Wirtschaft
Wird die Lufthansa weiterhin Sibirien überfliegen dürfen?
Wird die Lufthansa weiterhin Sibirien überfliegen dürfen?(Foto: picture alliance / dpa)

Weitere Sanktionen angedroht: Russland erwägt Flugverbot

Von Jan Gänger

Die Regierung in Moskau denkt darüber nach, EU-Fluglinien auf dem Weg nach Asien zu teuren Umwegen zu zwingen. Doch die Sperrung des Luftraums über Sibirien hätte auch für die staatliche Aeroflot unangenehme Folgen.

Kaum hat Russland die Einfuhr von Lebensmitteln aus der EU verboten, stellt Moskau weitere Sanktionen in Aussicht. Ministerpräsident Dmitri Medwedew drohte damit, europäischen Airlines den Überflug über russisches Territorium zu verbieten.

Für die betroffenen Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France wäre das eine schlechte Nachricht, denn über Sibirien führt der kürzeste Weg nach China, Japan oder Südkorea. Sollte Russland sie zu Umwegen zwingen, würden sich die Flugzeiten verlängern und die Treibstoffkosten erhöhen. Eine Sperrung des russischen Luftraums für Überflüge würde die Fluggesellschaften zwischen 100 und 200 Millionen Dollar pro Jahr kosten, sagt der russische Luftfahrtexperte Boris Rybak.

In der vergangenen Woche seien etwa 1600 Flüge von 39 Airlines über die Region östlich des Urals durchgeführt worden, berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf Daten des Tracking-Services "Flightradar24". Knapp die Hälfte der Flüge sei von 14 EU-Fluggesellschaften angeboten worden, der Großteil von Air France und Lufthansa - 249 von den Franzosen und 220 von den Deutschen.

Hintergrund der russischen Überlegungen: Die Billigfluggesellschaft Dobrolet musste wegen der EU-Sanktionen den Flugbetrieb einstellen. Die Aeroflot-Tochter hatte erst im Juni den Betrieb aufgenommen, sie bot Flüge auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim an.

Aeroflot kassiert Gebühren

Ob es tatsächlich zu der Vergeltungsmaßnahme kommt, ist allerdings offen. Denn der Schritt würde nicht nur die EU-Airlines viel Geld kosten, sondern auch der russischen Aeroflot wehtun. Das liegt daran, dass der Staatskonzern für jeden Überflug von der entsprechenden Airline Geld überwiesen bekommt.

Nach Angaben der EU-Kommission kassierten russische Behörden im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro. Wie viel Geld davon an Aeroflot weitergereicht wurde,  verrät das Unternehmen nicht. Analysten beziffern die Summe zwischen 170 und 200 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr hatte Aeroflot einen Nettogewinn von 203 Millionen Dollar ausgewiesen. Das heißt: Ohne die Gebühren wäre das Unternehmen nur knapp an den roten Zahlen vorbeigeschrammt.

Gegen das Flugverbot spricht ein weiteres Argument. Im Gegenzug könnte die EU russischen Airlines verbieten, Europa zu überfliegen. Das würde nach Einschätzung von Analysten die Aeroflot noch stärker treffen als eine Sperrung des sibirischen Luftraums die europäische Konkurrenz. So durchqueren Aeroflot-Flugzeuge beispielsweise für Flüge nach Nordamerika europäischen Luftraum.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen