Wirtschaft
Der griechische Premier Antonis Samaras.
Der griechische Premier Antonis Samaras.(Foto: REUTERS)

Krisengespräch im Kanzleramt : Samaras kommt nach Berlin

Der griechische Regierungschef Samaras will in knapp drei Wochen Bundeskanzlerin Merkel für Lockerungen beim Spar- und Reformprogramm bitten. Die Geldgeber der Troika blockieren die Auszahlung von Teilzahlungen zugesagter Hilfsgelder, weil Athen mit seinen Sparverpflichtungen und Reformschritten in Rückstand ist.

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras will Ende August zu Gesprächen nach Berlin und Paris reisen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf "Kreise, die dem Ministerpräsidenten nahe stehen." Eine offizielle Erklärung mit dem genauen Programm werde es in den nächsten Tagen geben, hieß es.

Zuvor hatten verschiedene griechische Medien berichtet, Samaras werde wahrscheinlich am 24. August nach Berlin kommen. Dabei gehe es darum, einen "schnellen Euro-Tod" Griechenlands abzuwenden. Den Verantwortlichen sei bewusst, dass es in Berlin einen "Grexit"-Plan - einen Plan für den Austritt Griechenlands aus der Eurozone - gebe. Griechenland will von seinen Geldgebern mehr Zeit bekommen, um die Sparauflagen und Reformen umzusetzen.

Video

Samaras hatte vergangene Woche die Äußerungen einiger europäischer Politiker zu einem möglichen Euro-Austritt Griechenlands scharf zurückgewiesen. Diese würden die griechischen Bemühungen untergraben, sagte er vor einem Parlamentsausschuss. Er wisse nicht, ob diese Politiker es "bewusst oder aus Dummheit" täten - er wisse nur, dass sie unverantwortlich seien.

Davon lässt sich der bayerische Finanzminister Markus Söder nicht beeindrucken. Der CSU-Politiker forderte, Griechenland solle bis Jahresende die Eurozone verlassen. An Athen müsse ein Exempel statuiert werden, sagte er der "Bild am Sonntag".

Verhandlungen gehen weiter

Unterdessen hat die Troika ihre Inspektion in Griechenland beendet. "Die Gespräche sind gut gelaufen, und wir sind gut vorangekommen. Wir machen nun eine Pause und werden Anfang September zurückkehren", sagte der Chef der Delegation des IWF nach einem Treffen im griechischen Finanzministerium.

Zuvor hatte die entscheidende Verhandlungsrunde mit den Kontrolleuren der internationalen Geldgeber über das neue Sparpaket stattgefunden. Die Kürzungen, die nach fünf Jahren Wirtschaftskrise und harten Einschnitten in der Bevölkerung auf entschiedene Ablehnung stoßen, dürften vor allem bei Renten und der Gesundheitsversorgung ansetzen. Das 11,5 Mrd. Euro schweren Programm werde "schmerzhaft" für die Bevölkerung sein, hieß es in der Athener Sonntagspresse. Von "schockierenden Kürzungen", schrieb die Zeitung "To Vima". Athen tue alles, damit es nicht wegen einer Einstellung der Finanzspritzen der Geldgeber zum zwangsweisen Austritt aus dem Euroland komme, meinte die konservative Zeitung "Kathimerini".

Sollte es eine Einigung geben, werden die Troika-Experten von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds abreisen und Athen Zeit geben, das Programm dem eigenen Volk zu präsentieren und es dann stufenweise in die Wege zu leiten.

Grünes Licht für weitere Finanzhilfen bedeuten diese aber Verhandlungen nicht. Denn Athen ist in erheblichem Rückstand bei seinen zugesagten Reform- und Sparschritten. Die Experten der Geldgeber sollen im September erneut nach Athen reisen. Sie werden dann prüfen, inwieweit Griechenland das Sparprogramm in die Tat umsetzt. Das Land ist auf die weitere milliardenschwere Kredite angewiesen. Andernfalls droht dem Euro-Mitglied die unmittelbare Pleite.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen