Wirtschaft
Rund 20 Millionen Dollar sind unauffindbar - auch Karapetian ist verschwunden.
Rund 20 Millionen Dollar sind unauffindbar - auch Karapetian ist verschwunden.(Foto: REUTERS)

Kundengelder mitgenommen: Russischer Hedgefonds-Boss verschwindet

Von Jan Gänger

In Moskau macht sich der Gründer eines Hedgefonds aus dem Staub. Vorher leert er noch die Konten. Dass die Investoren ihr Geld wiedersehen, ist unwahrscheinlich.

Er leitete einen angesagten Hedgefonds in Moskau, gab viel Geld für Partys und Sportwagen aus und hat sich aus dem Staub gemacht: Kim Karapetian. Der 29-jährige Gründer von Blackfield Capital CJSC tauchte dem "Wall Street Journal" zufolge bereits seit Mitte Oktober vergangenen Jahres nicht mehr in seinem Büro im Zentrum der russischen Hauptstadt auf. Dass er nicht mehr wiederkommen würde, realisierten seine Mitarbeiter demnach erst, als drei fremde Männer erschienen, um mit Karapetian zu sprechen.

Wer sie seien und was sie von dem Firmengründer wollten, verrieten die Männer nicht. Sie trafen Karapetian nicht an, doch ihr Erscheinen beunruhigte die rund 50 Mitarbeiter offenbar. Am Tag darauf teilte das Management mit, dass es kein Geld mehr gebe, um die Belegschaft zu bezahlen. Die Firmenkonten seien leer, auch Geld von Investoren sei weg - insgesamt fehlten etwa 20 Millionen Dollar. "Unser Chef ist einfach… verschwunden", brachte es ein Software-Entwickler gegenüber dem "Wall Street Journal" auf den Punkt.

Wo Karapetian ist, konnte die Zeitung nicht herausfinden. Auch ob die Firma den Geschäftsbetrieb fortsetzt, ist unklar. Jemand, der sich als Karapetian ausgab, habe sich einmal per Mail bei Mitarbeitern gemeldet, so das "WSJ". Er sei auf der Flucht und werde bedroht, hieß es darin. Er wolle den Investoren ihr Geld zurückzahlen. Wie das gelingen soll, schrieb er nicht.

Blackfield wurde im Jahre 2009 gegründet und setzte auf den automatisierten Handel durch Computerprogramme. Im vergangenen Jahr sorgte der Hedgefonds dem Bericht zufolge an manchen Tagen für zwei Prozent des Umsatzes mit Futures und Optionen an der Moskauer Börse.

Auf seiner Website verspricht der Fonds: Der "vollständig systematisierte Investment-Prozess", trage dazu bei, beim Handel den "Faktor Mensch" und Emotionen auszuschließen. Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn der Unternehmensgründer mit Kundengeldern durchbrennt.

Teurer Sportwagen

Karapetian pflegte einen überaus exzessiven Lebensstil. Er leistete sich eine Wohnung im New Yorker Finanzdistrikt, die monatlich 15.000 Dollar kostet. "Er hat es ungesehen gemietet", zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter Karapetians. "Ein Scheck wurde ausgestellt, und das war es dann. Ich habe ihn nie in diesem Gebäude gesehen." Außerdem beauftragte Karapetian Angestellte der Niederlassung in den USA, ihm einen Aston Martin Vanquish zu bestellen. Der Grundpreis des Sportwagens liegt bei knapp 250.000 Euro. Karapetian hatte seinen Mitarbeitern gegenüber angeben, er habe an der London School of Economics einen Abschluss gemacht und bei Morgan Stanley gearbeitet. Doch sowohl Hochschule als auch US-Bank gaben an, in ihren Unterlagen sei der Name nicht zu finden.

Bis vor Kurzem hatte der Fonds im neuen World Trade Center in New York 18 Büroräume in der siebten Etage gemietet. Vermögen verwaltete die Firma dort aber nicht. Blackfield plante eigenen Angaben zufolge, in die USA zu expandieren und auch nach London zu gehen. Es sieht derzeit allerdings danach aus, dass diese Pläne gestorben sind.

Quelle: n-tv.de

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