Wirtschaft
Rossija ist die Hausbank einiger von Präsident Putins engsten Freunden - und von den Sanktionen betroffen.
Rossija ist die Hausbank einiger von Präsident Putins engsten Freunden - und von den Sanktionen betroffen.(Foto: REUTERS)

Erste Wirkungstreffer: Sanktionen prallen an Russland nicht ab

Die in der Krim-Krise verhängten Sanktionen gegen Russland entfalten zunehmend ihre Wirkung: An der Moskauer Börse geraten Indizes und Kurse erneut unter Druck. Ebenso ergeht es der Landeswährung. Unerfreuliches kommt zudem von Ratingagenturen.

Russlands Börsen geraten durch die Verschärfung der westlichen Sanktionen weiter unter Druck. Der auf Dollar lautende RTS-Index notierte zeitweise 4,5 Prozent im Minus. Der auf Rubel lautende Index Micex verlor in der Spitze 3,8 Prozent. Beide grenzten das Minus im Handelsverlauf aber ein. Federn lassen mussten vor allem Banken. Zudem stoßen Anleger umfangreich Anleihen ab. Ein Oligarch macht eines seiner Unternehmen zu Geld. Und für etliche Kreditkartenbesitzer brechen harte zeiten an.

Mit zu den größten Verlierern an der russischen Börse zählten die Aktien des russischen Gas-Produzenten Novatek, die sich teils um zwölf Prozent verbilligten. Das Unternehmen gehört unter anderem dem Putin-nahen Wirtschaftsmagnaten Gennadi Timtschenko, der von den USA mit Sanktionen belegt wurde. In buchstäblich letzter Minute hatte der sechstreichste Mann Russlands, am Mittwoch seine Aktien an dem von ihm mitgegründeten Ölhandelsunternehmen Gunvor an den schwedischen Geschäftspartner Thorbjörn Törnqvist veräußert. Die Aktien des größten russischen Finanzinstituts Sberbank gaben vorübergehend drei Prozent nach. Gazprom verloren 2,3 Prozent.

Indes sind die Verluste an der Börse vergleichsweise moderat: Nachdem bewaffnete pro-russische Kräfte Anfang des Monats die Krim besetzt hatten und der Westen Sanktionen androhte, ging es drastischer nach unten. Die Marktkapitalisierung des Micex schrumpfte allein am 3. März um 60 Milliarden US-Dollar - mehr als Russland für die Olympischen Winterspiele in Sotschi ausgegeben hatte. Zudem musste die Notenbank über elf Milliarden US-Dollar verkaufen, um die Abwertung des Rubel zu bremsen. Diese Summe entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung kleinerer Nachbarstaaten wie Armenien oder Moldavien.

Zentralbank hebt Rubelband an

Chart

Auch am Devisenmarkt hinterließ die Furcht vor einer Sanktionsspirale, die die Wirtschaft des Landes lähmen könnte, Spuren. Ein Dollar stieg in der Spitze auf 36,52 Rubel und näherte sich damit wieder seinem am Montag erreichten Rekordhoch von 36,73 Rubel.

Derweil hat die russische Zentralbank das Rubelband um 5 Kopeken auf 36,20 bis 43,20 je US-Dollar angehoben. Nach Einschätzung der Citigroup wollen viele Investoren mit Blick auf das bevorstehende G-7-Treffen nicht untergewichtet sein in Dollar-Positionen zum Rubel. Auch das bevorstehende handelsfreie Wochenende führe zu vorsorglichen Rubel-Verkäufen.

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor den Weg für Sanktionen gegen Kernbereiche der russischen Wirtschaft frei gemacht und weitere Visasperren gegen prominente Russen angekündigt. So wurden 20 weitere ranghohe russische Regierungsvertreter und Vertreter der russischen Wirtschaftselite auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Das US-Vermögen der Rossija Bank wird eingefroren, Einzelpersonen und Unternehmen aus den USA dürfen mit dem Finanzinstitut keine Geschäfte mehr machen.

