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Russischer Sand im Getriebe: Sanktionen kosten Maschinenbau Milliarden

Die deutschen Maschinenbauer blicken sorgenvoll nach Russland. Die Geschäfte mit dem wichtigen Handelspartner laufen schlecht. Die verschärften EU-Sanktionen sind dabei nur ein Problem.

Den deutschen Maschinenbauern drohen ein Jahr nach der Verhängung schärferer Sanktionen gegen Russland Milliardenverluste. Nach einem Minus von 17 Prozent im Jahr 2014 liegen die Rückgänge im Russland-Geschäft aktuell bei knapp 30 Prozent. Sollte dieser Trend anhalten, würden die deutschen Maschinenexporte für das gesamte Jahr 2015 auf rund 4,5 Milliarden Euro sinken, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mitteilte.

"Rubelverfall, Ölpreis und die schlechte Wirtschaftslage in Russland sind die Hauptursachen für den Einbruch im Russlandgeschäft des Maschinenbaus", sagte der Leiter VDMA-Außenwirtschaft, Ulrich Ackermann. "Mit den Gütersanktionen direkt ist dieser Einbruch definitiv nicht zu erklären", erläuterte er. Neben den hausgemachten, schon im Jahr 2013 erkennbaren Strukturproblemen der russischen Wirtschaft machten sich vor allem die Sanktionen im Finanzsektor negativ bemerkbar.

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Die Rubelabwertung, der hohe Leitzins und die Sanktionen im Finanzbereich machen laut VDMA die Projektfinanzierung sowie fehlende Investitionen zu den drängendsten Problemen im Russlandgeschäft. Kredite seien für die russischen Kunden unerschwinglich und außerdem kaum zu erhalten. Aber auch der Staat müsse sparen und investiere zurzeit weniger als nötig wäre.

Finanzierung ist Hauptproblem

In einer VDMA-Umfrage aus dem Mai 2015 gaben mehr als 50 Prozent der beteiligten Unternehmen an, unter fehlenden Finanzierungen zu leiden. Dies sei ein ganz klarer Trend, der sich im Laufe des Jahres fortgesetzt habe, bekräftigte der Branchenverband.

Zwar sei ein Großteil der Handhabungs- und Auslegungsfragen zum Russland-Embargo durch eine Veränderung der Bestimmungen im vergangenen Dezember gelöst, erklärte der VDMA. Schwierigkeiten machten aber weiterhin Ausfuhr-Genehmigungsanträge für Dual-Use-Güter, wenn diese für Empfänger in Russland bestimmt seien, die neben zivilen Produkten auch Rüstungsgüter in ihrem Programm haben.

Als Reaktion auf die Annexion der Krim hatte die EU im März 2014 erste Sanktionen gegen Russland erlassen. Dazu gehörten vor allem Reisebeschränkungen und Kontoeinfrierungen. Massiv verschärft wurden die Sanktionen dann am 31. Juli vergangenen Jahres, als die EU weitreichende Wirtschaftssanktionen verabschiedete, darunter ein Waffenembargo, ein Ausfuhrverbot für Güter mit doppeltem Verwendungszweck (Dual Use) und eine Beschränkung des Kapitalmarktzugangs für russische Finanzinstitute.

Der VDMA vertritt etwa 3000 vorrangig mittelständische Mitgliedsunternehmen. Aber auch börsennotierte Konzerne wie Gea oder Singulus sind Mitglieder des Verbandes. Er zählt zu den einflussreichsten Wirtschaftsverbänden in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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