Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Lehman-Gläubiger für Mio.-Honorar: Rückendeckung für Frege

Mehr als 800 Mio. Euro könnten dem Insolvenzverwalter und seiner Wirtschaftskanzlei die Abwicklung der Lehman Bankhaus AG einbringen. Trotz lauter Kritik an der Höhe der möglichen Summe bleiben die Gläubiger gelassen. Sie kündigen "keinen Widerstand gegen die Honoraransprüche" an.

Einer der größten Gläubiger der Deutschland-Tochter von Lehman Brothers hat sich hinter die rekordhohe Honorarforderung von deren Insolvenzverwalter Michael Frege gestellt. "Von uns als Gläubiger ist kein Widerstand gegen die Honoraransprüche von Herrn Frege zu erwarten", sagte der zuständige Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Hans-Joachim Massenberg. "Wir gehen davon aus, dass er einen angemessenen Betrag in Rechnung stellt." Der BdB vertritt den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken, der Entschädigungen von 6,4 Mrd. Euro für die Lehman-Pleite ausgezahlt hat und damit neben der Bundesbank der größte Einzelgläubiger ist.

Ein Gutachten in Freges Auftrag kommt auf eine Vergütung von mehr als 800 Mio. Euro. Seine Kanzlei CMS Hasche Sigle hat aber angekündigt, "keine Maximalforderung zu stellen". Trotzdem laufen US-Hedgefonds, die sich billig in die Forderungen an den Insolvenzverwalter eingekauft hatten, Sturm gegen das Honorar. Auf ihrer Seite kämpft auch Daniel Ehrman vom Sanierer Alvarez & Marsal, der als Verwalter der US-Muttergesellschaft Lehman Brothers Inc fungiert hatte. "Wir sind sehr besorgt über ein Gebührenniveau von 600 Mio. bis 800 Mio. Euro. Wir wollen das Thema im Konsens lösen und sind bereits in Verhandlungen", sagte er.

Frege will am Donnerstag einen Insolvenzplan von den Gläubigern verabschieden lassen, um das seit gut vier Jahren laufende Lehman-Verfahren abzukürzen. Darin will er nach Hedgefonds-Angaben auch die Höhe seines Honorars festschreiben lassen. Das letzte Wort hat zwar das Amtsgericht Frankfurt, doch befürchten die US-Gläubiger ein Präjudiz. Ein Kanzlei-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, weil das Insolvenzverfahren der Vertraulichkeit unterliege.

Frege war an die Öffentlichkeit gegangen, weil er sich von den Hegdefonds unter Druck gesetzt fühlte. Sie halten maximal 250 Mio. Euro für angemessen. "95 Prozent der Arbeit sind getan", sagte ein Vertreter der US-Investoren. "Freges Gebühren übersteigen seine Kosten um ein Vielfaches. Das ist lächerlich." Das ungleich größere Verfahren in den USA habe 1 Mrd. Dollar gekostet.

Im Gläubigerausschuss dominieren aber die Bundesbank und der Einlagensicherungsfonds. "Das ist eine einzigartige Insolvenz, was sich auch in der Insolvenzmasse niederschlägt", hieß es in einer Stellungnahme des Gremiums. "Unsere Erwartungen an die verfügbare Masse wurden deutlich übertroffen." 15 Mrd. Euro hat Frege zu verteilen. Die Gläubiger können damit rechnen, bis zu 80 Prozent ihrer Forderungen zurückzuerhalten. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wir hätten zu Beginn des Verfahrens mit dem Erfolg nicht rechnen können", sagte auch BdB-Geschäftsführer Massenberg.

Die Einlagensicherung hatte mit Hilfe des Bankenrettungsfonds SoFFin eine Anleihe über 6,7 Mrd. Euro auflegen müssen, um die Lehman-Kunden zu befriedigen. Davon sind noch 2,2 Mrd. Euro übrig, nachdem der Insolvenzverwalter bereits Abschlagszahlungen ausgezahlt hat. Im Februar 2014 sollen die letzten Anleihen zurückgezahlt werden. Im besten Fall würden die deutschen Privatbanken mit einem Verlust von weniger als 1 Mrd. Euro aus der Lehman-Insolvenz davonkommen, hieß es in Gläubigerkreisen.

Quelle: n-tv.de

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