen Bank Monte dei Paschi schlägt mehr und mehr auch politische Wellen. Wenige Wochen vor der Parlamentswahl muss die Regierung Farbe bekennen.

In der Affäre um die italienische Krisenbank Monte dei Paschi bekommt EZB-Präsident Mario Draghi Rückendeckung von der Regierung in Rom. Der Italiener ist ins Rampenlicht gerückt, weil er oberster Bankenaufseher seines Landes war, als die nebulösen Geschäfte der ältesten Bank der Welt über die Bühne gegangen sind. Wirtschaftsminister Vittorio Grilli bezeichnete die damalige Aufsicht als angemessen und aufmerksam. "Die Aufseher haben dank intensiver Arbeit abnormes Verhalten festgestellt und verhindert", sagte er bei einer Anhörung vor einem Parlamentsausschuss. Die italienische Zentralbank habe nach einer Prüfung 2010 Sanktionen gegen das Management des toskanischen Instituts verhängt. Ein Jahr später seien die Probleme aber noch nicht abgestellt gewesen. Das italienische Bankensystem bezeichnete er als stabil.

Der heutige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der von 2005 bis Ende 2011 italienischer Notenbankchef war, hatte sich zuvor mit Grilli getroffen. Nach Reuters-Informationen haben sich die beiden über die Probleme des drittgrößten Bankhauses Italiens unterhalten.

Monte dei Paschi hat durch komplexe Derivategeschäfte unter anderem mit der Deutschen Bank Verluste von etwa 720 Mio. Euro angehäuft. Mit diesen Deals sollten Löcher in der Bilanz gestopft werden. Die Zukunft der vom Staat gestützten Bank ist offen. Im Fokus steht zudem nach wie vor der 9 Mrd. Euro schwere Kauf des Rivalen Banca Antonveneta 2007 kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Der Preis gilt als deutlich zu hoch.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt Justizkreisen zufolge im Zusammenhang mit dem Antonveneta-Deal wegen Bestechung gegen Monte dei Paschi. Der erst vor einem Jahr ernannte Bankchef Fabrizio Viola hat Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung durch seine Vorgänger eingeräumt, aber Vorwürfe der Bestechung zurückgewiesen.

Die Affäre um die Bank könnte zum Wahlkampfthema werden, da in vier Wochen ein neues Parlament gewählt wird. Bis die Italiener am 24. und 25. Februar ihre Stimme abgeben, dürften die verlustreichen Geschäfte der Traditionsbank neben den Wahlkampfthemen Rezession und Rekordarbeitslosigkeit die Öffentlichkeit in Atem halten. Einerseits dürfte Experten zufolge Regierungschef Mario Monti an Zuspruch einbüßen, andererseits könnte für die in Umfragen führende Demokratische Partei (PD) ihre Nähe zur ältesten Bank der Welt zur Hypothek werden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen