Wirtschaft
Wladimir Putin.
Wladimir Putin.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Trotz drohender Rezession: Russische Zentralbank erhöht Leitzins

Russlands Präsident Putin hat in der Ukraine-Krise mit einem starken Gegner zu kämpfen: dem Finanzmarkt. Moskau wird seine Anleihen nicht los und leidet unter massiven Kapitalabflüssen. Obwohl eine Rezession droht, muss die Notenbank die Leitzinsen erhöhen.

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Die russische Notenbank hat den Leitzins überraschend erhöht. Der Schlüsselzins steigt um einen halben Prozentpunkt auf 7,5 Prozent. Die Zentralbank begründet den Schritt mit hohen Inflationsrisiken und der Schwäche der Landeswährung Rubel. Mit der geldpolitischen Straffung soll es gelingen, die Inflationsrate bis Ende des Jahres auf sechs Prozent zu drücken. Es gebe daher keine Pläne, die Zinsen in den kommenden Monaten wieder zu senken, sagte Gouverneurin Elvira Nabiullina.

Die deutliche Erhöhung des Leitzinses könnte die ohnehin schon schwächelnde Konjunktur weiter bremsen, da sie Kredite weiter verteuert. Die Weltbank hält es für möglich, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr um 1,8 Prozent schrumpft. Auch das Finanzministerium warnt vor einer Rezession.

S&P stuft Russland ab

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Doch die massiven Kapitalabflüsse lassen der Notenbank wohl keine andere Wahl, als die Zinsen weiter zu erhöhen. Allein für das erste Quartal summieren sich die Abflüsse nach Berechnungen der russischen Regierung auf 70 Milliarden Dollar. Die Kapitalflucht hatte schon vor der Krim-Krise begonnen, nahm aber dann an Tempo zu. "Die Anleger befürchten, dass die Situation schneller außer geraten könnte, als sie ihre Positionen schließen können", sagte ein Händler in London. Mit dem Zinsschritt hofft die Notenbank, Investoren im Land zu halten und den Rubel zu stützen. Die Landeswährung hat in jüngster Zeit zu Dollar und Euro kräftig an Wert verloren.

Der Vertrauensverlust zeigt sich auch daran, dass die Kreditwürdigkeit Russlands weiter unter Druck gerät. Am Freitag senkte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) den Daumen: Die Bonitätsnote fällt um eine Stufe und liegt direkt über dem Ramschniveau, das spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Doch nicht nur Staatspapiere reagierten mit Verlusten, der Rubel verlor weiter an Wert.

Der Kreml gab sich gelassen. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew bezeichnete den Schritt der US-Agentur als "zum Teil politisch motiviert". Das verringerte Rating sei von Investoren erwartet worden und würde nichts Entscheidendes an deren Einstellung ändern, sagte er. Das allerdings ist durchaus ein Problem für Moskau. Denn in den vergangenen Wochen hatte Russland verschiedene Auktionen von Staatsanleihen mangels Nachfrage abblasen müssen. Auch die anderen großen Ratingagenturen Moody's und Fitch drohen mit einer Abstufung Russlands.

Weitere Sanktionen von USA und EU könnten die Probleme verschärfen. US-Präsident Barack Obama will noch im Tagesverlauf in einer Telefonkonferenz mit EU-Staats- und Regierungschefs über weitere Schritte gegen Russland beraten.

Quelle: n-tv.de

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