Mittwoch, 30. Juni 2010
Unlautere Wettbewerbsmethoden?: SAP ist im EU-Visier
Der Walldorfer Dax-Konzern zofft sich seit langem mit seinem amerikanischen Konkurrenten Versata. SAP soll bei den Abnehmern seiner Unternehmenssoftware die Nutzung eines Preisauszeichnungsprogramms von Versata blockiert haben.Die EU-Kommission nimmt die Marktmacht von Europas größtem Softwarehersteller SAP unter die Lupe. Der US-Konkurrent Versata hatte sich in Brüssel beschwert, die Walldorfer wollten mit unlauteren Methoden Wettbewerber vom Markt verdrängen.
"Wir werden den Fall genau untersuchen", sagte die Sprecherin von EU- Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. SAP wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Es werde aber eng mit der EU-Kommission zusammengearbeitet, sagte eine Konzernsprecherin in Walldorf.
Der Vorwurf lautet, SAP habe bei den Abnehmern seiner Unternehmenssoftware die Nutzung eines Preisauszeichnungsprogramms des Konkurrenten Versata blockiert. SAP sei - ähnlich wie der US-Konzern Microsoft in den vergangenen Jahren - gegen seine Rivalen vorgegangen und habe Versata wichtige Schnittstelleninformationen vorenthalten. Stattdessen wolle der Konzern seine Kunden zwingen, SAP-Software zu benutzen.
Streit geht bereits seit Jahren
Die Versata Software Inc. mit Sitz in Austin (Texas) forderte die Kommission auf, SAP dazu zu zwingen, die Informationen offenzulegen. "Die Kommission sollte auch eine angemessene Strafe verhängen", schrieb das Unternehmen auf seiner Internetseite. Bei Verstößen gegen das EU-Wettbewerbsrecht kann die Brüsseler Behörde Geldbußen aussprechen. Microsoft musste in einem ähnlichen Fall EU-Geldbußen zahlen und Auflagen erfüllen, weil es seinen Internetbrowser Explorer an sein Betriebssystem gekoppelt hatte.
Die ehemaligen Partner Versata und SAP streiten schon seit Jahren um Patente. Im August 2009 verurteilte ein US-Gericht SAP wegen Patentrechtsverletzungen zu einer Strafe von rund 139 Millionen Dollar (damals 97 Millionen Euro). Daneben sind noch weitere Verfahren anhängig.
dpa
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