Wirtschaft
Fahrt aufnehmen - und ab dafür: Ifo siehr mehr Schwung im deutschen Aufschwung.
Fahrt aufnehmen - und ab dafür: Ifo siehr mehr Schwung im deutschen Aufschwung.(Foto: picture alliance / dpa)

Ifo und BDI machen Hoffnungen: Rückenwind fürs Wirtschaftswachstum

Das erste Quartal schreibt die deutsche Wirtschaft ab: 0,1 Prozent Wachstum. Das zweite gestaltet sich schon positiver. Und im zweiten Halbjahr gewinnt die Ökonomie nochmals deutlich an Schwung. Da sind sich immer mehr Experten einig. Frische Konjunkturdaten geben ihnen Recht.

Die deutsche Wirtschaft geht Experten zufolge mit Rückenwind in die zweite Jahreshälfte. Die Stimmung sowohl bei der Exportwirtschaft als auch in den Chefetagen hellte sich im Juni trotz der vielerorts schweren Überschwemmungen und schlapper Weltkonjunktur bereits den zweiten Monat in Folge auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg wie erwartet um 0,2 auf 105,9 Punkte, teilte das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. "Die deutsche Konjunktur hält Kurs", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen.

Zugpferd ist die Industrie, deren Geschäftsklima sich spürbar aufhellte. "Insbesondere die Exporterwartungen haben kräftig zugelegt", sagte Carstensen. Vor allem die Autobranche blickt den Angaben zufolge optimistisch nach vorn. Dagegen kühlte sich das Geschäftsklima im Groß- und Einzelhandel sowie in der Baubranche und bei den Dienstleistern ab.

"Die konjunkturelle Lage hellt sich weltweit allmählich wieder auf", sagte auch BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber bei der Vorstellung des BDI-Außenwirtschafts-Reports. Das spüre die deutsche Ausfuhrwirtschaft. Im wichtigsten Absatzmarkt der deutschen Industrie, im Euroraum, sieht der BDI erste Anzeichen, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten sein könnte. Der BDI bleibt dennoch bei seiner bisherigen Prognose, in der er von einem Zuwachs der deutschen Ausfuhren dieses Jahr von maximal 3,5 Prozent ausgeht.

In einigen Branche habe sich der Ausblick besonders aufgehellt, sagte Kerber. Das gelte etwa für die deutsche Elektrobranche. Dort seien die Exporterwartungen auf dem höchsten Stand seit Februar 2011. Die Chemieindustrie rechne mit einer wachsenden Nachfrage aus den Schwellenländern. Der  Maschinenbau geht davon aus, dass er ab der Jahresmitte auf den Expansionspfad zurückkehrt. Und die Autoindustrie rechnet damit, dass ihre Exporte nach Westeuropa ihren Tiefststand erreicht haben und im zweiten Halbjahr wieder wachsen.

Hoffnung schöpft die Ausfuhrwirtschaft in ganz besonderem Maße daraus, dass die Industrieproduktion im Euroraum in den letzten drei Monaten wieder zunahm. Der BDI sprach mit Blick darauf von einem "ersten Signal", dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten sei. Für die USA habe sich der Ausblick weiter aufgehellt. Besonders viel Hoffnung setzt der BDI in das geplante transatlantische Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, bei dem die Verhandlungen bald aufgenommen werden sollen. Dieses Abkommen könnte laut Kerber der Konjunktur zusätzliche Impulse "in Höhe von bis zu 200 Milliarden Euro pro Jahr" geben. Allein in Deutschland könnten dadurch auf mittlere Sicht 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Erstes Quartal ist ausbaufähig

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Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmer schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser ein als im Vormonat. Das Barometer kletterte überraschend deutlich um 0,9 auf 102,5 Punkte. Die Lage wurde dagegen schlechter bewertet als angenommen: Der Index fiel um 0,6 auf 109,4 Punkte. "Wir gehen weiterhin von einem deutlich stärkeren Wachstum im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal aus", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters.

"Die Unternehmen bleiben zuversichtlich und erwarten wie wir weiterhin eine gute Binnenkonjunktur", sagte der Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW, Jörg Zeuner. "Die verheerende Flut in Süd- und Ostdeutschland hat diesen Ausblick kaum beeinträchtigt." Das lasse auf eine moderate konjunkturellen Belebung im zweiten Halbjahr hoffen. Allerdings sei Deutschland nicht immun gegen Gefahren von außen. "Die Hauptrisiken für die deutsche Wirtschaft bleiben eine Stagnation bei ihren wesentlichen Handelspartnern in der Euro-Zone, allen voran Frankreich, und eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft", sagte ING-Experte Carsten Brzeski.

Sinkende Investitionen und Exporte sowie witterungsbedingte Behinderungen am Bau hatten die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent wachsen lassen. Die Bundesbank erwartet aber ein Anziehen der Wirtschaft im zweiten Quartal. Für das Gesamtjahr dürfte es den meisten Prognose zufolge aber nur für ein Plus von etwa 0,3 Prozent reichen.

Quelle: n-tv.de

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