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Wachwechsel in Walldorf: SAP-Chef McDermott mischt durch

Bei SAP tut sich was. Ende Mai wechselt Co-Chef Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat. Der neue Alleinherrscher McDermott muss noch mit Bedenken der Belegschaft kämpfen. Aber Europas größtem Softwarekonzern steht noch eine andere Zäsur bevor.

Schon der für Ende Mai geplante Wechsel von SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat ist eine Zäsur in der Geschichte des Softwarekonzerns. Nun dürfte die Veränderung noch grundlegender werden. Bill McDermott wird vom Sommer an mit einem fast komplett neuen Vorstand arbeiten.

Für den scheidenden Technikvorstand Vishal Sikka rücken ab sofort Vertriebschef Rob Enslin und der neue Entwicklungsleiter Bernd Leukert nach. Im Sommer tritt Luka Mucic die Nachfolge des in den Ruhestand wechselnden Finanzchefs Werner Brandt an. Nur SAP-Veteran Gerhard Oswald bleibt McDermott aus der alten Riege bis 2016 erhalten.

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An der noch mit seinem Kompagnon Jim Hagemann Snabe eingeschlagenen Richtung des Konzerns soll sich aber vorerst nichts ändern, wie McDermott betonte. "Wir gehen nun in die nächste Phase der Strategie über, die wir beide gemeinsam entworfen haben." "Der Fahrplan wird fortgeführt", bestätigt Frank Niemann, Analyst beim Münchner Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultans (PAC).

"Auf dem Weg ..."

Der Softwarekonzern ist dabei, sein Angebot auf Abo-Modelle (Cloud Computing) umzustellen. Das Geschäft soll bis 2015 von einer auf zwei Milliarden Euro Umsatz wachsen. Noch bringen die alten Lizenzen und die damit verbundenen Wartungsarbeiten aber den Großteil des Jahresumsatzes von zuletzt rund 17 Milliarden Euro ein. Außerdem setzt SAP auf die Echtzeit-Datenbank Hana. Die nutzen zwar bislang nur 3200 der rund 250.000 Kunden - Umsatzzahlen veröffentlicht SAP nicht mehr. Das sei aber ein guter Anfang, sagt Niemann. "SAP ist hier auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel."

Doch mit Vishal Sikka, der das Unternehmen aus persönlichen Gründen verlässt, geht SAP einer der Vordenker des Projekts von Bord.  Er stand für Hana wie kein anderer. "Vishal hat einen entscheidenden Beitrag geleistet, um SAP in diese Position zu bringen und dafür möchte ich mich bei ihm persönlich bedanken", würdigte Aufsichtsratschef Hasso Plattner dessen Verdienst.

Zwei Europäer im Topmanagement

SAP-Konzernstratege Alex Atzberger, sagte: Mittlerweile werde die Expertise von anderen Managern eingebracht. Der neue Entwicklungschef Bernd Leukert sei ein Mann der ersten Stunde von Hana. PAC-Analyst Niemann kann dem nun anstehenden Umbau auch etwas Positives abgewinnen, Mit Leukert und Personalchef Stefan Ries rückten zwei Europäer ins Topmanagement nach: "Das ist eine wichtige Botschaft für den Markt", so Niemann.

Größere Probleme sieht Analyst Phil Carter vom Marktforscher IDC in dem inzwischen seit Monaten anhaltenden schnellen Managementwechsel bei SAP. Schon im vergangenen Jahr hatten neben Jim Hagemann Snabe, Personalvorstand Luisa Delgado und Cloud-Chef Lars Dalgaard ihren Rückzug angekündigt. Selbst in der schnelllebigen IT-Industrie seien so viele Wechsel ungewöhnlich, so Carter.

Dabei wird es bei SAP nicht ruhiger werden. "Es wird weitere Veränderungen im Management geben. SAP verändert sich und damit auch das Management", sagt McDermott. Gleichzeitig wirbt er um Unterstützung: "Mir ist wichtig, dass das Team das volle Vertrauen hat - das der Mitarbeiter und der Kunden."

Wie das in der Belegschaft wird, dürfte sich erst in ein paar Monaten zeigen: Im Herbst findet die nächste Mitarbeiterbefragung statt. Schon im vergangenen Jahr war das Vertrauen in den Vorstand deutlich abgesackt. Bemüht habe sich Bill McDermott in den vergangenen Monaten schon. Die euphorische Art des Amerikaners war vor allem bei den deutschen Mitarbeitern häufig weniger gut angekommen. Das habe sich geändert, heißt es im Unternehmen. Offenbar habe McDermott inzwischen einen Coach gehabt.

Quelle: n-tv.de

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