Wirtschaft
Eine ganz andere Art von Stier: Spanien sieht sich wachsenden Zweifeln gegenüber.
Eine ganz andere Art von Stier: Spanien sieht sich wachsenden Zweifeln gegenüber.(Foto: REUTERS)

Madrid fällt um zwei Stufen: S&P stuft Spanien herab

Die Ratingagentur Standard & Poor's verschärft die Sorgen um die finanzielle Stabilität Spaniens: Die Analysten senken ihre Note für die Kreditwürdigkeit des Landes und drohen mit einer weiteren Herabstufung. Der Ausblick, so die Bonitätswächter, sei negativ. Von massiven wirtschaftlichen Problemen und von wachsenden Schulden ist die Rede.

Ausblick "negativ": Die spanische Fahne bekommt das Flattern.
Ausblick "negativ": Die spanische Fahne bekommt das Flattern.(Foto: dapd)

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone besitzt in den Augen der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) nur noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit: S&P senkte die Bonität des von der Schuldenkrise schwer in Mitleidenschaft gezogenen Spanien am späten Vorabend gleich um zwei Stufen von "A" auf "BBB+" herab. Damit nicht genug: Um ihre an den Märkten viel beachtete Bewertung der Lageeinschätzung anzupassen, änderten die S&P-Analysten den Ausblick für die spanische Bonitätsnote auf "negativ". Das heißt, mit einer weiteren Herabstufung ist zu rechnen.

Die Haushaltslage dürfte sich vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme verschlechtern, begründete S&P den Schritt. Gleichzeitig steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung den Banken mit weiteren Hilfen unter die Arme greifen müsse. Das wiederum berge das Risiko, dass die Spaniens Defizit schockt weiter ansteigen könne, hieß es. Die S&P-Analysten erklärten außerdem, sie glaubten nicht daran, dass die Arbeitsmarktreformen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen würden.

Und tatsächlich stieg die Arbeitslosenquote im ersten Quartal auf 24,4 Prozent, wie das Statistikamt mitteilt. Ende 2011 lag sie noch bei 22,9 Prozent. Spanien hat damit die mit Abstand höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union.

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In einer ersten Reaktion auf die Herabstufung kritisierte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid die Entscheidung. S&P habe nicht ausreichend die angekündigten Reformen berücksichtigt, sagte sie am späten Vorabend. "Sie werden einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben." Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) verfügen Spanien bangt um Banken über ausreichend Kapital, um die Rezession durchzustehen.

Je schlechter die Bonitätsnote eines Landes ausfällt, desto höhere Zinsen muss der betroffene Staat in der Regel für die Aufnahme neuer Schulden zahlen - damit dürfte die Absenkung des Ratings durch S&P für zusätzlichen Druck auf Spanien sorgen. Das Urteil - eigentlich als neutrale Bewertung von Beobachtern gedacht - düstert die Aussichten zur Stabilisierung des spanischen Staatshaushaltshalts weiter ein.

Deutschland verfügt im Vergleich dazu immer noch über ein Spitzenrating auf der bestmöglichen Stufe von "AAA" und kann seine Schulden damit entsprechend günstig Geld am Kapitalmarkt refinanzieren. Der deutsche Staatshaushalt kommt jederzeit zu zumindest auf kurze Sicht vertretbaren Kosten an frisches Geld. Für Spanien wird dieser Weg nun wohl noch einmal deutlich teurer.

Erst Abschwung, dann Downgrade

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Bis 2008 besaß Spanien ebenfalls das begehrte Gütesiegel "AAA" des Rating-Marktführers S&P. Dann brachen die Neueinschätzung zur Wirtschaftslage im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise über das Land herein. Die internationale Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit der Schuldenkrise droht sich nun nach Irland, Griechenland oder Portugal auf Spanien zu konzentrieren.

Zuletzt senkte der S&P-Rivale Moody's im Februar das spanische Rating. Bei Moody's kommt Spanien noch auf eine gute bis befriedigende Note ("A3"). Reaktionen auf das S&P-Rating seitens Moody's oder Fitch - der dritten Bertelsmann will Ratingagentur - sind wahrscheinlich.

Spanien gilt mittlerweile als der drittschlimmste Schuldensünder im Euro-Raum mit einem Fehlbetrag von 8,5 Prozent im vergangenen Jahr. Noch schlimmer steht es nur um Griechenland (9,1 Prozent) und Irland (13,1 Prozent).

Die spanische Wirtschaft stürzte zu Jahresbeginn in die Rezession. S&P geht davon aus, dass es im Gesamtjahr um 1,5 Prozent bergab geht und im kommenden Jahr nochmals um 0,5 Prozent. Bislang waren die Ratingwächter von einem Wirtschaftswachstum ausgegangen. Nach Angaben der spanischen Zentralbank schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2012 um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, als das Minus bereits bei 0,3 Prozent gelegen hatte. Mit vergleichbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Rückfall in eine Rezession haben auch die Briten zu kämpfen. Hier allerdings hatte S&P erst kürzlich London behält die Bestnote .

Im finanziellen Fegefeuer

Die Die Krise spricht spanisch bekennt sich ausdrücklich zu weiteren Reformen. Unter anderem haben sich die Spanier vorgenommen, das Defizit in diesem Jahr auf 5,3 Prozent zu drücken - angesichts des Wirtschaftsabschwungs eine schwierige Aufgabe. Spanien gilt deshalb als jüngster Sorgenfall der Eurozone. Immer wieder gibt es auch Spekulationen, dass das Land am Ende wie Irland, Portugal oder Griechenland doch noch internationale Hilfe beanspruchen müsse.

Die Abstufung spiegele die steigenden Risiken für Spanien wider, erklärte S&P. Es fehlt nicht mehr viel, dann landet die Kreditwürdigkeit im sogenannten Schrottbereich.

Das würde dann zum einen weiter steigende Kreditzinsen bedeuten, zum anderen würde die Bereitschaft der Investoren, Spanien Kredit zu gewähren, wohl dramatisch abnehmen.

Mit den Sorgen um Spanien dürfte die Schuldenkrise in der Eurozone wieder an Brisanz gewinnen. Investoren zweifeln zunehmend an der Fähigkeit des Landes, in der Rezession sein Sparprogramm durchzuhalten. Standard & Poor's warnte, es gebe "bedeutende Risiken", dass sich die Lage in Spanien weiter verschlechtere. Zuletzt hatte Standard & Poor's die spanische Bonität im Januar heruntergesetzt.

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Quelle: n-tv.de

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