"Obama hat Pandoras Büchse geöffnet"

Video

Oleg Shagov, Analyst bei der Promsvyazbank, sagte, Obama habe Pandoras Büchse geöffnet. Nun seien auch Sanktionen gegen ganze Bereiche der russischen Wirtschaft denkbar. Die Regierung in Moskau reagierte mit Strafmaßnahmen gegen die USA.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs weiteten als Reaktion auf die angestrebte Eingliederung der ukrainischen Halbinsel Krim in die Russische Föderation ebenfalls Einreise- und Kontosperren aus.

Kritik dazu kommt aus Tschechien: Die tschechischedortige Wirtschaftskammer lehnt härtere Sanktionen ab. Rund 20.000 Jobs seien nach eigenen Berechnungen unmittelbar in Gefahr, hieß es. Hinzu kämmen 30.000 Stellen bei Zulieferern. Russland sei der wichtigste Handelspartner außerhalb der EU. Die Abwertung des Rubels in den letzten Monaten wirke sich bereits jetzt negativ aus.

Nächste Ratingagentur warnt

Ungemach droht auch weiter von den Ratingagenturen. Einen Tag nach Standard & Poor's (S&P) stellten auch die Bonitätsprüfer von Fitch Russland einer niedrigere Kreditwürdigkeit in Aussicht. Der Ausblick für die Bonität sei von "stabil" auf "negativ" gesenkt, teilte Fitch mit. Ein negativer Ausblick gilt als Vorstufe zu einer möglichen Herabstufung. Ein niedrigeres Rating bedeutet für einen Staat zumeist, dass er für Kredite in aller Regel höhere Zinsen bezahlen muss.

Fitch verwies zur Begründung auf auf die wirtschaftlichen Folgen eventueller Sanktionen. Bereits jetzt habe sich das Wachstum abgeschwächt. Die Investitionen seien rückläufig. Außerdem könnte allein die Aussicht auf strenge Sanktionen Banken und Investoren von der Kreditvergabe nach Russland abhalten. Russlands Rating beträgt sowohl bei Fitch als auch bei S&P "BBB". Das sind zwei Stufen über dem sogenannten Ramschbereich, der riskante Anlagen kennzeichnen soll.

Kreditkartenbetreiber stoppen Dienste

Derweil haben die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard die Zahlungsdienste für die Kunden einiger russischer Banken gestoppt. Die Rossija Bank, Hausbank enger Verbündeter von Russlands Präsident Wladimir Putin, teilte mit, die beiden Kreditkartenunternehmen hätten "ohne Vorwarnung" ihre Zahlungsdienste für die Kunden der Bank eingestellt. Betroffen sei auch die hundertprozentige Tochter Sobinbank.

Auch die SMP Bank teilte mit, dass ihre Kunden nicht mehr mit ihrer Visa- oder Mastercard zahlen könnten. Die SMP wird von den Brüdern Arkadi und Boris Rotenberg kontrolliert, die auf der US-Sanktionsliste stehen. Beide sind langjährige Judo-Partner von Präsident Wladimir Putin und sollen vor den Olympischen Winterspielen mit Großaufträgen in Sotschi bedacht worden sein. Der Kurs ihres Bauunternehmens Mostotrest fällt ebenfalls.

"Aufgrund der Tatsache, dass die Sanktionen gegen die Aktionäre und nicht gegen die Bank verhängt wurden, betrachten wir das Vorgehen im Zahlungsverkehr als ungesetzlich und sind zuversichtlich, dass wir die Probleme in naher Zukunft lösen können", hieß es in einer Stellungnahme der Bank.

Konkret können die Kunden der betroffenen Banken mit ihren Kreditkarten keine Einkäufe mehr tätigen oder Geld von Bankautomaten abheben, die nicht zu ihrer Hausbank oder einer Partnerbank gehören.

Aus Furcht vor einer Eskalation der Krim-Krise versuchen derweil westliche Geldhäuser russische Kredite loszuwerden. "Viele Banken werden nun nervös", sagte ein Händler. Es handele sich nicht nur um Problem-Papiere, sondern auch um gut laufende Darlehen. Die Preise für russische Kredite fielen bereits auf breiter Front. Vor allem Hedgefonds und andere risikofreudige Investoren dürften Interesse zeigen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen