Wirtschaft
Wechselstube in Moskau: Der Rubel hatte zuletzt dramatisch an Wert verloren.
Wechselstube in Moskau: Der Rubel hatte zuletzt dramatisch an Wert verloren.(Foto: AP)

"Ramschniveau" weiter möglich : S&P lässt Russland vorerst seine Bonität

Dank einer geringen Auslandsverschuldung behält Russland auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten vorerst seine Bonitätsnote der Ratingagentur S&P. Die anhaltenden Sanktionen und ein niedriger Ölpreis könnten aber langfristig ein Umdenken bewirken.

Wider Erwarten vieler Beobachter hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsnote Russlands bestätigt. Analysten waren zuvor davon ausgegangen, dass S&P die Bonität des Landes auf "Ramsch" herabstufen könnte.

Eine anhaltend negative Stimmung auf den Märkten zwinge Investoren dazu, "ihre Rubel schnellstmöglich loszuwerden", hatte beispielsweise ein Sprecher der Bank Zenit gesagt. Befürchtungen, dass nach Moody's auch S&P das Russland-Rating abstufen könnte, belasteten die russische Landeswährung.

Auch wegen des Ukraine-Konfliktes und der westlichen Sanktionen gegen Russland hat die Landeswährung in diesem Jahr gegenüber Dollar und Euro kräftig an Wert verloren. Zeitweise kostete ein Dollar so 42,008 Rubel.

Das Rating für langfristige Verbindlichkeiten in Fremdwährung bleibe BBB-, das für langfristige Verbindlichkeiten in heimischer Währung BBB. Eine Abstufung hätte die Bonitätsnoten zwangsläufig auf Ramschniveau gedrückt. Unter anderem wegen der relativ geringen Auslandsverschuldung Russlands sah die Ratingagentur vorerst von einer Herunterstufung ab.

Niedriger Ölpreis trübt Russlands Ausblick

Der Ausblick sei unverändert negativ, teilten die Analysten mit. Sie warnten, dass das Land in den kommenden 18 Monaten durchaus noch abgestuft werden könne, wenn sich die externen und fiskalischen Puffer schneller als erwartet verschlechterten. Mit einer Herabstufung würde es für Russland grundsätzlich schwieriger, sich an den Finanzmärkten Geld zu leihen.

S&P verwies auf die strukturelle Schwäche der russischen Wirtschaft, besonders auf die starke Abhängigkeit von Rohstoffen. Die relative Schwäche der politischen und wirtschaftlichen Institutionen beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und das Geschäfts- und Investitionsklima. Russland ist auf einen hohen Ölpreis angewiesen, um durch Exporte des Rohstoffs seinen Haushalt auszugleichen. Ein Barrel Öl kostet derzeit jedoch nur 86 Dollar, während die Regierung in ihrer Budgetplanung einen Preis von etwa 100 Dollar zugrunde legte.

Auch könnten die weiterhin aufrechterhaltenen Sanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts könnten speziell die finanziell weniger soliden russischen Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. Bundeskanzlerin Merkel sagte zuletzt, dass sie die Voraussetzungen für ein Ende der EU-Sanktionen angesichts der nach wie vor instabilen Lage in der Ostukraine nicht für gegeben erachte.

Quelle: n-tv.de

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