Wirtschaft
Die Sberbank sammelt vergangene Woche eine Milliarde Euro ein - und des hätte deutlich mehr sein können.
Die Sberbank sammelt vergangene Woche eine Milliarde Euro ein - und des hätte deutlich mehr sein können.(Foto: REUTERS)

"Es gibt für alles einen Preis": Russischer Bondmarkt erwacht

Die angestrengte Suche nach renditeträchtigen Investitionen treibt Anleger seit Monaten in Anleihen der südeuropäischen Staaten. Nun rücken auch die Bonds russischer Papiere in den Blick. Doch das ist angesichts weiterer möglicher Sanktionen nicht ohne Risiko.

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Die Weichen für Wirtschaftssanktionen gegen Russland sind gestellt, doch am Markt für Unternehmensbonds hat die Drohkulisse des Westens zunächst an Schrecken eingebüßt. Nach monatelanger Zurückhaltung haben mit der Alfa Bank und der Sberbank im Juni gleich zwei russische Finanzinstitute den Kapitalmarkt erfolgreich angezapft. Experten gehen davon, dass eine Reihe weiterer Emissionen folgen. "Die Nachfrage nach Anleihen ist enorm groß und es gibt für alles einen Preis", sagt Max Wolman, Fondsmanager bei Aberdeen Asset Management. Wenn russische Konzerne bereit seien, hohe Renditen zu zahlen, dürften sie ihre Papiere auch loswerden.

So geschehen am Montag, als das fünfjährige Papier der Sberbank unter Anlegern reißenden Absatz fand. Das größte Finanzinstitut Russlands bot Investoren 3,35 Prozent für den Euro-Bond, das entsprach einem Aufschlag von 20 Basispunkten zu vergleichbaren schon ausgegeben Dollar-Papieren der Sberbank. Das Unternehmen sammelte eine Milliarde Euro ein, die Gebote fielen doppelt so hoch aus. Anfang Juni hatte bereits die Alfa Bank die Investoren mit einem 350 Millionen Euro schweren Bond gelockt - das Orderbuch für die Anleihe war dreifach überzeichnet.

Gierige Jagd nach Rendite

Angesichts der Niedrigzinspolitik vieler Notenbanken sind Anleger derzeit verzweifelt auf der Suche nach Rendite. Selbst vor risikoreicheren Bonds schrecken sie nicht zurück, solange diese Papiere mehr abwerfen als etwa zehnjährige Bundesanleihen mit derzeit rund 1,3 Prozent. Eine Zinswende steht vorerst nicht ins Haus: Analysten gehen davon aus, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wie auch der US-Notenbank Fed erst einmal locker bleibt.

Ganz ungefährlich ist die Rendite-Jagd bei den russischen Unternehmensbonds allerdings nicht. Noch ist unklar, ob sich der Westen zu Wirtschaftssanktionen gegen das Land durchringen wird. Ein neues Ultimatum endet Montag.

Und so sorgen bei einigen Fondsmanagern die vielen Fragezeichen rund um die Ukraine-Krise auch weiter für Verunsicherung: "Wir bleiben mit Blick auf Russland vorsichtig", sagt Angus Halkett von Stone Harbor, einem US-Fond mit geringem Anteil an russischen Papieren. Sollte es zu scharfen Sanktionen kommen, dürften viele Unternehmen wie etwa die Sberbank davon betroffen sein.

Auch der französische Vermögensverwalter Carmignac Gestion plant zunächst nicht, wieder verstärkt in russische Bonds zu investieren. Es fehle an Vertrauen in russische Banken wie auch Unternehmen. "Da Strafmaßnahmen ein Risiko bleiben, haben wir keine Absicht, unser Engagement zu erhöhen", sagt Sandra Crowl, die Investmententscheidungen bei Carmignac mitverantwortet.

Quelle: n-tv.de

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