Wirtschaft
Enge Abstimmung in energiepolitischen Fragen: Wladimir Putin (l.) und Rosneft-Chef Igor Setschin, hier bei einer Vertragsunterzeichnung in St. Petersburg Ende Mai.
Enge Abstimmung in energiepolitischen Fragen: Wladimir Putin (l.) und Rosneft-Chef Igor Setschin, hier bei einer Vertragsunterzeichnung in St. Petersburg Ende Mai.(Foto: REUTERS)

Rosneft-Chef regt Strombrücke an: Russland will Atomstrom liefern

Elektrifiziert bald russischer Nuklearstrom Deutschlands Steckdosen? Rosneft-Chef Setschin bringt in Berlin eine Ausweitung der deutsch-russischen Lieferbeziehungen im Energiegeschäft ins Gespräch. "Wir werden Ihnen immer helfen, seien Sie unbesorgt."

Erdgas-Lieferant im Osten: Russland will nun auch bei der Energiewende mit Atomstrom aushelfen.
Erdgas-Lieferant im Osten: Russland will nun auch bei der Energiewende mit Atomstrom aushelfen.

Der Chef des russischen Öl- und Energieriesen Rosneft, Igor Setschin, hat direkte Stromlieferungen seines Landes in die Bundesrepublik vorgeschlagen. "Eine Energiebrücke von Kaliningrad nach Deutschland könnte interessant sein", erklärte der Rosneft-Chef laut einem Bericht der "Welt" auf einer Berliner Fachtagung der Deutschen Energieagentur (Dena). "Es ist durchaus möglich, Strom von Kaliningrad über Land oder auch per Seekabel nach Deutschland zu liefern."

Setschin zählt zu den engeren Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin. International gilt er als wichtige Führungsfigur im politischen Russland. Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise hatten die USA Setschin auf ihre Sanktionsliste gesetzt.

Ein Teil der Überlegungen von Rosneft-Chef Setschin stützt sich offenbar auf eine bessere Auslastung russischer Kapazitäten zur nuklear basierten Stromerzeugung. Wie die "Welt" berichtet, erwog Setschin bei der Veranstaltung in Berlin auch die Versorgung mit Elektrizität aus einem geplanten Kernkraftwerk in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad. Zum schwierigen Ausbau erneuerbarer Energien sagte er nach Informationen der Zeitung: "Wir werden Ihnen immer helfen, seien Sie unbesorgt."

Abhängig vom russischen Erdgas

Im Energiesektor sorgen derzeit vor allem mögliche Lieferengpässe bei russischem Erdgas, das durch das Transitland Ukraine fließt, für Unruhe. Für Gas gibt es aber auch eine direkte russisch-deutsche Verbindung über die Ostsee-Pipeline des Nord-Stream-Konsortiums.

Seit Wochen diskutieren Experten Optionen, die Abhängigkeiten Westeuropas vom russischen Erdgas zu verringern. Der anhaltende Konflikt zwischen der Regierung in Kiew und prorussischen Separatisten in der Ost-Ukraine heizt zudem die Debatte um harte Wirtschaftssanktionen der EU gegen Moskau an.

"Wir sollten pragmatisch sein", warnte Setschin. "Wenn die Energiewirtschaft mit Sanktionen belegt wird, dann werden Millionen völlig Unbeteiligter in den Konflikt hineingezogen." Die EU-Staaten drängen Russland zu einer konkreten Unterstützung des Friedensplans des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko - und behalten sich weiter Strafmaßnahmen vor. "Weitere Schritte könnten folgen, falls dies die Ereignisse in der Ost-Ukraine erfordern", hieß es in einer Erklärung der EU-Außenminister.

Sanktionen gegen russisches Öl?

Russlands größter Ölproduzent sieht diese Entwicklung offenbar mit Sorge. Rosneft-Chef Setschin warnte die Europäische Union vor den Folgen drohender Wirtschaftssanktionen. Sollten sich Strafmaßnahmen der EU auf russisches Erdöl erstrecken, hätte dies immense Auswirkungen etwa auf das Raffineriegeschäft, erklärte Setschin dem "Handelsblatt". Bereits die bisherige Debatte über Sanktionen habe Spuren hinterlassen. So habe die Ausrüstungsindustrie in Deutschland im Mai etwa deutlich weniger nach Russland geliefert als ein Jahr zuvor.

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge soll Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wochenbeginn auf einer CDU-Vorstandssitzung gesagt, sie gehe davon aus, dass beim EU-Gipfel in Brüssel Ende der Woche die bereits angedrohte dritte Stufe der Sanktionen gegen Russland beschlossen werde. Grund sei, dass die Regierung in Moskau keine Anstalten mache, die Destabilisierung der Ost-Ukraine zu beenden. Allerdings stimmten in der Nacht prorussische Separatisten einer Feuerpause im Osten der Ukraine zu. Bis Freitag werde man die Waffen in den Regionen Donezk und Luhansk ruhen lassen, sagte Alexander Borodai, einer der Rebellenchefs.

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Quelle: n-tv.de

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